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Ray Harryhausen mit 92 Jahren gestorben Der Guru der Monster ist tot


Er hat Skelette kämpfen lassen und Medusa zum Leben erweckt. Ray Harryhausen hat die Kino-Spezialeffekte revolutioniert. Der Stop-Motion-Guru ist im Alter von 92 Jahren gestorben.
Von Sophie "Sindbad" Albers

Kindern war er ein Verbündeter, Kinokennern ein Held, Trickfilmern gilt seine Arbeit bis heute als ultimative Inspiration. Ray Harryhausen ist einer der wenigen Menschen, die hinter der Kamera zu Stars geworden sind. Sogar die Jüngsten kannten seinen Namen, schließlich hat er uns die coolsten Filmmonster-Abenteuer geschenkt, die verregnete Fernsehnachmittage versüßt haben: der alles zerschmetternde Zyklop aus "Sindbads siebente Reise (1958), die grausigen Skelettkrieger in "Jason und die Argonauten" (1963) oder auch die tödlich schlängelnde Medusa in "Kampf der Titanen" (1981).

Mit seiner Stop-Motion-Technik hat Harryhausen in den 50er und 60er Jahren die Spezialeffekte revolutioniert. Und sein Werk hat bis heute Bestand - auch neben Jabba the Hutt und Neytiri. Ray Harryhausen ist im Alter von 92 Jahren in London gestorben.

"Ich will niemanden erschrecken"

Schuld an der Karriere des Monstermeisters war "King Kong", den der 13-Jährige 1933 in seiner Heimat Los Angeles im Kino sah. Dabei fand er den Affen weniger faszinierend als die Dinosaurier, die so unglaublich echt aussahen. Und er wollte wissen, wie das geht. Fortan bastelte er an Stop-Motion-Modellen - Figuren mit Gelenken, die Einstellung für Einstellung gefilmt werden, um Bewegung zu simulieren. "Dynamation" nannte Harryhausen das. Er wurde zum Pionier der Kombination dieser Methode mit live gefilmten Aufnahmen. Viele der von ihm entwickelten Techniken gelten noch heute als Standards.

Auch wenn wir ihn heute vor allem wegen seiner großartigen Monster erinnern, wollte Harryhausen nichts mit Horror zu tun haben. Er habe kein Interesse daran, Leute zu erschrecken. "Ich will Illusionen erschaffen, Märchenwelten, Legenden", zitiert ihn der "Hollywood Reporter".

Er hat bedauert, dass seine Kunst selten auf starke Drehbücher traf. Manche Filme hätten ihn "kreuzunglücklich" gemacht, und er könnte sich selbst in den Hintern treten, dass er den Regisseuren nicht mehr abverlangt habe, zitiert ihn der "Guardian". Immerhin in seinem letzten Film, "Kampf der Titanen", standen große Schauspieler wie Laurence Olivier und Maggie Smith vor der Kamera. Viele seiner Ideen sind aber leider im Reich der Vorstellung geblieben: Weder "Der Baron von Münchhausen" noch "Dantes Inferno" wurden realisiert.

Ohne Harryhausen kein "Star Wars"

1992 wurde Harryhausen der Ehren-Oscar überreicht. "Star Wars"-Schöpfer George Lucas nannte ihn einst die "große Inspiration für uns alle in der Spezialeffekte-Industrie. Ohne Ray Harryhausen hätte es kein 'Star Wars' gegeben."

Nach dem Abschied vom Filmgeschäft hat Harryhausen gelehrt, daheim an Skulpturen gearbeitet und ist mit Ausstellungen um die Welt gereist. Er galt als bescheiden, witzig und charmant. 1986 fand die Fan-Verehrung Ausdruck in dem Dokumentarfilm "Aliens, Dragons, Monsters and Me". 2004 veröffentlichte Harryhausen seine Autobiografie "An Animated Life". 2012 gab es eine weitere Dokumentation über sein Leben und Wirken: "Ray Harryhausen: Special Effects Titan".

Auch wenn ihm die Gesamt-Illusion wichtiger war als das einzelne Monster, hat er auf die Frage nach seiner Lieblingskreatur einmal geantwortet: "Medusa, aber sagen Sie es den anderen nicht."


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