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Lena Odenthal: Die Dienstälteste

Mit ihrer toughen und burschikosen Art hat sie sich unter die beliebtesten "Tatort"-Ermittler gespielt - und war Wegbereiterin für weitere Frauen in führenden Polizeifunktionen.

Als Ulrike Folkerts 1989 in die Rolle der Lena Odenthal schlüpfte, war sie die einzige Frau als "Tatort"-Kommissarin. Inzwischen ist sie mit mehr als 15 Einsatzjahren die dienstälteste "Tatort"-Ermittlerin der Republik. Einst hatte Folkerts eine kleine Revolution im TV-Krimi ausgelöst. Sehr jung, sehr naiv und ziemlich schüchtern sei sie damals gewesen, erinnert sich die Schauspielerin an die Anfänge 1989. Doch sie wusste gleich auch, wie diese Kommissarin nicht zu sein hatte: "Ich wollte auf keinen Fall im Faltenrock auf Stöckelschuhen den Verbrechern hinterher jagen." Allerdings gelang es ihr erst im zweiten Film ("Rendezvous", 1990), der Figur in Aussehen und Gehabe das unverwechselbare Format zu geben.

Burschikos, tatenfroh, auch mal um einen harten Schlag nicht verlegen, mit einem Hauch androgyner Bisexualität: So stürmte Lena Odenthal bis an die Spitze der Beliebtheitsskala vor. Nicht zuletzt diesem Erfolg ist es zu verdanken, dass in den 90er Jahren ein wahrer Boom weiblicher Ermittler ausbrach, von Bella Block bis Rosa Roth.

Weniger aggressiv als früher

Erfolg nutzt sich aber auch ab. Wiederholung kann zur Erstarrung führen. "Da sind wir natürlich auf der Hut", sagt dazu "Tatort"-Redakteurin Melanie Wolber vom zuständigen Südwestrundfunk (SWR). "Die Figur der Odenthal muss sich mit den Jahren ändern, ohne an ihrer Unverwechselbarkeit Schaden zu nehmen." Sie sei heute schon weniger aggressiv und in ihrer Angriffslust souveräner. Sie darf auch mal Fehler machen und auf eigene Grenzen stoßen.

Dass Ulrike Folkerts über die Odenthal-Filme hinaus nicht häufiger im Fernsehen beschäftigt wird, schmerzt sie etwas. An der Figur der Lena Odenthal schätzt sie nach eigenen Angaben, auch mal anecken zu können und nicht zu glatt zu sein. Der Erfolg des "Tatorts" basiere vor allem auf seiner Realitätsnähe, meint die Schauspielerin. Ohne mehr Gewalt zu zeigen, würden auch immer mehr heikle und brisante Themen in den Krimis verarbeitet.

Carsten Heidböhmer mit Material von DPA/AP

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