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Dramaturgie ging schief Oscar-Finale in der Kritik: Wie die Produzenten den Tod von Chadwick Boseman benutzen wollten

Oscar-Verleihung 2021: Anthony Hopkins gewinnt die Auszeichnung als bester Darsteller.
Sehen Sie im Video: Oscars 2021 – Twitter-User reagieren enttäuscht auf Hopkins-Auszeichnung.




In Los Angeles wurden zum 93. Mal die Academy Awards vergeben.


Großer Gewinner des Abends war – wie erwartet – "Nomadland". Der Film staubte Preise in drei wichtigen Kategorien ab.


Die aus China stammende Filmemacherin Chloé Zhao bekam für den Film die Regie-Trophäe.


Erstmals ging damit der Preis in dieser wichtigen Kategorie an eine Asiatin - und erst zum zweiten Mal überhaupt an eine Frau.


Schauspieler Anthony Hopkins wurde für seine Darstellung eines Demenzkranken in "The Father" als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.


Seine Auszeichnung löst vor allem in den sozialen Netzwerken Kontroversen aus. In der gleichen Kategorie war der kürzlich an Krebs verstorbene Chadwick Boseman nominiert. Er erhielt posthum bereits den Golden Globe als "Bester Hauptdarsteller" in "Ma Raine’ys Black Bottom". Bei den Oscars wurde ihm diese Ehre nicht zu teil.




Wow! Anthony Hopkins gewinnt den Oscar als Bester Hauptdarsteller. Wer hätte hier nicht mit Chadwick Boseman gerechnet?




Was zur Hölle is grad passiert? Chadwick Boseman gewinnt nicht? Und Anthony Hopkins hat keine Rede und nix? Und das als Ende? #Oscast


Die ändern also bei den Oscars extra die Reihenfolge und verleihen den für den besten Darsteller als letztes.... und dann gewinnt Chadwick Boseman nicht, sondern Anthony Hopkins, der nichtmal anwesend ist. Großartiger Schlussmoment. Hut ab.




Großartig gespielt, trotzdem bin ich entsetzt. Ich sage nie wieder, dass es keine Überraschung gibt. #Oscars2021 Hauptdarsteller: Anthony Hopkins (The Father) Mein Tipp: Chadwick Boseman (Ma Rainey’s Black Bottom)




Ja Anthony Hopkins Leistung in The Father war gut aber wieso nominiert man Chadwick Boseman und gibt ihm dann keinen Oscar mal abgesehen von der Fallhöhe die aufbegebaut wird während der Verleihung, solltet man ihm zumindest ein Ehrenoscar verleihen...




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Anthony Hopkins wendet sich im Anschluss an die Oscar-Verleihung an seine Fans auf Instagram:
„Good Morning. Here I am in my omeland in Whales. And at 83 years of age I did not expect to get this award. Very grateful to the academy. Thank you.  And I want to pay tribute to Chadwick Boseman who was taken from us way too early. And again thank you all very much. I really did not expect this. ..”


"Guten Morgen. Hier bin ich in meiner Heimat in Wales. Und mit 83 Jahren hatte ich nicht damit gerechnet, diese Auszeichnung zu bekommen. Ich bin der Akademie sehr dankbar. Vielen Dank. Und ich möchte Chadwick Boseman meinen Tribut zollen, der uns viel zu früh genommen wurde. Und nochmals vielen Dank. Das habe ich wirklich nicht erwartet."





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Das überraschende Ende der Oscar-Verleihung sorgt für Empörung: Wider Erwarten wurde nicht Chadwick Boseman posthum ausgezeichnet, sondern Anthony Hopkins. Schuld an der Enttäuschung sind jedoch vor allem die Produzenten der Show.

Er galt als gesetzt: Bei der Oscarverleihung am Sonntag sollte der Schauspieler Chadwick Boseman posthum mit der Trophäe als Bester Hauptdarsteller geehrt werden, da waren sich viele Beobachter:innen sicher. Boseman war für den Film "Ma Rainey's Black Bottom" nominiert, es war sein letzter Auftritt. Der "Black Panther"-Star starb im August 2020 an Krebs. Doch es kam anders als gedacht. 

Chadwick Boseman
Der verstorbene Schauspieler Chadwick Boseman ging überraschend bei den Oscars leer aus
© Hahn Lionel/ABACA/ / Picture Alliance

Überraschend gewann Anthony Hopkins den Oscar für seine Rolle in "The Father". Das Problem: Offenbar hatten selbst die Produzenten der Show, darunter der Regisseur und Oscar-Preisträger Steven Soderbergh, nicht damit gerechnet. Zumindest würde das erklären, warum sie zum ersten Mal seit 50 Jahren die Reihenfolge der Verleihung austauschten und den Preis für den "Besten Film" - normalerweise der krönende Abschluss - noch vor den besten Hauptdarstellern und Hauptdarstellerinnen verliehen. Dieser Dramaturgie zufolge sollte offenbar Bosewicks Sieg und damit ein sehr emotionaler Moment, den Abend beenden. Viele Zuschauer:innen rechneten deshalb damit und blieben bis zum Schluss dran - nur, um dann enttäuscht zu werden. Denn die Rechnung ging nicht auf, niemand weiß sicher vorab, wer die Oscars bekommt.

Im Netz wird nun vor allem die Manipulation der Show-Produzenten und Produzentinnen kritisiert. "Das war definitiv nur, um die Quoten zu steigern. Ich bin drauf reingefallen und fühle mich benutzt", heißt es zum Beispiel. "Das war ein absolut lächerlicher Versuch, relevant zu bleiben, bei dem die Tragödie von Chadwick Bosemans Tod ausgenutzt wurde", kommentierte eine andere Twitter-Userin. 

Die Ironie der Geschichte: Selbst Anthony Hopkins hatte offenbar nicht mit seinem Sieg gerechnet. Der Schauspieler war nicht mehr per Videocall aus Europa zugeschaltet, als Joaquin Phoenix überraschend seinen Namen sagte. Und so endete das Spektakel denkbar abrupt, ohne Dankesrede und mit einem schnellen Schnitt zu einer schwarzen Leinwand. Ein enttäuschendes Finale, wie zahlreiche Zuschauer:innen kommentierten.

Halle Berry auf dem roten Teppich der Oscar-Verleihung

Ziemlich sicher scheint, dass den Produzenten der Ärger erspart geblieben wäre, hätten sie sich an das gängige Skript gehalten. Denn dass Hopkins einen Oscar verdient hat, daran zweifelt niemand. Sein Sieg hatte sogar ebenfalls eine emotionale Komponente: mit 83 Jahren ist er der älteste Schauspieler, der jemals einen Oscar verliehen bekam. Schade, dass er das nun nicht live mitbkam.

sst

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