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Hörbuch-Tipp

William Faulkner: "Licht im August": Rassismus und religiöser Wahn: Diesen Klassiker kann jeder hören

Weltliteratur muss nicht wehtun: In der Hörspiel-Fassung wird aus William Faulkners sperrigem Roman "Licht im August" eine elegant dahinfließende Erzählung über Rassismus und Religion in den amerikanischen Südstaaten.

William Faulkner: "Licht im August"

Die Hörspiel-Fassung von William Faulkners Meisterwerk "Licht im August" gibt es bei Audible zum Download

Worum geht es?

Wie fast alle Bücher von William Faulkner spielt auch "Licht im August" in den Südstaaten, und es ist keine freundliche Gesellschaft, die der Literatur-Nobelpreisträger beschreibt: Rassismus und an Wahn grenzende Religiosität sind die dominierenden Kräfte, dazu sind die Menschen noch immer von dem verlorenen Bürgerkrieg geprägt. 

Auf der Handlungsebene passiert nicht viel: Ausgehend von der hochschwangere Lena Grove, die auf der Suche nach ihrem Geliebten durch den Süden reist, schildert das Buch, wie sich die Lebenswege verschiedener Menschen kreuzen. Während der Vater des Kindes vor der Verantwortung flieht, verliebt sich der Arbeiter Byron Bunch in die Frau und möchte sich um das Baby kümmern.

Breiten Raum nimmt die Geschichte des Waisen Joe Christmas an, der von klein auf unter dem Glauben leidet, durch seine Adern fließe "Negerblut", und der später zum Mörder wird. Die verschiedenen Handlungsstränge sind kunstvoll miteinander verschachtelt, die düstere Gesamtstimmung wird aufgehellt durch das Verwenden biblischer Motive, und am Ende gibt es sogar einen Hoffnungsschimmer. Ein Licht im August.

Wer spricht?

Ulrich Matthes, führt den Zuhörer durch die Geschichte, spricht aber nur die beschreibenden Passagen. Sobald Gedanken und Dialoge ins Spiel kommen, übernehmen bekannte Schauspieler die Stimmen der handelnden Personen: Tom Schilling, Matthias Bundschuh, Sylvester Groth, Marc Hosemann und Yohanna Schwertfeger.

Warum lohnt sich das Hörspiel?

Wie viele Bücher William Faulkners ist auch "Licht im August" kein zugängliches Werk. Vor allem stilistisch ist das Buch anspruchsvoll: Immer wieder wird die Handlung von Rückblenden oder Gedankenströmen durchbrochen, dazu wechselt ständig die Erzählperspektive. Hinzu kommen innere Monologe der Protagonisten. Die Hörspielversion (Regie: Walter Adler) macht diese komplexe Struktur durch die verteilten Sprecherrollen transparent, sodass man der Geschichte auch dann folgen kann, wenn man mit Faulkners literarischem Stil noch nicht vertraut ist.

Dazu steuert die Produktion auf der Tonspur viele Geräusche bei, etwa Pferdegeklapper, Peitschenhiebe und brennendes Feuer, die das Geschehen plastisch machen und den amerikanischen Süden vor den Ohren des Hörers zum Leben erwecken. Hinzu kommt ein sparsam eingesetzter Soundtrack des Komponisten Pierre Oser, der an den richtigen Stellen die Emotionen verstärkt.

Was stört?

Trotz der plastischen Aufarbeitung des Romans ist es immer wieder schwer, der Geschichte zu folgen, all die zeitlichen und gedanklichen Sprünge nachzuvollziehen, die der Text vollzieht. Für manche wäre das Buch mit der Möglichkeit, jederzeit zurückzublättern, vielleicht die bessere Alternative. 

Für wen eignet es sich?

Sicherlich kann man ein gutes Leben führen ohne Kenntnis der großen Werke der Weltliteratur. Wer sich aber gerne bildet und das Schaffen William Faulkners kennen lernen möchte, findet mit dieser gekürzten, siebeneinhalb Stunden langen Hörspiel-Version einen guten Einstieg in den Stil und die Gedankenwelt des Literatur-Nobelpreisträgers.

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