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Neue Lennon-Doku: Das Idol und sein Mörder

Vor fast 25 Jahren wurde John Lennon in New York von Mark Chapman erschossen. Eine ZDF-Dokumentation mit exklusiven Tonband-Interviews des Mörders zeigt die Verbindungen in den Lebensläufen von Opfer und Täter.

Von Kathrin Buchner

Als am 8. Dezember 1980 Mark Chapman den Abzug seiner Waffe drückte, war die Musikwelt im Herz getroffen. John Lennon starb, und Chapman hatte das erreicht, wonach er sich so lange gesehnt hatte: Ruhm und Unsterblichkeit. Und diese Sehnsucht nach Anerkennung ist „das Band, das Lennon und Chapman zussammenhält“, so ZDF-Redakteur Friedrich Scherer. Zusammen mit Egon Koch hat Scherer Regie geführt bei der Dokumentation: "Mordfall: John Lennon", die am Mittwochabend um 20.40 Uhr auf Arte ausgestrahlt wird.

"Besonders an dieser Dokumentation ist, dass wir versucht haben, eine Doppelbiografie daraus zu machen, beide Lebensläufe miteinander zu verbinden", so ZDF-Redakteur Scherer. "Beide stammen aus zerrütteten Familienverhältnissen, beide haben den unbändigen Drang nach Anerkennung von außen". Lennon bekommt diese Anerkennung als Künstler. Er steigt zum Superstar auf. Seine Berühmtheit wird ihm allerdings zur Last, und 1975, nach der Geburt seines Sohnes, zieht er sich aus der Öffentlichkeit zurück und betätigt sich als Hausmann. Erst 1980 beginnt er eine Wiederbelebung seines musikalischen Schaffens. Chapman dagegen versucht eine Karriere als Jugendbetreuer beim YMCA, aber er scheitert schon beim Studium und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. Im Oktober 1980 stößt er auf eine Lennon-Biografie. In seiner Verzweiflung, selbst ein Niemand zu sein, beschließt Chapman Lennon umzubringen, um berühmt zu werden.

Für die Doku hat Scherer stundenlang Tonbandinterviews abgehört, die der Chapman-Biograf Jack Jones mit dem Lennon-Mörder im Gefängnis aufgezeichnet hat und die dem ZDF exklusiv zur Verfügung stehen. "Er ist eine sehr schwierige, gebrochene Persönlichkeit, der nicht ganz ehrlich mit sich ist. Und er ist immer noch stolz darauf, so ist mein persönlicher Eindruck, durch den Mord berühmt geworden zu sein."

Chapman bekam für seine Tat lebenslänglich, also 20 Jahre. Seit 2000 wird alle zwei Jahre über seine Begnadigung verhandelt. Bisher wurde sie immer abgelehnt. Ein Grund dafür ist wohl, dass er weiterhin Interviews gab - was als Indiz dafür gewertet wird, dass er immer noch stolz ist, berühmt zu sein. Das Hochsicherheitsgefängnis Attica State Prison im Staat New York, in dem Chapman seit 1981 sitzt, wurde durch eine Revolte im Jahr 1971 berühmt. Und darüber hat sogar John Lennon ein Lied verfasst, das allerdings auf keiner Platte zu finden ist. "Er ist dort in einem abgetrennten Trakt, genauso isoliert wie Lennon es durch seine Berühmtheit war", so Scherer. "Wenn er frei kommt, möchte er als Wanderprediger von Kirche zu Kirche ziehen und erzählen, wie er sich nach dem Mord von Gott bekehrt wurde. Damit würde er wieder im Rampenlicht stehen."

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