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Von "Roseanne" bis "The Artist": Die zehn besten Auftritte von John Goodman

John Goodman - gerade in "Inside Llewyn Davis" zu sehen - ist eine echte Ausnahmeerscheinung. Nicht wegen seines Leibesumfangs. Sondern weil kaum ein Kollege so fleißig und vielseitig ist wie er.

Von Patrick Heidmann

John Goodman mag vielleicht nicht oft in Hauptrollen zu sehen sein, doch eigentlich jeder kennt ihn, der in den vergangenen 25 Jahren mal einen Fernseher eingeschaltet hat oder im Kino war. Obwohl – oder gerade weil – er so gar nicht dem üblichen Leading Man-Image entspricht, ist der 61-jährige jetzt schon seit ziemlich langer Zeit ziemlich gut im Geschäft. Und das in den unterschiedlichsten Rollen, von Comedy bis Drama, auf dem Bildschirm genauso wie auf der Leinwand. Aus Anlass des grandiosen neuen Coen-Brothers-Films "Inside Llewyn Davis", in dem Goodman natürlich auch wieder mit von der Partie ist, werfen wir mal einen Blick auf seine zehn wichtigsten, besten und sehenswertesten Auftritte.

Inside Llewyn Davis

Fangen wir also gleich mal mit Goodmans aktuellem Film an. Die bittersüße Komödie aus dem Folk-Musik-Milieu der Sechziger Jahre ist nicht einfach nur das neue Werk der Coen-Brüder, sondern sogar eine ihrer besten Arbeiten der vergangenen Jahre. John Goodman hat daran nur einen kleinen, aber entscheidenden Anteil. Als in die Jahre gekommener Jazz-Musiker kurz vorm Herzinfarkt, der sich von einem schweigenden Jüngling durchs Land fahren lässt, wenn er nicht gerade an Gehhilfen oder Stock durch die Gegend humpelt, ist er eine der fiesesten Gestalten in diesem daran nicht unbedingt armen Film. Und für einige der besten Lacher zuständig. Wir sagen nur: Lou Anne Davis!

The Big Lebowski

"Inside Llewyn Davis" ist natürlich nicht die erste Zusammenarbeit von Goodman mit den Coens. Sein kurzbehoster, Vietnam-besessener Aufritt inklusive gelb getönter Sonnenbrille auf der Bowlingbahn in "The Big Lebowski" ist fast so legendär wie der Dude selbst! Aber wir gehen mal davon aus, dass jeder, der im Kino etwas für Lässigkeit übrig hat, diesen modernen Klassiker ohnehin schon Dutzende Male gesehen hat. Was im übrigen durchaus auch für die andere Coen-Goodman-Aufeinandertreffen "Barton Fink", "O Brother, Where Art Thou?" und "Arizona Junior" gelten sollte.

Roseanne

Selbst wer nie ins Kino geht, kennt John Goodman. Vermutlich unter dem Namen Dan Connor. Denn irgendwo läuft eigentlich immer gerade eine Wiederholung von "Roseanne". Die Sitcom mit ihm als sanftmütiges Familienoberhaupt (für die Rolle gab's den Golden Globe) lief von 1988 bis 1997 neun Staffeln und 222 Folgen lang, war damals mit ihrem Arbeiterklasse-Milieu geradezu revolutionär und ist bemerkenswert gut gealtert. Auch heute jedenfalls ist die Serie (komplett auf 36 DVDs erhältlich) lustiger als das meiste, was neu über den Bildschirm flimmert. Und das liegt nicht zuletzt an der Chemie zwischen Goodman und Roseanne Barr. 2012 drehten die beiden sogar die Pilotfolge einer möglichen neuen Sitcom. Zu schade, dass kein Sender angebissen hat.

Alpha House

Auch lange nach dem Ende von "Roseanne" hat Goodman das Sitcom-Genre nie losgelassen. Eine weitere Hauptrolle in diesem Genre spielt er ganz aktuell, in dieser Serie über vier republikanische Senatoren, die sich in Washington ein Haus teilen. Trotz eines Gastauftritts von Bill Murray und einer guten Portion Witz kann man schon jetzt voraussagen, dass "Alpha House" nie den legendären Status von "Roseanne" erreichen wird. In die Geschichtsbücher geht die Serie trotzdem ein. Denn sie ist die erste Eigenproduktion dieser Art aus dem Hause Amazon.

Damages

Um noch für einen Moment im Fernsehen zu bleiben: hier war Goodman als Gast-Sprecher in den "Simpsons" und "Futurama" zu hören, in ein paar Folgen von "The West Wing" oder zuletzt auch "Community" zu sehen. Auch die hierzulande (zu Unrecht) wenig bekannten Serien "Treme" und "Dancing on the Edge" (letzteres eine britische Produktion) sollen nicht unerwähnt bleiben. Doch besonders herausheben wollen wir an dieser Stelle - auch weil sie in Deutschland auf DVD erhältlich ist – die vierte Staffel von "Damages". Darin spielt er den Boss einer zwielichtigen Sicherheitsfirma, der ins Visier von Star-Anwältin Patty Hewes (wie immer mit grandioser Eiseskälte: Glenn Close) gerät. Zwei Schauspiel-Hochkaräter, die einander verdient haben!

The Artist

Keine Frage, auch jemand wie John Goodman spielt mal in schlechten Filmen mit ("Evan Allmächtig" und "Speed Racer", um nur zwei zu nennen). Aber er hat auch einen ausgesprochen guten Riecher für die wirklich guten. Anders lässt es sich nicht erklären, dass er 2011 zugesagt hat, in einem schwarz-weißen Stummfilm aus Frankreich für einen Regisseur namens Michel Hazanavicius einen Hollywood-Produzenten der alten Schule zu spielen. Dass der Film dann sogar den Oscar als Bester Film gewinnen würde, konnte zu dem Zeitpunkt wirklich niemand ahnen.

Argo

Oder doch? Nur ein Jahr danach war Goodman jedenfalls wieder in einer Nebenrolle in einem Film zu sehen, der sich thematisch unter anderem mit Hollywood auseinandersetzte. Dieses Mal führte Ben Affleck Regie - und wieder gewann der Film überraschenderweise den Oscar. In "Argo" spielt der Vater einer erwachsenen Tochter übrigens den legendären Make-Up-Artist John Chambers, der damals im "Raumschiff Enterprise" die spitzen Ohren von Mr. Spock kreiierte.

King Ralph

Wer nun glaubt, Goodman habe fürs Kino nur Nebenrollen gedreht, irrt gewaltig. Seine Titelrolle in der Neunziger Jahre-Komödie "King Ralph" sollte jedenfalls nicht unerwähnt bleiben. Der Film, in dem das gesamte britische Königshaus ums Leben kommt, weswegen dann plötzlich ein entfernt verwandter, eher ungehobelter Las Vegas-Sänger neuer König von England wird, ist zwar kein großes Kino. Aber auf jeden Fall ein großer Spaß aus jenen Zeiten, als US-Komödien noch nicht ausschließlich aus deftigem Jungs-Humor à la "Hangover" und Judd Apatow bestand.

Die Monster AG

Eine Hauptrolle ist natürlich auch Goodmans Sprecher-Auftritt als flauschig-blaues Monster Sully in diesem Pixar-Hit. Mit seiner unverwechselbaren, durchaus massig klingenden Stimme war er die Idealbesetzung und macht (im Zusammenspiel mit Billy Crystal) die Originalfassung zum Pflichtprogramm. In der Fortsetzung "Die Monster Uni" (kürzlich bei uns auf DVD und Blu-ray erschienen) ist der Charme leider ein wenig verflogen - und für einen College-Studenten klingt Goodman dann doch zu alt.

Monuments Men – Ungewöhnliche Helden

Zugegeben: ob "Monuments Men - Ungewöhnliche Helden" wirklich sehenswert ist, können wir noch gar nicht sagen, schließlich läuft der Film über eine Sondereinheit der US-Armee, die im Zweiten Weltkrieg Kunstwerke aus den Händen der Nazis befreite, erst im Februar an. Aber wir sind ziemlich optimistisch. Regie führte immerhin George Clooney, der gemeinsam mit Matt Damon, Bill Murray und Cate Blanchett auch vor der Kamera stand. Und natürlich mit Goodman. Schließlich weiß auch ein Clooney, womit man einem Film und dem Publikum etwas Gutes tut!