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TV-Kritik "Tatort" aus Ludwigshafen: Ein Fall von Therapie

Natürlich muss Lena Odenthal auch diesmal einen Fall lösen. Trotzdem bleibt die Kommissarin im Ludwigshafen-"Tatort" das eigentliche Problem. Die Reha hat sie verlassen. Ist der Burn-out überwunden?

Von Dieter Hoß

Mit aller Vorsicht schaut Lena Odenthal in die Welt. Doch die Kommissarin im Reha-Stand schafft sich durch den Fall, mit dem sie eigentlich nichts zu tun haben dürfte.

Mit aller Vorsicht schaut Lena Odenthal in die Welt. Doch die Kommissarin im Reha-Stand schafft sich durch den Fall, mit dem sie eigentlich nichts zu tun haben dürfte.

Das geht ja schon eine ganze Weile so: Lena Odenthal ermittelt und ermittelt, aber es springt kaum mal ein Funke über, da ist kein Feuer. Die "Tatort"-Fälle aus Ludwigshafen wirken schal, die Kommissarin lust-, zuletzt auch orientierungslos. Die Kritiken sind schlecht, viele Zuschauer wenig begeistert (wenngleich sie trotzdem weiter in Scharen einschalten). Nach 25 Jahren steckt die dienstälteste "Tatort"-Ermittlerin im Burn-out. Weil sich das kaum mehr leugnen lässt, haben die "Tatort"-Macher Lena in die Reha gesteckt. Wie doch das wirklich wahre Leben in die Fernseh-Realität sickern kann …

Und so wohnen wir diesmal einer Art Therapiesitzung in Krimi-Form bei. Ob Täter oder Polizist - hier hat jeder sein Päcklein zu tragen. Ständig ruft jemand: "Ich bin kein Psycho!" - mindestens einmal hört Lena dabei in sich rein. Man erzählt sich wirre, verstörende Träume ("Kenne ich auch, so was!"), hilft sich bei Panik-Attacken, fragt sich, warum die neue Freundin eigentlich bisher ihre Tochter verschwiegen hat oder kommt partout nicht aus seiner Marotte raus, alles in Prozentzahlen zu beziffern. Zum Höhepunkt verleitet Lena mit einer Art Psychoanalyse die Besitzerin eines Pferdehofes (Sylvia Magin) zu einem Mordgeständnis. Dabei spricht die Kommissarin eigentlich zu sich selbst. Jedenfalls schaut sie ihr Gegenüber kaum an.

Hat die Therapie gewirkt?

Apropos Mordgeständnis: Ja, es gibt auch diesmal einen Fall zu klären. Oder besser gesagt, gleich zwei: Einen Mord an einem Pferdepfleger und eine Serie von Pferdeschändungen. Die Hoffnung darauf, dass die beiden Fälle auf überraschende Weise oder verschlungenen Wegen zusammenhängen, trägt den Zuschauer durch diesen "Tatort". Doch Pustekuchen: Zum Schluss kommen aus dem Nichts Pornoaufnahmen, die den Pferdepfleger zum Erpresser und die Pferdehofbesitzerin zur Mörderin machen. Und der Pferderipper (stark gespielt von Ben Münchow) ist eben doch kein Menschen-, sondern "nur" ein Tierripper, der den Selbstmord als Ausweg aus seinem unerträglich gewordenen Leben wählt - nicht ohne die einzige Frau, die sich auf ihn eingelassen hat, zu Tode zu ängstigen.

All das steckt Lena Odenthal mehr merkwürdig stoisch als bewundernswert weg. Und? Ist jetzt alles wieder gut? Hat die Konfrontationstherapie gewirkt? Die Reha-Einrichtung hat sie auf eigene Faust verlassen. Immerhin will sie sich jetzt "abgrenzen", das hat sie gelernt, will aus der gemeinsamen Wohnung mit dem Kollegen Kopper ausziehen. Nicht immer nur über Kriminalfälle und Polizei quatschen. Kopper nennt sie jetzt beim Vornamen. Aber "Mario" ist trotzdem immer noch Kopper. Und die neue, allzu analytische Kollegin (Lisa Bitter) ist auch immer noch da. Von den seelischen Belastungen durch die Polizeiarbeit ganz zu schweigen.

Kein Befreiungsschlag

Ein Befreiungsschlag war das nicht. Zweifel bleiben. Ulrike Folkerts und die Ludwigshafener SWR-Crew waren ohnehin fest entschlossen, auch ins 26. Odenthal-Jahr zu gehen. Zur Orientierung: Die Regelaltersgrenze erreicht Lena Odenthal Ende 2027.

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