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Hörbuch-Tipp

Matthew Weiner: "Alles über Heather": Wie uns der "Mad Men"-Erfinder in die Katastrophe steuert

Von Anfang an ist klar, dass "Alles über Heather" ein böses Ende nehmen wird. Doch als Leser kann man einfach nicht wegschauen und folgt Matthew Weiners Roman gebannt bis zur unausweichlichen Katastrophe. Die tritt auch ein - allerdings anders als erwartet.

Matthew Weiner: "Alles über Heather"

Das Hörbuch von Matthew Weiners Roman "Alles über Heather" wird von Ulrich Matthes gelesen und ist bei Audible zum Download erhältlich.

Worum geht es?

Es ist die Baustelle vor einem Apartment in Manhattan, wo sich die Wege von Menschen kreuzen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Auf der einen Seite die wohlhabenden Breakstones - auf der anderen Seite der aus dem Prekariat stammende Ex-Knacki Bobby, der sich als Hilfsarbeiter am Bau durchschlägt.

Zwischen diesen beiden Polen steht die junge Heather, Tochter von Mark und Karen Breakstone. Weil ihre Eltern vom Leben und der Liebe enttäuscht sind, suchen diese ihren Lebenssinn in der Aufzucht Heathers. Doch die ist mittlerweile zu einer attraktiven Frau herangewachsen - was auch dem ungehobelten Bauarbeiter Bobby nicht entgangen ist. Das wiederum alarmiert Mark Breakstone, dessen Beschützerinstinkt geweckt ist.

Matthew Weiner schneidet Szenen aus dem mondänen Leben der Breakstones mit Bobbys trister Jugend als Sohn einer Heroinsüchtigen gegen. Schon früh ist klar: Diese Geschichte steuert auf eine Katastrophe zu. Zu der kommt es am Ende auch - soviel sei verraten. Jedoch ganz anders als erwartet.

Wer spricht?

Mit seiner herrlich lakonischen Art sorgt der deutschen Theater- und Filmschauspieler Ulrich Matthes ("Der Untergang") dafür, dass keine künstliche Dramatik entsteht. Dadurch schnurrt die Geschichte gnadenlos wie ein Uhrwerk seinem unausweichlichen Ende entgegen.

Warum lohnt sich das Hörbuch?

Die Geschichte "Alles über Heather" ist geradezu lehrbuchhaft in ihrer Sparsamkeit. Autor Matthew Weiner, der in seiner auf sieben Staffeln angelegten Serie "Mad Men" in aller epischen Breite vom Amerika der 60er Jahre erzählt, zeigt hier, dass er auch anders kann und lässt alles Überflüssige weg. Der Hörer erfährt über die Figuren nicht mehr, als er für das Verständnis der Handlung wissen muss. In rasendem Tempo steuert die Geschichte auf die Katastrophe zu.

Was stört?

Aus dem ökonomischen Stil des Autors resultiert auch die Schwäche des Buches: Weil Weiner nur das Nötigste erzählt, bleiben die Figuren immer ein wenig oberflächlich, es fehlt bisweilen die emotionale Tiefe. Dadurch kommt man keinem der Charaktere richtig nah. 

Für wen eignet sich das Hörbuch?

Allein schon aufgrund der Dauer ist dieses Buch jedem zu empfehlen, der in kurzer Zeit gut unterhalten werden will. In nur drei Stunden wird dem Hörer eine packende Geschichte serviert und er bekommt Einblick in die traurigen Leben von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft.

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