HOME
Kolumne

"Mein geliebtes Ich": Sophia Thomalla: "Ich bestehe zu 80 Prozent aus Sarkasmus und Ironie"

Niemandem kommen wir näher als uns selbst. Und sind uns doch auch immer wieder fremd: Um dieses Spannungsverhältnis geht es in der Kolumne "Mein geliebtes Ich". Hier sprechen Prominente über den Umgang mit sich selbst. Dieses Mal: Sophia Thomalla.

Von Frank Lübke (Fotografie) und Alexandros Stefanidis (Interview)

Sophia Thomalla küsst für das Projekt sich selbst

Sophia Thomalla küsst für das Projekt sich selbst

Ein Jahr lang haben der Fotograf Frank Lübke und der Journalist Alexandros Stefanidis für die Kolumne "Mein geliebtes Ich" Prominente in ungeahnter Pose porträtiert. Für sie wurde schnell klar: Jeder Mensch hat eine zweite Seite, die manchmal hell erstrahlt, manchmal im Dunkeln bleiben soll. Oft haben sie diese freilegen können – zum Erstaunen der Leser wie auch der Dargestellten.

Der stern veröffentlicht nun zwölf dieser ungewöhnlichen Porträts online. Die Eröffnung der Reihe macht Sophia Thomalla, die für das Porträt sich selbst küsste. 

stern: Frau Thomalla, Sie küssen Ihr Ich. Selbstverliebt?
Thomalla: Nein, aber ich stehe zu mir. Ich stehe zu den Dingen, die ich sage und tue.

Auch zu den Fotos, die Sie posten?
Klar! Es gibt kein Foto, das ich bereue. Ich bereue generell nichts in meinem Leben.

Was ist Ihre große Stärke?
Mein Dickschädel. Ich weiß, was ich will. Ist ja nicht unwichtig in der Showbranche.

Gut, aber reicht das?
Nee, sicher nicht. Ich wurde in eine Künstlerfamilie hineingeboren, war als Kleinkind am Set. Da lernt man einiges, etwa schlechte Schlagzeilen nie persönlich zu nehmen. Man kriegt ab und zu eine drauf, dann läuft es wieder besser.

Haben Sie die Gelassenheit von Ihrer Mutter?
Meine Mutter ist viel ängstlicher als ich. Wenn sie in eine Talkshow geht, hat sie vorher Schweißausbrüche. Durch sie habe ich eher gelernt, wie man es nicht macht. Ich sage ihr oft: "Mama, mach dich mal locker!"

Auf einem Ihrer Instagram-Urlaubsbilder liegen Sie in der Hängematte und lesen ein Buch. Welches?
"Terror" von Ferdinand von Schirach.

Darin geht es um die moralische Frage, ob man morden darf, um andere Menschen zu retten. Wie fällt Ihr Urteil aus?
Ich hätte den Piloten schuldig gesprochen.

Warum?
Wenn ein Einzelner beginnt, solche Entscheidungen selbst zu treffen, gilt das Gesetz nicht mehr, dann machen wir bald alle, was wir wollen. Und das wäre das Ende des gesellschaftlichen Friedens.

Interessant.
Hätten Sie nicht erwartet, hm?

87 Prozent der TV-Zuschauer waren damals anderer Meinung. Pflegen Sie gern das Image der selbstbewussten Rebellin, die sich von der Masse abhebt?
Das klingt so, als würde ich mir wochenlang Gedanken machen, was ich als Nächstes anstellen könnte. Ich provoziere nie bewusst. Das ist Quatsch!

Okay. Wie würden Sie sich beschreiben?
Ich bestehe zu 80 Prozent aus Sarkasmus und Ironie. Mir fällt immer irgendein Scheiß ein, den ich spontan mache. Ich lebe lieber ein spannendes Leben als ein langweiliges.


Dieser Text erschien ursprünglich im Heft Nr. 7 am 9. Februar 2017.

Themen in diesem Artikel