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Kinostart von "Catching Fire": Was Kinder an den "Hunger Games" begeistert

Die Trilogie ist ein gigantischer Erfolg, nun kommt der zweite Teil der "Tribute von Panem" in die Kinos. Der Stoff ist harter Tobak, aber die Kinder stehen drauf. Ein Elfjähriger erklärt, warum.

Von Niels Kruse

Am Ende siegt die Liebe. Natürlich. Und wenn sie nicht gestorben sind und so weiter. Bis es aber so weit ist, töten Jugendliche Kinder, Kinder Jugendliche, werden rachsüchtige Diktatoren und menschenverachtende Medientypen beseitigt. Es fließen verdammt viel Blut, Schweiß und Tränen. Die "Tribute von Panem" ist die albtraumhafte Vision eines quasifaschistischen Staats, in der eine Elite Menschen versklavt und sich einmal im Jahr via Fernsehen an ihrem Überlebenskampf labt. Die schwerköstige Trilogie ist ein riesiger Erfolg - vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Warum bloß?

"Die Geschichte ist faszinierend und einfach spannend", sagt Luk, elf Jahre alt, aus Hamburg-Eimsbüttel. Der Junge gehört eigentlich noch nicht zur Zielgruppe, dafür ist er etwas zu jung. Der zweite Filmteil "Catching Fire" läuft nun in den deutschen Kinos an. Er ist ab zwölf Jahren freigegeben, bei 14 Jahren liegt die Altersempfehlung für die Bücher. Immer noch recht jung angesichts der düsteren Welt, die sich den Kleinen dort offenbart: Teenager, die sich in einer Arena so lange meucheln, bis nur einer übrigbleibt, perverse Medien, die den Todeskampf als Unterhaltungsshow inszenieren, das alte römische Motto "Brot und Spiele" auf die Spitze getrieben, um die Herrschaft weniger über die Massen zu zementieren - wie kommt man in dem Alter überhaupt darauf, so etwas zu konsumieren?

414 Seiten in fünf Tagen weggelesen

Bei Luk war ein etwas älterer Freund, der ihm davon erzählt hatte. Als er sich für die Sommerferien ein Buch kaufen wollte, fiel die Wahl auf den ersten Teil des Dreiteilers. "Das lag dann erst so rum, aber als ich es anfangen hatte, war ich nach fünf Tagen durch", sagt er Sechstklässler. Einige Wochen später präsentierten er und sein Freund den Band vor der Klasse. "Wir haben Blätter mit Blutspuren auf dem Boden verteilt, einige Szenen gezeichnet und vorgelesen – danach haben sofort drei Mitschüler ebenfalls angefangen zu lesen." Die Lehrerin hatte anschließend mit den Kindern über den nicht eben leicht verdaulichen Inhalt der "Hunger Games", wie die Reihe von Suzanne Collins im Original heißt, gesprochen.

"Die ganze Szenerie ist schon ziemlich krass und auch bescheuert", sagt Luk. Viel genauer wird er nicht. Muss er vielleicht auch nicht, denn letztlich dreht sich das finstere Werk um die einfachen und wichtigen Dinge, die Kinder in Luks Alter bewegen: der Kampf des (eindeutig) Guten gegen das (eindeutig) Böse, um Freundschaft, Familie, Loyalität, Standhaftigkeit und, ja, auch um Liebe. Die "Tribute von Panem" sind letztlich nur die zugespitzte, konsequentere und modernere Version von "Star Wars" oder "Herr der Ringe" - mögen die Erwachsenen auch noch so viel Anspielungen und Kritik an real existierenden Staaten oder den Abgründen der aktuellen Medienlandschaft sehen.

Vorschau unendlich oft gesehen

Weniger das Buch, aber vor allem der Film verzichtet weitgehend auf allzu ausufernde Gewaltdarstellungen, obwohl ein Großteil der Handlung auf Mord und Totschlag basiert. Ganz ohne Blut kommt deswegen auch der zweite Teil nicht aus. Luk, der den zweiten Band bereits gelesen hat, fürchtet sich nicht vor den zu erwartenden, brutalen Szenen. "Der erste Teil war gut umgesetzt", sagt er, auch wenn sich die Verfilmung nicht ganz an die Vorlage gehalten habe. Das erwartet der Elfjährige auch vom neuen Teil: "Ich habe die Vorschau bestimmt schon hundert Millionen Mal gesehen, das wird bestimmt cool." Sein Plan ist, sich "Catching Fire" noch an diesem Wochenende anzusehen - zusammen mit seinem Freund und dessen Mutter.

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