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"Tatort"-Kritik: Frauen an die Macht, Männer an die Leine

Es tut sich was in Ludwigshafen: Lena Odenthal kommt endlich aus ihrer Lebenskrise raus und bringt den Zuschauern einen unterhaltsamen "Tatort", der an den Fall Dominique Strauss-Kahn angelehnt ist.

Von Sarah Stendel

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, re.) und Johanna Stern (Lisa Bitter) profitierten bei ihren Ermittlungen davon, dass Hotelmanager de Dreusen (David C. Bunners) die Schlüsselkarten der Zimmermädchen auslesen kann.

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, re.) und Johanna Stern (Lisa Bitter) profitierten bei ihren Ermittlungen davon, dass Hotelmanager de Dreusen (David C. Bunners) die Schlüsselkarten der Zimmermädchen auslesen kann.

Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, wonach in fast jedem "Tatort" der berühmteste Schauspieler auch automatisch der Mörder ist. Und so war in der Sekunde, als Suzanne von Borsody ihren ersten Auftritt hatte klar, dass sie es gewesen sein muss, die das arme Zimmermädchen auf dem Gewissen hat. Dieses musste - bildlich stark umgesetzt - von der Treppe eines Luxushotels auf den kalten Marmorboden stürzen.

Es sollte nicht der einzige Wumms bleiben. "Room Service" ist ein Lena-Odenthal-Krimi, doch er kommt sehr viel unterhaltsamer daher, als die letzten Folgen aus Ludwigshafen. Das liegt wohl auch daran, dass Kommissarin Odenthal (Ulrike Folkerts) langsam - ganz langsam - aus ihrer Burnout-Krise rauskommt. Zumindest nimmt sie die Dinge in die Hand und zieht aus der WG mit Kollege Kopper (Andreas Hoppe) aus. Ein Privatleben könnte so endlich mal in Sicht sein.

Aber vor allem liegt der Unterhaltungswert bei den großartigen Schauspielern Borsody und Peter Sattmann. Die beiden spielen ein Ehepaar - er den triebgesteuerten Politiker Joseph Sattler, sie die knallharte Anwältin Valerie Sattler, die ihm um jeden Preis den Rücken freihält. Auch, als ihm seine politischen Gegner eine Sex-Falle stellen, in die Sattler bereitwillig tappt: Das Zimmermädchen wurde bestochen und sollte ihn wegen Vergewaltigung anzeigen und ihn so politisch zu Fall bringen. Gegen den schmierigen Sattler liegen nämlich ähnliche Vorwürfe aus der Vergangenheit vor. Wer jetzt an den ehemaligen IWF-Präsidenten Dominique Strauss-Kahn denkt, liegt richtig: Die Autoren Stefan Dähnert und Patrick Brunken haben "Room Service" bewusst an die Vorkommnisse von 2011 angelehnt.

Ein Mord für die Frauenquote

Das große politische Thema ist allerdings die Frauenquote: Ausgerechnet Macho Sattler soll die in der EU-Kommission durchboxen. Dahinter steckt seine Frau. "Wenn das nichts wird, dann waren all die Jahre an seiner Seite umsonst", sagt sie Odenthal. Sie selbst lauert auf einen Vorstands-Job, der dann in greifbare Nähe rücken würde - und hat ihren Mann dafür an die Leine genommen. Spätestens jetzt liegt das Motiv auf der Hand: Es war die eiskalte Karriere-Frau, die das Mädchen getötet hat - und nicht der notgeile Säufer-Ehemann. Das ist schade, denn eigentlich schafft es der "Tatort" ansonsten ganz gut, Geschlechterklischees nicht allzu aufdringlich werden zu lassen.

Selbst die Stutenbissigkeit zwischen Odenthal und ihrer jungen LKA-Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) nervt dieses Mal nicht, sondern zeigt eher, wie dünn die Luft an der Spitze für Frauen wirklich ist. Wenn sich Odenthal für die nächste Folge noch etwas mehr Ausgeglichenheit zulegt, könnten sich die Zuschauer wieder mit ihr anfreunden.