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Sensationsfund aus der Bronzezeit Halle feiert die Himmelsscheibe von Nebra mit einer Schau der Superlative

Die Himmelsscheibe von Nebra steht in einer Glasvitrine in einer Ausstellung
Die Himmelsscheibe von Nebra in einer Glasvitrine: Die astronomischen Darstellung ist etwa 3600 Jahre alt und wurde vor zwanzig Jahren in der Schweiz aus den Fängen von Hehlern gerettet.
© Anne Pollmann / DPA
Die Himmelsscheibe von Nebra fasziniert Museumsbesucher in Halle seit vielen Jahren. Jetzt gibt es eine aufwändige Sonderausstellung. Leihgaben aus aller Welt wurden dafür zusammengetragen.

Die Himmelsscheibe von Nebra gilt als einer der wichtigsten archäologischen Funde des vergangenen Jahrhunderts. Nur durch viel kriminalistischen Spürsinn gelang es einst, sie sicherzustellen und dann der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In Halle läuft seit diesem Freitag eine Sonderausstellung über diese weltweit älteste bekannte konkrete Darstellung astronomischer Phänomene. "Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte", lautet der Titel der Schau, die noch bis zum 9. Januar des kommenden Jahres läuft.

Zwar ist diese faszinierende, mehrere Tausend Jahre alte Bronzeplatte mit ihren Applikationen aus Gold schon seit 2008 in einer Dauerausstellung in Halle zu sehen. Für die jetzige Sonderschau hat das Museum aber zusätzlich eine Reihe neuer Forschungsergebnisse zusammengetragen. Gezeigt werden neue Funde aus Sachsen-Anhalt und Leihgaben aus aller Welt.

Die Schau hat sich zum Ziel gesetzt, die Ergebnisse der Forschungen rund um die Himmelsscheibe der vergangenen zwei Jahrzehnte zu zeigen und diese mit anderen Disziplinen zu verbinden: außer mit Archäologie mit Naturwissenschaften, Gesellschaftstheorie und Kunst.

Himmelsscheide von Nebra im Kontext von 4000 Jahren Wissenschaft

Dieser wissenschaftliche Blick über den Tellerrand soll dem Zuschauer schon beim Betreten der Schau deutlich werden: Hoch über der Himmelsscheibe von Nebra im Atrium des Landesmuseums für Vorgeschichte hängt eine Kuppel aus 60 Bildschirmen. "Die Videoinstallation inszeniert in wechselnden Bildern das Streben der Menschen nach Wissen und Macht vor rund 4000 Jahren, bis in die Gegenwart", sagt Landesarchäologe Harald Meller. "Es ist eine Epoche, die erst vor rund 20 Jahren in das öffentliche Bewusstsein der Menschen zurückkehrte."

Die Himmelsscheibe von Nebra stammt aus der frühen Bronzezeit und gehört zu einem Bronzeschatz, den Sondengänger im Sommer 1999 gefunden hatten. Sie gilt als weltweit älteste Darstellung konkreter astronomischer Phänomene.

Im Februar 2002 wurde die Scheibe in der Schweiz aus den Fängen von Hehlern gerettet. Seitdem wird das Artefakt erforscht. Der technische Fortschritt ermöglicht ständig neue Erkenntnisse. Auch daran erinnert die Jubiläumsschau.

Wertvolle Leihgaben aus ganz Europa in der Ausstellung in Halle

Die mehr als 3600 Jahre alte Scheibe steht in einer blauen Vitrine und ist raffiniert ausgeleuchtet. Um das Artefakt herum sind vier weitere Vitrinen mit den Symbolen der europäischen Bronzezeit aufgestellt. Sie erinnern an den berühmten Steinkreis im englischen Stonehenge. Zu sehen sind das "Cape von Mold" aus Wales (Großbritannien), der Goldhut von Schifferstadt (Rheinland-Pfalz), die Goldschiffchen von Nors (Dänemark) und das Schiffsmodell von Caergwrle, Flintshire aus dem britischen Wales.

"Jeder Fund hat seine eigene Geschichte", sagt Landesarchäologe Meller. "Zusammen bilden sie ein einmaliges Mosaik der Zeit, in der Herrschaftswissen und Waren über tausende Kilometer ausgetauscht und gehandelt wurden." Das Material für die Himmelsscheibe kommt aus Österreich und England, das auf der Scheibe abgebildete Wissen stammt aus dem Nahen Osten.

Insgesamt können Besucherinnen und Besucher auf 900 Quadratmetern rund 400 Objekte bewundern. Dazu gehören Alltagsgegenstände, gefunden als Grabbeigaben. Sie zeigen Lebenswelten, Geschmack der damaligen Eliten sowie den Stand der Handwerkskunst. Beispielsweise sind in der Schau goldener Halsschmuck aus England, Frankreich und Dänemark, Goldtassen aus England, ein Goldbecher aus der Schweiz, Goldbleche und eine Bronzepinzette aus Griechenland sowie Waffen aus Gold und Bronze aus Frankreich, den Niederlanden und Rumänien zu sehen.

Himmelsscheibe von Nebra soll nach London reisen

Aber auch geborgene Gräber im Block, also wie die Toten im Originalzustand lagen, verdeutlichen in der Ausstellung die religiöse Welt und ihre Rituale der Bronzezeit. "Insgesamt konnten wir 50 Leihgeber aus 14 Ländern für die Ausstellung gewinnen", sagte Projektleiter Michael Schefzik. Ein Kooperationsvertrag mit dem British Museum sieht vor, die Himmelsscheibe nach der Schau in Halle anschließend in London zu zeigen.

Quelle: Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle

anb DPA

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