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Olli Dittrich im stern-Interview: Von Heinrich Lübke zu Dittsche

Alles begann mit Heinrich Lübke. Der frühere Bundespräsident war der erste, der von Olli Dittrich parodiert wurde. Damals war der Hamburger ein kleiner Junge - heute ist er ein Star. Im stern erzählt er über seinen neuen Film - und wie es zu Dittsche kam.

Er ist Komödiant, Schauspieler und vor allem ein begnadeter Parodist: Olli Dittrich, der in den vergangenen Jahren vor allem als Dittsche brillierte. In seinem neuen Film "Die Relativitätstheorie der Liebe" spielt der Hamburger gleich fünf unterschiedliche Rollen: einen Musiker, einen Fahrlehrer, einen libanesischen Imbissbetreiber, einen Werber und einen Yogi. Solche Verwandlungen, sagte der 54-Jährige dem stern, "sind offenbar ein probates Mittel, auch andere Seiten zu zeigen. Mit Schadenfreiheitsrabatt. Man tut ja niemandem was". Am Anfang seiner Karriere, als er bei der RTL-Show "Samstag Nacht" den Zuhälter Mike Hansen spielte, seien schon wundersame Dinge in ihm vorgegangen. "Als ich zum ersen mal dieses zehn Kino schwere Muskelkostüm trug und die lange Matte und der Typ dann laut werden musste, habe ich gemerkt: Och, das tut auch mal richtig gut, Leute zusammenzuscheißen. Wenn Sie so wollen, hat das schon so ein bisschen was von Therapie."

So richtig damit angefangen hatte Dittrich erst mit Mitte 30. Vorausgegangen war eine schwere Krise in den achtziger Jahren. "Rückbetrachtend würde ich das als die Inkubationszeit bezeichnen, als eine Art Coming Out dessen, was ich wirklich machen wollte", sagt er in dem stern-Interview. Dittrich hatte unter Angstzuständen und psychosomatischen Störungen gelitten. „Ich habe mir bei jedem Furz eingebildet, an einer tödlichen Krankheit zu leiden."

Später habe er dann angefangen, auf seiner "Vierspurmaschine kleine Szenen aufzunehmen, albernen Quatsch. Die habe ich dann auf meinen Anrufbeantworter gespielt, was sich in kurzer Zeit herumsprach. Da kam ich natürlich in Zugzwang. Ich brauchte immer neue Szenen, und wenn ich das mal nicht geschafft habe, erzählte ich einfach zwei Minuten lang spontan etwas zum aktuellen Geschehen in Hamburg. Mit Hamburger Dialekt. So ist Dittsche entstanden."

Seine allererste Parodie hat er als kleiner Junge seiner Oma vorgespielt: "Bundespräsident Heinrich Lübke. Wir hatten eine Schallplatte mit Reden und Anekdoten von ihm. Die habe ich imitiert und meiner Oma vorgespielt. Sie lachte dann immer und sagte: 'Goldig, wie der Bub das macht.'"

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