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Sarah Wiener: Berlins Vorzeigegastronomin im Gutshaus

In ihrem echten Leben gehört Sarah Wiener zu den bekanntesten Gastronomen Berlins. In der TV-Serie "Leben im Gutshaus" muss die 42-Jährige den kompletten Haushalt führen - mit den Mitteln von 1900.

Für Janet Jackson hat sie gekocht, für Veronica Ferres und auch schon für Jürgen Trittin. Aber noch nie für ein gesamtes Gutshaus aus dem Jahr 1900. Als Mamsell, die den Haushalt organisiert, gehört Sarah Wiener zu den Respektspersonen in der neuen Doku-Serie "Abenteuer 1900 - Leben im Gutshaus", die um 18.50 Uhr in der ARD startet. Im echten Leben ist die 42-Jährige gewissermaßen die Vorzeigegastronomin von Berlin. Der 16-Teiler im Vorabendprogramm könnte die resolute Österreicherin jetzt bundesweit bekannt machen.

Mit einem Büffet-Service fing alles an

Begonnen hat alles kurz nach dem Fall der Mauer, mit einer DDR-Gulaschkanone aus den Beständen der Nationalen Volksarmee. Mit ihrem Büfett-Service (neudeutsch: Catering) versorgte die Tochter des Schriftstellers und Gastronomen Oswald Wiener zu Beginn der 90er Jahre die ersten Filmteams bei Dreharbeiten. Damals noch allein. Heute sind daraus drei Restaurants ("Sarah Wiener", "Speisezimmer", "Mutter und Schraube"), hundert Beschäftigte und 400 Veranstaltungen pro Jahr geworden.

Der Markenname Sarah Wiener ist inzwischen beim Deutschen Patentamt urheberrechtlich geschützt. Auf den Titelseiten von Frauenzeitschriften wird die gebürtige Wienerin als "Starköchin" tituliert. "Dabei bin ich längst zur Geschäftsfrau geworden", klagt sie etwas kokett.

"Abschalt-Party" für 30.000 Euro

Zu den Kunden gehört neben der Film- und Werbeszene viel Politprominenz. Das "Speisezimmer", ein Restaurant in einem Hinterhof in Berlin-Mitte, wird vor allem vom rot-grünen Regierungslager häufig für Hintergrundgespräche genutzt. Für Umweltminister Trittin richtete Wiener nicht nur den Geburtstag aus, sondern auch eine "Abschalt-Party", als vor einem Jahr das erste deutsche Atomkraftwerk vom Netz genommen wurde. Die mehr als 30.000 Euro teure Fete sorgte für einigen Ärger mit dem Steuerzahlerbund.

Auch ein Grund dafür, warum sich die Powerfrau immer mal wieder aus dem Berliner Betrieb zurückzieht. Sei es, dass sie einige Wochen lang für ein Filmteam in Finnland am Herd steht oder jetzt eben im alten Gutshaus von Belitz (Mecklenburg-Vorpommern) selbst vor der Kamera kocht. Für die ARD-Serie trat sie die Zeitreise ins beginnende 20. Jahrhundert an. Für zwei Monate zog sie sich Baumwollgewand und Spitzenhaube über, schlachtete Vieh und kommandierte das Personal.

Auftritt, wie eine richtige Mamsell

"Das Gesinde hatte vor mir mehr Respekt als vor dem Hausherrn", erinnert sich Sarah Wiener. "Und einige haben mich bestimmt auch gehasst." Die Gastronomin legt aber Wert darauf, dass sie wirklich wie eine Mamsell von damals auftreten wollte, ohne um die Sympathie der Fernsehzuschauer zu buhlen. An die beiden Monate denkt sie jedenfalls gerne zurück. Die beiden Kleider von damals hängen heute noch in ihrem Kleiderschrank.

Zurück von der Zeitreise hatte die geschäftstüchtige Köchin schnell der Alltag wieder. In den vergangenen Wochen musste sie die Eröffnung der ersten Sarah-Wiener-Espressobar managen, wieder ein Filmteam bekochen und zugleich die Seiten fürs eigene Kochbuch fertig stellen. "Kochen mit Sarah Wiener" erscheint nächste Woche - pünktlich zum Serienstart.

Auch die Rückkehr auf den Bildschirm ist bereits in der Planung. Die Wienerin mit Wohnsitz Berlin denkt über eine eigene Kochshow nach. Angebote gibt es längst, aber noch fehlt das richtige Konzept. Und so kommt es, dass die zeitweilige Mamsell das Leben im Hier und Jetzt manchmal selbst ein wenig schreckt. "In fünf Jahren wird die Marke Sarah Wiener vielleicht so groß sein, dass ich mich genieren werde zu sagen, dass ich das bin."

Christoph Sator/DPA / DPA