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"Mad Max: Fury Road" - Filmkritik Warum der neue "Mad Max" Sie irre und glücklich macht


Nach 30 Jahren erlebt "Mad Max" eine Neuauflage. Und die legt mal eben die Latte für Actionfilme ein ganzes Stück höher. Wer bremst, verliert.
Von Sophie "Furiosa" Albers Ben Chamo

Ich könnte jetzt von den alten "Mad Max"-Filmen mit Mel Gibson erzählen, und davon, ob der Anschluss passt. Ich könnte den Regisseur, der zwischendurch mit "Happy Feet" und "Ein Schweinchen namens Babe" ordentlich Geld verdient hat, zerfleddern. Oder mir die "Pirelli-Kalender-Mädchen" vornehmen, die in diesem Film irgendwann auftauchen wie Kai aus der Kiste. Aber das alles würde rein gar nichts an dem wahnwitzigen Effekt dieses Action-Blockbusters ändern: dass Sie sich hinterher so fühlen, als hätte ein Monster-Truck Sie überfahren - und Sie sind trotzdem glücklich wie ein Kind.

"Mad Max: Fury Road" hebt das Genre Actionkino in nur zwei Stunden auf eine ganz neue Ebene. Staunend sitzt man vor einem komplett in sich schlüssigem Universum, das mal eben das Epische von "Star Wars", die Geschwindigkeit von "Fast&Furious", aber auch die schrullige Zärtlichkeit von "Amélie" in sich vereint. Hier stimmt einfach alles. Da sind dann auch die "Pirelli-Kalender-Mädchen" egal.

Benzin, Blut und Muttermilch

Die Welt ist kaputt, ausgebrannt, verwüstet. Jeder gegen jeden, wer bremst, verliert, es geht ums blanke Überleben. Der monströs bezahnte Immortan Joe (für die Kenner der alten Filme: Ja, es ist der Toecutter) führt ein faschistisches Regime in einer Zitadelle mit Wasservorräten, in der alles, was männlich ist, ackert, kämpft und sich aufs Sterben freut, während alles Weibliche den Herrschenden vor allem zu Diensten sein muss, ob mit Blut, Milch oder Körper.

Während der einsame Wolf Max (Tom Hardy) von Immortan Joes irren Killerhorden eingefangen wird und als martialische Spoilerfigur herhalten muss, ist die extra-toughe Furiosa (Charlize Theron) mit einem Monstertruck und Schutzkonvoi unterwegs zu einer Ölraffinerie, um die Benzinreserven der Zitadelle aufzufüllen. Doch plötzlich weicht sie vom Weg ab, und kurze Zeit später wird ihre Rennpiste die von Max kreuzen. Genug gespoilert.

Krass, krasser, Charlize Theron

Tom Hardy ist ein perfekter Mad Max, wirklich mad, und vor allem so wortkarg wie man es sich von Helden in manch anderem Film händeringend wünscht. Herrin der Lage ist allerdings Charlize Therons Imperator Furiosa, die mit stoischer Ruhe und weiblicher Pragmatik nach einer besseren Welt sucht, an die Max schon lange nicht mehr glaubt. Oder noch nie geglaubt hat. Ja, genau genommen ist dieser "Mad Max" ein Frauenfilm, der - wenn man sich darauf einlässt - tiefgreifend von Weiblichkeit erzählt. Aber - Sie können sich jetzt wieder entspannen, lieber Herr Leser - man muss sich nicht darauf einlassen. Denn "Fury Road" funktioniert auf jeder nur denkbaren Ebene, auch wenn Sie nur Explosionen feiern, Babes gucken oder ihrem Detail-Fetischismus frönen wollen.

Denn das Setdesign ist ein Fest. Von den weißhäutigen War Boys und ihren Waffen über die feuerspeiende E-Gitarre des Schlachteneinheizers bis zur schier endlosen Armada an durchgeknallten Vehikeln aus unseren wildesten "Pimp your Ride"-Träumen. Wo man auch hinguckt, gibt es etwas zu entdecken. Und jetzt kommt's: Dazu braucht "Fury Road" nicht mal 3-D. Gibt es natürlich, war aber auch dem Regisseur George Miller egal, der in 2-D gedreht hat.

Und dann der Dreck! Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber während Actionfilme immer bombastischer werden, wirkt mir die Action selbst immer häufiger zu oberflächendesinfiziert. Damit man auch ja nichts fühlt. Nicht so bei "Mad Max": Über allem, egal wie übertrieben und durch die Decke explodiert, gerammt, geborsten und zerfetzt wird, liegt der Dreck, den die post-apokalyptische Welt mit sich bringt. Und vielleicht auch deshalb geht "Mad Max: Fury Road" voll durchs Auge mitten ins Herz.


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