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Thomas Rühmann: Serienstar wider Willen

Als Dr. Heilmann schnippelt er jede Woche an den Patienten in der Sachsenklinik und an den Problemen seines Privatlebens herum. Thomas Rühmann hat sich zum Star im deutschen Fernsehen emporgespielt.

Dr. Roland Heilmann ist Chefarzt an der Sachsenklinik in Leipzig. Das wissen sieben Millionen Deutsche, denn so viele Zuschauer schalten mittlerweile regelmäßig die ARD-Dauerserie "In aller Freundschaft" ein. Und diese Zuschauer sind kaum von ihrem Serientrip abzubringen. Selbst wenn Bayern München bei Sat.1 in der Champions League auf Torejagd geht, zeigen immer noch sechs Millionen dem König Fußball die kalte Schulter und wollen Heilmann und Co. sehen. Woche für Woche schnippelt Dr. Heilmann an den Patienten in der Klinik und an den Problemen in seinem Privatleben - an diesem Dienstag (21.05 Uhr) zum 259. Mal.

"Ich bin aber deswegen kein Star", sagt Heilmann-Darsteller Thomas Rühmann trotzig. Er hat wahrscheinlich Unrecht. Denn wenn sich Hannelore Elsner, mit der Krimiserie "Die Kommissarin" regelmäßig in der ARD vertreten, und Fritz Wepper mit der Produktion "Um Himmels Willen" leicht in die Kategorie "Star" einordnen lassen möchten, darf auch ein Rühmann nicht fehlen, auch wenn sich sein Gesicht bei weitem noch nicht so eingeprägt hat wie das der Frankfurter Krimi-Lady oder das des Münchner Mimen, der durch den "Kommissar" oder "Derrick" schon über Jahre ein Begriff ist.

Die richtige Mischung

Warum greift das Phänomen "In aller Freundschaft" seit mittlerweile mehr als 250 Folgen um sich? "Weil wir genug Zeit gehabt haben, eine richtige Mischung aus Sprache, Konflikthaftigkeit und Humor zu finden, die solch eine Serie braucht", sagt Rühmann, der 2002 von der Lesern des People-Magazins "Gala" zum "ARD-Serienstar des Jahres" gewählt wurde. "Wir leben in der Serie in einem Vier-Generationenhaus mit allen erdenklichen Problemen, ohne dass diese zu abgehoben erscheinen. Ein Stoff, den der Zuschauer auch bei sich zu Hause findet und nachvollziehen kann."

Zwei, drei Jahre wollte er anfangs bei der Serie bleiben, sagt der in Magdeburg aufgewachsene Schauspieler, der im Mai 50 wird. Jetzt sei ein Ende nicht abzusehen. Er prüfe von Jahr zu Jahr kritisch, in welcher Form die Serie fortzusetzen sei. Aber gerade dies sei wichtig, um die Qualität des Produktes zu sichern. Sind also sechs Jahre kritische Distanz und zum Teil aufreibender Einsatz für eine Krankenhausserie der Stoff, aus dem Stars gemacht sind? Die Zuschauer danken es mit Quoten und Autogrammwünschen auf der Straße bis in die Schweiz, berichtet Rühmann, auch wenn die Frage, ob er etwas mit dem berühmten Namensvetter Heinz zu tun hat, zuweilen nerve.

Karriere durch einen Zufall

Rühmann, Vater zweier erwachsener Töchter von 27 und 22 Jahren, verdankt seine Karriere einem Zufall: Weil Schauspiel-Kollege Ulrich Mühe von der Schauspielschule keine Genehmigung erhielt, sprang er in Volker Brauns Stück "Sonnenstaat" am Poetischen Theater in Leipzig in einer Rolle als Guerillero ein und blieb beim Theater, dem er bis heute die Treue hält. Im 19-Seelen-Dorf Zollbrücke im Oderbruch betreibt Rühmann mit Partner Tobias Morgenstern das "Theater am Rand", das gerade neu aufgebaut wird. Seine ältere Tochter hilft auch bei den Aufführungen. Zurzeit wird Annie Proulxs Stück "Mitten in Amerika" geprobt.

Das Besondere daran: Das "Theater am Rand" bietet 70 Zuschauern Platz - jeder darf so viel zahlen, wie er möchte.

Carsten Rave/DPA / DPA