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Kinostart: "Mystic River"

Jimmy, Dave und Sean sind Jungs aus einem Arbeiterviertel von Boston, die gemeinsam spielen und gemeinsam Streiche ausüben. Eines Tages tritt das Verhängnis in das unbeschwerte Leben der drei kleinen Freunde.

Jimmy, Dave und Sean sind Jungs aus einem Arbeiterviertel von Boston, die gemeinsam spielen und gemeinsam Streiche ausüben. Eines Tages tritt das Verhängnis in das unbeschwerte Leben der drei kleinen Freunde - in Gestalt eines falschen Polizisten, der Dave mit seinem Kumpanen in sein Auto zwingt, tagelang sexuell missbraucht und dann laufen lässt. Für die Jungs ist dies das Ende der Kindheit, Dave selbst wird das traumatische Erlebnis nie mehr überwinden können.

Eine Tragödie führt die Kindheitsfreunde wieder zusammen

25 Jahre später sind aus den Jungs erwachsene Männer mit ganz verschiedenen Lebenswegen geworden: Jimmy hat eine kriminelle Jugendkarriere hinter sich, ist stolz auf seine 19-jährige Tochter Katie aus erster Ehe, besitzt nun einen Lebensmittelladen und mit seiner zweiten Frau Annabeth und zwei weiteren kleinen Töchtern auch eine harmonische Familie. Dave hat auch Frau und einen netten Sohn, lebt wie Jimmy immer noch im Viertel und schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, seelisch gezeichnet von dem Schrecken, der noch immer in ihm wohnt. Sean hat sich als einziger aus dem sozialen Milieu gelöst und ist Kriminalpolizist geworden, der unter der Trennung von seiner Frau leidet.

Eine neue Tragödie führt die drei Kindheitsfreunde von einst wieder zusammen: Jimmys Tochter Katie wird ermordet aufgefunden. Sean führt mit seinem Partner Whitey die Ermittlungen. Aber auch der zutiefst aufgebrachte Vater des toten Mädchens setzt alles in Bewegung, um den Mörder Katies zu finden und zu bestrafen. Dave war einer der letzten, die Katie lebend gesehen haben. Bald verwickelt sich der schwermütige Mann gegenüber seiner Frau in Widersprüche, diese schöpft einen schrecklichen Verdacht, den sie schließlich auch Jimmy mitteilt. Die Folge davon sind ein sinnloser Racheakt und ein fragwürdiges Geheimnis, das Jimmy und Sean von nun an verbinden wird.

Eastwood war von der Vorlage sofort fasziniert

"Mystic River" heißt der am 27. November in die Kinos kommende Film, der diese düstere Geschichte erzählt. Es ist eine weitere Regiearbeit des inzwischen 73-jährigen Clint Eastwood, der diesmal auf einen eigenen Leinwandauftritt verzichtet hat. Eastwood war von der Vorlage zu dem Streifen, Dennis Lehanes Bestseller-Roman gleichen Titels, so fasziniert, dass er sich sofort die Filmrechte sicherte. Der Hollywood-Veteran hat ein sicheres Gespür für die Stoffe, die er mit in langen Jahren erworbener Meisterschaft perfekt inszenieren kann. So ist dieser mit 137 Minuten überlange Film keineswegs zu lang, sondern stets kurzweilig und von untergründiger Spannung.

Eastwood geht es sichtlich weniger um die Aufklärung eines grausamen Mordes, sondern um die Beziehung von drei Männern, von denen einer ein doppeltes Opfer bringen muss. Mit Sean Penn als Jimmy, Tim Robbins als Dave und Kevin Bacon als Sean, dazu die weiblichen Darsteller Laura Linney und Marcia Gay Harden ist der Film hervorragend, aber nicht makellos besetzt. Der Schwachpunkt ist Sean Penn, dem man zwar den Mann mit kriminellen Neigungen und Gewaltdrang problemlos abnimmt, aber nicht den verzweifelten Vater, Kleingewerbetreibenden und Familienmenschen.

Fragwürdiger Schluss bringt bitteren Nachgeschmack

Sehr fragwürdig ist der Filmschluss: Ohne ihn verraten zu wollen, hat er doch etwas unangenehm Männerbündisches. Die beiden überlebenden Jugendfreunde signalisieren sich, ein schreckliches Geheimnis zu haben, mit Blicken und Gesten, die den unschuldig Geopferten noch nachträglich erniedrigen. Augenzwinkerndes Einverständnis mit einem Mord - das hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Bleibt noch zu erwähnen, dass Eastwood "Mystic River" nicht nur inszeniert und produziert hat, sondern erstmals auch für die Filmmusik verantwortlich zeichnet. Der alte Haudegen ist ein großer Könner. Aber auch denen gelingt nicht alles.

Wolfgang Hübner, AP