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Analyse

Academy Awards: Die neuen Oscar-Regeln - und was Donald Trump mit der Krise zu tun hat

Schon seit längerer Zeit steckt die Oscar-Verleihung in der Krise. Jetzt hat die Academy neue Regeln angekündigt. Wird das die Probleme lösen?

Oscar-Verleihung

Die Oscar-Verleihung wird reformiert

AFP

Früher war alles besser. Das lässt sich zumindest aus Sicht der Academy of Motion Picture Arts and Sciences sagen. Die Academy ist Ausrichter der jährlich stattfindenden Oscar-Verleihung - und die steckt seit geraumer Zeit in der Krise. Das lässt sich in harten Zahlen festmachen: Wollten im Zeitraum von 1974 bis 1979 noch durchschnittlich 45,69 Millionen US-Amerikaner die Übertragung der Preisverleihung sehen, schalteten zwischen 2010 und 2016 im Schnitt 39,25 Millionen Menschen ein. Was immer noch ein erfreulicher Wert ist verglichen mit der Zuschauerzahl von 2018: Da waren es nur noch 26,5 Millionen. 

Die Academy Awards haben seit den goldenen 70er Jahren fast 20 Millionen Zuschauer verloren und damit ihren Status als Highlight des US-Fernsehjahres eingebüßt. Um den Niedergang zu stoppen, hat die Akademie nun einige Änderungen angekündigt, um die Gala wieder populärer zum machen.

Ein Oscar für populäre Filme

Die wichtigste Neuerung ist die Einführung einer neuen Kategorie: Künftig wird eine "Herausragende Leistung im populären Film" mit einer eigenen Statue ausgezeichnet. Das Ziel dieser Kategorie ist eindeutig: Der Massengeschmack soll stärker berücksichtigt werden. Es sollen auch die Filme geehrt werden, die den TV-Zuschauern am besten gefallen haben. Das war in den vergangenen Jahren immer seltener der Fall. So gingen die vielen Superhelden-Filme, von den Kritikern verschmäht, aber von den Zuschauern geliebt, zumeist leer aus. Sogar die immens erfolgreichen "Star Wars"-Fortsetzungen mussten sich mit Nominierungen begnügen. 

Dass in diesem Jahr Guillermo del Toros Grusel-Märchenfilm "Shape of Water" den Oscar als bester Film erhielt, verstärkte den Ruf der Academy, abgehoben und versnobt zu sein. 

Kürzere Veranstaltung und früherer Termin

Als zweite Maßnahme soll die Verleihung wieder kürzer werden. Das ist grundsätzlich nie ein Fehler, um die Attraktivität einer Gala zu steigern. In den USA kommt aber noch eine weitere Komponente hinzu: Aufgrund des Zeitunterschieds von drei Stunden ist es an der Ostküste bereits Nacht, wenn in Los Angeles die Hauptpreise vergeben werden. 

Als Drittes soll die Preisverleihung künftig früher im Jahr stattfinden: Bislang werden die Oscars Ende Februar oder Anfang März vergeben. Für 2020 wurde nun der Termin auf den 7. Februar festgesetzt. Damit soll der zeitliche Abstand zu den übrigen bedeutenden Preisverleihungen, insbesondere zu den Golden Globes, verkürzt werden. Eine kürzere Filmpreis-Saison soll das Interesse steigern, so das Kalkül.

Ob das alles etwas nützen wird? Eines der größten Probleme lässt sich nicht so einfach aus der Welt schaffen: Das Land ist politisch tief gespalten, die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hat das noch einmal deutlich gemacht. Für eine Hälfte des Landes ist Hollywood ein Symbol eines dekadenten Lebensstils und die Verkörperung der verhassten politisch liberalen Einstellung. Diese Zuschauer wird man auch durch Regeländerungen nicht zurückgewinnen.

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