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Filmkritik

"The Nice Guys": Ryan Gosling und Russell Crowe retten den Kinosommer

Gerade wenn der Frust über Hollywoods Ideenlosigkeit am Größten ist, wenn man die Hoffnung, überrascht zu werden, schon aufgegeben hat, kommt dieser großartige Film um die Ecke. "The Nice Guys" - unbedingt ansehen!

Von Sophie "March" Albers Ben Chamo

Ryan Gosling und Russell Crowe in "The Nice Guys"

Perfect match: Ryan Gosling (l.) und Russell Crowe als stoffeliger Privatdetektiv Holland March und verbitterter Auftragsschläger Jackson Healy

Wo fange ich an? Mit Russell Crowe, den ich eigentlich nicht ertragen kann, der in diesem Film aber jedem negativen Gefühl nullkommanix alle Lichter ausbläst? Mit Ryan Gosling, der wie ein Muhammed Ali im farbenfrohen Polyesterhemd über die Leinwand tänzelt und verbale Bienenstiche verteilt? Oder doch mit dieser Geschichte über zwei private Ermittler im Los Angeles der 70er, die sich zusammenraufen müssen, um ein Verbrechen aufzuklären, die eigentlich uralt ist, aber plötzlich so unglaublich originell daherkommt?

Trailerpremiere The Nice Guys

Fakt ist: "The Nice Guys" ist der coolste und lustigste Film eines Jahres der ewigen Remakes und des Mittelmaßes. Während die Superhelden-Überdosis sogar Superhelden langweilig macht und Wiederaufgüsse noch mal aufgegossen werden, sorgt dieser Privatdetektiv-Action-Spaß für Szenenjubel. Man fühlt sich hinterher mindestens so durchgepustet und positiv aufgeladen wie nach "The Guardians of the Galaxy" vor zwei Jahren.

Die Buddy-Action ist zurück

Das liegt natürlich an Gosling und Crowe, die ihre Rollen als stoffeliger Privatdetektiv Holland March und ehrenwerter Auftragsschläger Jackson Healy bis in die kleinste seelische Ecke ausfüllen, als seien sie einem Shakespeare-Stück entsprungen. Der Chapeau gilt aber vor allem Drehbuchautor und Regisseur Shane Black, der die Buddy-Action ja einst mit den "Lethal Weapon"-Filmen erfunden hat. Und "The Nice Guys" ist ein aktuelles Destillat davon, was das Kino seitdem zum Thema hergegeben hat. Sitzt, passt, wackelt und hat Luft - wie es zuletzt viel zu selten zu sehen war. Und das Ganze garniert mit liebevollen Details, die Kinofan-Herzen auf Trab bringen. 

Ryan Gosling mit Filmtochter Angourie Rice

Unvergessliches Team: Ryan Gosling mit Filmtochter Angourie Rice

Nacherzählt klingt die Geschichte einer jungen Frau, die vor Killern fliehen muss, weil alle Beteiligten eines Pornofilms für den Umweltschutz einer nach dem anderen ermordet werden, äußerst krude. Aber eigentlich ist sie ja auch "nur" das irre, schrille Setting für die unerwartete Verbrüderung in einer durchgeknallten Welt, schreiend komischen Wortwitz und Figuren, die mal dem Tarantino-Universum und mal "Charlie's Angel" entsprungen zu sein scheinen. Die Entdeckung des Films ist übrigens - neben Russell Crowes Komik-Talent - ein junges Mädchen namens Angourie Rice, die Goslings altkluge Tochter spielt und das mit einer entspannten Entschlossenheit, die an die junge Natalie Portman erinnert.

Also: Wenn Sie diese Woche ins Kino gehen und Action der härteren Gangart mögen, tun Sie sich den Gefallen und schauen Sie "The Nice Guys". Cooler wird der Kinosommer nicht!