HOME
Kolumne

"Mein geliebtes Ich": Jan Josef Liefers: "Es ist ganz gut fürs Ego, wenn man auf die Fresse fällt"

Niemandem kommen wir näher als uns selbst. Und sind uns doch auch immer wieder fremd: Um dieses Spannungsverhältnis geht es in der Kolumne "Mein geliebtes Ich". Hier sprechen Prominente über den Umgang mit sich selbst. Dieses Mal: Jan Josef Liefers. 

Von Frank Lübke (Fotografie) und Alexandros Stefanidis (Interview)

Jan Josef Liefers pflegt sich mit zunehmendem Alter wie ein Pflänzchen 

Jan Josef Liefers pflegt sich mit zunehmendem Alter wie ein Pflänzchen 

Ein Jahr lang haben der Fotograf Frank Lübke und der Journalist Alexandros Stefanidis für die Kolumne "Mein geliebtes Ich" Prominente in ungeahnter Pose porträtiert. Für sie wurde schnell klar: Jeder Mensch hat eine zweite Seite, die manchmal hell erstrahlt, manchmal im Dunkeln bleiben soll. Oft haben sie diese freilegen können – zum Erstaunen der Leser wie auch der Dargestellten.

Der stern veröffentlicht nun zwölf dieser ungewöhnlichen Porträts online: dieses Mal Jan Josef Liefers. Er ist Schauspieler und Musiker. Nach einer Tischlerlehre am Dresdner Staatstheater ging er nach Berlin an die Schauspielschule. Seine ersten Filmerfolge feierte Liefers 1997 mit "Rossini" und "Knockin’ on Heaven’s Door". Zu einem der beliebtesten deutschen Schauspieler wurde er in der Rolle des Rechtsmediziners Professor Boerne im "Tatort".

stern: Herr Liefers, Sie begießen einerseits sich selbst und gleichzeitig eine Blume. Was hat es damit auf sich?

Liefers: Wenn man will, dass etwas wächst und gedeiht, muss man es pflegen. Die Blume steht exemplarisch für einen guten Einfall, die Beziehung zu meinen Kindern oder eigene Talente. Ich bin Musiker und Schauspieler. Das ist meine Welt. Aber: Ich bin kein zartes Pflänzchen mehr. 

Und doch wurde Ihre Band Radio Doria 2015 als beste Nachwuchsband für den Echo nominiert. Haben Sie Ihre Talente schon früh gepflegt?

Haha! Ja, das mit dem Newcomer-Echo war großartig! Aber als junger Mensch pflegt man sich nicht. Da ist Raubbau angesagt. Ich habe mich früher nie besonders geschont, habe die Nächte durchgemacht und bin – ohne zu schlafen und mit einer ordentlichen Fahne – in die Probe. Das mache ich nicht mehr. Für ein Konzert muss ich mich sammeln und fokussieren.

Steht das Pflänzchen also eher für den Musiker Jan Josef Liefers?

Das Schöne an dem Foto ist, dass man das nicht genau sagen kann. Vielleicht wäre ich auch ein guter Mediziner geworden, ich hatte immer großes Interesse an biochemischen Prozessen im Körper.

Gestatten, Herr Professor Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne!

Sehr witzig. Aber klar: Das ist einer der Gründe, warum mir die Rolle so gut gefällt. Das Problem ist nur: Als Mediziner muss man sehr viel lernen und braucht gute Lateinkenntnisse – undenkbar bei mir!

Sie sehen sich eher als schlampiges Genie denn als fleißiger Arbeiter?

Müsste ich aus diesen beiden Vorschlägen wählen, bin ich wohl eher das Erste. Ich bin kein besonders zielstrebiger Mensch, gehe an Situationen sehr instinktiv ran, bin sehr empathisch. Ich halte mir nichts vom Leib.

Sie suchen Momente, in denen Sie sich auf die Probe stellen können?

Ich überschätze mich auch gern regelmäßig. Es ist ganz gut fürs Ego, wenn man manchmal auf die Fresse fällt. Man kann nie wissen, wie es ist, vom Zehn-Meter-Turm zu springen, wenn man es nicht mal macht.

Haben Sie es schon mal probiert?

Von Zehner? Nee. Aber vom Fünfer! Ich hab’s nicht so mit dem freien Fall.


Dieser Text erschien ursprünglich im Heft Nr. 36 am 31. August 2017.