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Kinohit "Kokowääh": Zehn Gründe für Til Schweigers Erfolg

Til Schweigers neues Werk "Kokowääh" ist der erfolgreichste deutsche Film seit 2009. Fast zwei Millionen Menschen haben ihn schon gesehen. Und warum? Weil wir alle ein bisschen Schweiger sind.

Von Sophie Albers

Langsam scheint sich das Blatt zu wenden und der Erfolg Til Schweiger Recht zu geben: Die Kritiker, die den Publikumsliebling seit mindestens sechs Jahren für seine "seichten" Unterhaltungsfilme immer wieder genüsslich abschreiben, werden weich. Sie scheinen sich dem Willen des Kinovolkes zu beugen. Schließlich können 20 Millionen Zuschauer nicht irren, die sich allein für die Kinotickets für seine Filme angestellt haben - von DVD-, Plüschtier- und Soundtrack-CD-Verkäufen mal ganz abgesehen.

Damit liegt der Ball bei den Kritikern, die mit dem Erfolg dieses Mannes mit dem Grübchen im Kinn irgendwie klarkommen müssen. stern.de hat zehn Gründe gefunden, warum Til Schweiger schlicht und ergreifend gewonnen hat.

1. Er war irgendwie schon immer da

Seit 20 Jahren hat Til Schweiger seinen Platz im deutschen kollektiven Filmbewusstsein. 1990 fing er als Jo Zenker in der Mutter aller TV-Serien, der "Lindenstraße", an. 1991 folgte die Macho-Komödie "Manta Manta", bei der Schweiger in dem jüngst verstorbenen Überproduzenten Bernd Eichinger (dessen Mainstream-Schaffen die Kritiker auch nicht guthießen) einen Mentor fand. Den großen Durchbruch über Nacht mit anschließender Krönung zum Sexsymbol brachte "Der bewegte Mann" (1994), in dem Schweiger unter anderem nackt auf einem Tisch hockt und vor sich hinstiert. 1996 war er in "Männerpension" und "Das Superweib" zu sehen. Im gleichen Jahr gründete er mit Thomas Zickler und André Hennicke die Produktionsfirma Mr. Brown Entertainment (der Name stammt aus Quentin Tarantinos "Reservoir Dog") und produzierte den Kinohit "Knockin' On Heaven's Door" (3,6 Millionen Zuschauer). Der Anfang der Marke Til Schweiger war gemacht. Regie führte er erstmals 1998 bei "Der Eisbär", mit gerade mal 733.000 Zuschauern ein Flop. Doch seit 2005 sind Schweigers Filme - der nun gern Drehbuch, Produktion, Regie, Hauptrolle und Schnitt zusammen übernimmt - deutsche Blockbuster: "Barfuss" (2005/ 1,5 Mio Zuschauer), "Keinohrhasen" (2007/ 6,3 Mio Zuschauer), "1 ½ Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde" (2008/ 1,8 Mio Zuschauer), "Zweiohrküken" (2009/ 4,3 Mio Zuschauer) und nun "Kokowääh", der in knapp zwei Wochen 1,9 Millionen Zuschauer ins ewig totgesagte deutsche Kino zog. "Keinohrhasen 3" ist in Arbeit.

2. Er sieht gut aus

Tut er ganz objektiv. Großes Vorbild war offensichtlich Stahlauge Paul Newman, von dem Schweiger lange ein Bild an der Wand hängen hatte. Mit den eiskalten Augen und dem Grübchen im kantigen Kinn hat er es schließlich auch nach Hollywood geschafft. Trotz seiner nicht unbedingt angenehmen Stimme spielte Schweiger 2001 neben Sylvester Stallone und Burt Reynolds in "Driven" (Flop), 2003 neben Angelina Jolie in "Lara Croft: Tomb Raider: Die Wiege des Lebens" (Hit, aber nicht wegen Schweiger), 2004 neben Clive Owen im desaströsen "King Arthur", und auch "Deuce Bigalow: European Gigolo" (2005) hätte er sich besser gespart. 2004 hat Schweiger Amerika wieder verlassen und ist samt Frau (US-Model Dana) und vier Kindern nach Hamburg gezogen.

3. Er hat Hollywood überlebt

Auch wenn Schweiger Probleme mit Kritikern hat ("Ich war nie im Krieg mit ihnen, es hat mich nur sehr aufgeregt", Schweiger in "Blickpunkt: Film", Februar 2011), scheint er hart im Nehmen zu sein. Nachdem er aus Amerika zurück kam - was auch mit der Trennung von seiner Frau im Jahr 2005 einherging -, hat er nicht gejammert, dass der große internationale Durchbruch nicht kam, sondern einfach weitergemacht.

4. Hollywood ist zu ihm gekommen...

... und das auch noch in Person von Quentin Tarantino. 2007 war Til Schweigers bisher international erfolgreichstes Jahr, denn sein ehemaliges Idol Tarantino besetzte ihn in dem Welterfolg "Inglourious Basterds". In dem 2.-Weltkriegs-Märchen spielt Schweiger einen wortkargen Wehrmachtsoffizier, der sich gegen die Nazis stellt und sie zusammen mit einem US-Spezialkommando (unter anderem Brad Pitt) splattert. So cool war er noch nie.

5. Er hat ein Riesen-Ego

Der Tarantino-Erfolg hat Schweiger sicher nicht bescheidener werden lassen - aber das ausgeprägte Ego (Kein anderer Regisseur darf seine Drehbücher verfilmen, "weil sie es nicht könnten oder nicht talentiert genug sind", Schweiger im Februar 2011) ist ja nicht Schweigers Problem, sondern das derer, die damit umgehen müssen. Und mal ganz ehrlich: Ohne diese Überfunktion wäre eine Karriere im Showgeschäft kaum möglich.

6. Er macht sein Ding

Das ist praktisch, denn mit dem dicken Ego kommt offensichtlich auch ein dickes Fell. Schweiger ist trotz Kritik und verletzendem Übersehenwerdens nie eingeknickt. Er hat mal die beleidigte Leberwurst gespielt (Stichwort Filmakademie), aber er hat nie die Hände in den Schoß gelegt oder sich gar verbogen, was er wohl auch von Bernd Eichinger gelernt hat. "Til-Schweiger-Film" ist heute eine Marke. Von der ewig gleichen Männerfigur des harten Machos mit weichem Kern bis zum schmeichelnden Licht und dem unausweichlichen Happy-End - man weiß bereits an der Kinokasse, was man kriegt. "Wir müssen Filme machen, die die Leute sehen wollen, keine Kunst, sondern Unterhaltung", hat Til Schweiger schon zu Beginn seiner Karriere gesagt. Er sei mit sich im Reinen, hat er jüngst mitgeteilt. Allerdings wird man das Gefühl nicht los, dass es nie anders war, was seine Angstlosigkeit erklären würde.

7. Er hat keine Angst

Die einen nennen Schweigers Durchhaltevermögen und Themen-Penetranz dumm, die anderen smart. Fakt ist, dass das Muster nicht nur durchscheint, sondern offenliegt. Bei "Keinohrhasen" und "Zweiohrküken" hat Schweiger bereits das gleiche Filmposter verwendet. Theoretisch könnte er aber auch einfach einen Titel für jeden weiteren Film durchnummerieren. Seine Fans würde es nicht stören.

8. Er weiß, was Männer wollen

Eine große Portion Erfolg liegt definitiv verankert in Schweigers zumindest auf der Leinwand propagiertem simplen Weltbild. In einer komplett unintellektuellen Welt sind die Dinge das eine oder das andere, aber niemals dazwischen: schwarz und weiß, gut und böse, klein und groß, weiblich oder männlich, wobei sich aus letzterem alles Drama speist. Denn der Mann will vor allem Sex. Schweigers Männerfiguren sind anachronistische Machos: dumm, schwanzgesteuert und stolz drauf. Und offensichtlich trifft Schweiger damit eine männliche Sehnsucht, die existiert, ohne ausgesprochen werden zu dürfen: Mann ist ein Arschloch, weil er es kann. Und Frau muss ihn trotzdem lieben, weil er doch aussieht wie Til Schweiger (siehe Punkt 2).

9. Er weiß, was Frauen wollen

Das Perfide am Schweiger-Film ist, das er als Frauenfilm daherkommt. Als chick flick, der Romantik, derbes Drama und garantierte Vereinigung verspricht, ein Konzept, das Frau auch an "Sex and City" geliebt hat. Und das, obwohl keine einzige Frauenfigur für eine Frau mit Verstand zur Identifikationsfigur taugt. Frau bleibt immer abhängig. Frauen sollten lieber blond und ehrlich sein und ihre Grenzen kennen, hat der Schauspieler in jungen Jahren mal verlauten lassen. An dieser Sichtweise scheint sich nichts geändert zu haben, wenn man die Filme sieht - oder Schweigers RTL-Show "Mission Hollywood" aus dem Jahr 2009. Schweiger schmuggelt frauenfeindliche Figuren in Frauenherzen. Das soll ihm erstmal einer nachmachen.

10. Er weiß, was er kann

Punkt zehn sind die nackten Zahlen, mit denen sich der Kreis schließt. Schweiger ist neben Bully Herbig Deutschlands erfolgreichster Filmemacher. Und das weiß man nicht nur in Deutschland. "Gott sei Dank gibt es Til Schweiger", stand gerade in einer Berlinale-Ausgabe des US-Branchenblatts "The Hollywood Reporter" zu lesen. "Der deutsche Regisseur/Schauspieler/Produzent ist mal wieder angetreten, um die nationale Industrie mit seiner neuen romantischen Komödie 'Kokowääh' zu retten, die in nur zwei Wochen fast 20 Millionen Dollar eingespielt hat und die Kinocharts anführt." Dann zitiert der Text über das schlechte Kinojahr 2010 auch noch den Prozenten Boris Schönfelder ("Antikörper", "Nordwand", "Tom Sawyer"), der das endgültige Urteil formuliert: "Es ist eine Tatsache, dass in einem Jahr, in dem weder ein Film von Til Schweiger noch von Bully Herbig rauskommt, die Kinoeinnahmen nach unten gehen, der Marktanteil deutscher Filme abstürzt und sich alle Sorgen machen."

Wie gesagt: Til Schweiger hat gewonnen.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo