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Regie-Debüt: "Geständnisse - Confessions of a Dangerous Mind"

Der (real existierende) Produzent Chuck Barris soll im Auftrag des CIA über dreißig Morde begangen haben - so steht's zumindest in seiner (nicht-autorisierten) Biografie. George Clooney hat sich an heißen Stoff heran gewagt - sein Regie-Debüt.

"Mein Name ist Charles Hirsch Barris. Ich habe Popsongs geschrieben. Ich war Fernsehproduzent. Ich bin für die Verschmutzung der Fernsehlandschaft mit hirnerweichendem und kindischem Entertainment verantwortlich. Außerdem habe ich 33 Menschen getötet." Der diese bizarre Beichte ablegt, ist die Hauptfigur in George Clooneys Regiedebüt "Geständnisse - Confessions of a Dangerous Mind". Der Film nach der (nicht-autorisierten) "Biografie" des real lebenden Barris sorgte bereits auf der Berlinale für Diskussionen und läuft seit dem 24. April in den Kinos.

Gezeigt werden in dem knapp zweistündigen Streifen Stationen aus dem Leben eines Mannes, bei dem Versagen und Größenwahn immer ganz dicht zusammenlagen. Ob dieser Chuck Barris wirklich im Auftrag der CIA zum Massenmörder in patriotischer Mission wurde, bleibt unklar, dürfte aber eben nicht unklar bleiben. Denn es ist natürlich eine Ungeheuerlichkeit, dass eine recht prominente Figur frei herumlaufen darf, die sich dazu bekennt, im Ausland vermeintliche oder wirkliche Feinde der USA aus dem Weg geräumt zu haben. Und es ist mehr als verwunderlich, wie wenig dieser Punkt bislang in den Blickpunkt geraten ist.

Auf den Popsong folgt der Sex

Der Film erzählt den Aufstieg eines etwas unbedarft wirkenden Jünglings, der nichts als Sex im Kopf hat, an den er aber keineswegs nach Wunsch herankommt. Dann aber komponiert er einen erfolgreichen Popsong, kreiert die erfolgreiche TV-Flirtshow "Herzblatt" und lässt sich nebenbei vom CIA für Sonderaufträge anheuern. Dazu findet er in der sinneslustigen Penny endlich auch ein Wesen, das seinen triebhaften Bedürfnissen Erleichterung verschafft.

Der junge amerikanische Darsteller Sam Rockwell spielt diesen seltsamen Kinohelden durchaus mit Charme und Witz. Dafür wurde er bei der diesjährigen Berlinale mit einem Preis geehrt.

Zu abstrus die Geschichte, zu unglaubwürdig die Hauptfigur

Rockwell indessen kann den Film so wenig retten wie seine prominenten Mitspieler George Clooney, der neben seiner Regiearbeit auch noch die Rolle eines schnurrbärtigen Führungsagenten übernommen hat, und die völlig untypisch eingesetzte Julia Roberts als undurchsichtige Verführerin im nationalen Interesse. Denn zu abstrus ist diese "schräge Tagikomödie", zu unglaubwürdig und zwielichtig die Figur im Zentrum. Natürlich ist es in gewisser Weise originell zu sehen, wie Barris die Auslandsreisen der "Herzblatt"-Gewinner als Begleiter nutzt, um irgendwelche Feinde Amerikas auf CIA-Bestellung aus dem Weg zu räumen, zum Beispiel auch im noch geteilten Berlin.

Ist Barris wirklich ein vielfacher Mörder? Wenn nicht, wäre er eben nur ein hemmungsloser Lügner, der sich um wirklich jeden Preis interessant machen will. Was hat eigentlich Clooney, dessen Regieführung oft überambitioniert wirkt, und seinen derzeit in Hollywood sehr angesagten Drehbuchautor Charlie Kaufman an dieser Geschichte so gereizt, um sie einem Millionenpublikum zu präsentieren? Es mag immerhin sein, dass Barris' Erzählungen in den USA Interesse finden, weil er dort nun einmal bekannt ist. Fürs deutsche Publikum sind die zwei Stunden mit diesem merkwürdigen Herrn verlorene Zeit.

Peter Claus