HOME

Kinder: Von süß bis salzig: Die "Geschmacksschule"

Kinder lernen bei ihm das Schmecken: Chefkoch Carsten Knebel lässt die Kids in seiner "Geschmacksschule" den Unterschied zwischen süß und sauer erfahren.

Süß, sauer, salzig, bitter. Diese vier Geschmacksrichtungen können die fünf- bis elfjährigen Gäste im Hotelrestaurant "Auberge Mistral" in Freiberg (Sachsen) aufzählen. Aber was war verflixt nochmal die fünfte? Die Knirpse, die noch vor ein paar Minuten ganz fachmännisch mit den komplizierten Namen diverser Dinosaurier um sich geworfen haben, sind ratlos. Carsten Knebel hilft aus: "Aromatisch-scharf." Der 29 Jahre alte Chefkoch hat zu einer "Geschmacks-Schule" eingeladen. Vor den Kindern stehen kleine Schalen mit Kostproben: Gürkchen, Käse, Schokolade, Oliven und mehr. Natürlich ist die Schokolade am schnellsten alle. Aber ist sie nun wirklich nur süß? Oder doch (zart-)bitter? Und die Gürkchen: süß, sauer oder salzig? Noch schwieriger wird der Test mit verbundenen Augen.

"Rettet die Esskultur!"

"Wir müssen wieder lernen, unsere Geschmacksnerven zu entwickeln", sagt Knebel. Denn die seien bei den meisten Menschen mittlerweile durch Geschmacksverstärker und andere Zusätze in den beliebten, weil bequemen Fertigprodukten verkümmert. Kochen nur mit frischen Zutaten ist die Devise von "Eurotoques", der europäischen Vereinigung der Spitzenköche, bei der Knebel Anfang des Jahres den Titel des Europameister errang.

"Rettet die Esskultur!" hat sich "Eurotoques" auf die Fahnen geschrieben. Die darin anklingende Dramatik sei durchaus angebracht: "Ein gutes Essen ist ein Stück Lebensqualität. Es gemeinsam in der Familie zuzubereiten und an einem schön gedeckten Tisch einzunehmen gehört dazu und ist ein Stück sinnvoll gestalteter Freizeit. Nur nehmen sich viele heute nicht mehr die Zeit dafür. Das ist schade", sagt Knebel.

Ess- und Kochschulen

Deshalb bietet er in Freiberg die von "Eurotoques" entwickelten Geschmacks- und Kochschulen für Kinder an. Mit seinem Programm will der junge Koch auch an Kindereinrichtungen und Schulen gehen. Überraschungen gibt es genug: So ist es für manche Mädchen und Jungen eine Erkenntnis, dass Spaghetti nicht nur aus der Tüte kommen.

Sie drängen sich um die Nudelmaschine, um selbst die Kurbel zu drehen und Spaghettiteig zu Streifen zu verarbeiten. Das Ergebnis löst erstaunte Rufe aus: "Oh, sind die lang!". Steve und Kevin, die Ältesten in der Runde, dürfen dann mit Knebel in die Küche. Dort sehen sie, wie aus Tomaten und Gewürzen eine Sauce zubereitet wird, ohne zur Ketchupflasche zu greifen. Das Resultat, von Mutti und Oma gekostet, beeindruckt schwer. Steve will nun selbst einmal Spaghetti mit "Posilikum" kochen.

Sabine Ebert / DPA
Themen in diesem Artikel