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Manuel Andrack: "An der Tür steht jetzt Intendant"

Die Show des Harald Schmidt ist wieder da, nun in der ARD. Bleibt sonst alles beim Alten? Fragen wir seinen Genossen Manuel Andrack.

Herr Andrack, sind Sie froh, dass es wieder losgeht nach einem Jahr der Arbeitslosigkeit?

Ja, sehr. Aber keine Sorge, ich war nicht arbeitslos. Ich bin mit Harald auf Tournee gegangen und habe ein Buch geschrieben: "Du musst wandern".

Von Sat 1 zur ARD?

Nein, im Wald, in den Bergen. Ich erkläre, warum nicht nur Menschen über 70 wandern sollten: weil es gesund ist und Spaß macht. Ich hatte jedenfalls gut zu tun, bin auch nicht verhungert und würde das Jahr tatsächlich als Kreativpause bezeichnen.

Scheint ja eine wahnsinnig kreative Kreativpause gewesen zu sein: Schmidt kommentiert künftig den Tag, Sie sitzen links von ihm, es spielt eine Band ...

... ja, ja, ein Jahr Pause, null Ideen! Warum sollten wir denn an der Sendung viel ändern? Es hasich herausgeschält, dass das Genre Late Night die Kernkompetenz von Herrn Schmidt ist. Sollen wir jetzt Gäste auf einem Hausboot empfangen? Nun, ohne Gäste, ohne Werbung, zweimal die Woche 30 Minuten, wird das Schmidt pur, quasi Harald-Schmidt-Konzentrat.

Warum braucht er Sie noch dabei?

Fragen Sie ihn. Soll ich jetzt sagen, dass ich so ein toller Typ bin?

Nein.

Ich bin kein toller Typ. Ich glaube, dass Harald gewisse Themen besser im Dialog löst: "Hast du gestern abend ,Christiansen" gesehen?" Es reicht, wenn ich dann nicke oder kichere, das ist eleganter, als wenn er in die Kamera sagt: "Haben Sie, meine Damen und Herren ..."

Sie stehen für Fußball und Bier, Fahrrad und Birkenstock.

Ich bin der Stellvertreter des Publikums.

Warum dürfen die anderen nicht mehr dabei sein - die Französin Nathalie, die blonde Suzana, der alberne Zerlett?

Wir wollten eine Band ohne Bandleader, einfach nur einen Klangkörper, haben: die ARD-Showband. Da wir keine vorgeschriebenen Gags mehr haben, entfällt der Job der Pappenhalterin. Es kann aber sein, dass Nathalie mal vorbeischaut - wenn Frankreich den Dritten Weltkrieg erklärt.

Ist Schmidt Ihr Freund oder Ihr Chef?

Mein Chef. Ich bin ganz ordentlich mit Lohnsteuerkarte bei seiner Firma angestellt. Wir haben gemeinsame Interessen wie Fußball, Film oder Theater, aber er war noch nie bei mir zu Hause und ich noch nie bei ihm. So bleibt eine Restneugier: Macht Schmidt wohl Grillpartys?

Man hat im vergangenen Jahr oft von Leuten gehört, dass sie Harald Schmidt vermissen. Ihr Name fiel nicht - tut das weh?

Nö, das ist mir wurscht. Ich bin ja weiter an der Kasse angequatscht worden, das klang ein bisschen wie bei einer enttäuschten Liebe: "Wir vermissen euch, was sollen wir abends nur tun?"

Was haben Sie empfohlen - Anke Engelke?

Och, hab ich gesagt, es ist auch mal gesund, früh ins Bett zu gehen. Manchmal hat mir die Show aber auch gefehlt. Ganz schlimm war es bei der Fußball-EM. Unser Vertrag läuft bis zum WM-Finale. Während des Turniers wollen wir täglich senden.

Auf dem Schild neben Ihrer Bürotür steht nicht mehr "Redaktionsleiter", sondern ...

... "Chef-Dramaturg"! Kein Scherz, wir haben ja keine Gag-Autoren mehr; wir werden zwar besprechen, was wir in etwa vorhaben, aber Harald war immer am besten, wenn er die Gags blöde fand und stattdessen irgendwas erzählte. Er wird künftig aus dem Stegreif Unsinn erzählen. An seiner Tür steht jetzt "Intendant".

Was hat der Herr Intendant am Donnerstag vor? Er ist ja gerade von einer Weltreise zurückgekehrt. Gibt es eine Urlaubsdiashow?

Mal sehen. Was wir auf jeden Fall feststellen müssen: Ist Harald wieder fit für Deutschland? Das testen wir anhand diverser Fotos von Menschen, die 2004 irgendwas getan oder von sich gegeben haben. Was wir dann pointiert, kabarettistisch überhöht kommentieren.

Die "Bild"-Zeitung hat geschimpft, dass Schmidt öffentlich-rechtliche acht Millionen Euro im Jahr bekommt und sich die ARD den Uefa-Cup nicht mehr leisten kann. Was fällt Ihnen dazu ein?

Ein genialer Schachzug! Die ARD hat jahrelang auf die Fresse gekriegt: Sie würde in der Unterhaltung versagen und zu viel Geld für Fußball rausschmeißen. Jetzt verabschiedet sie sich vom Uefa-Cup, der längst ein Klotz am Bein war: Wer will denn nachmittags Heart of Midlothian gegen Schalke sehen? So gesehen hat die ARD den Schmidt fast umsonst bekommen. Ich finde das ziemlich amtlich.

Das Interview mit Manuel Andrack führte Ulrike von Bülow

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