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"Fühlt sich nicht mehr richtig an": Genosse tritt aus: So bitter rechnet ein SPD-Oberbürgermeister mit seiner Partei ab

Seit fast 20 Jahren ist er SPD-Mitglied, sagt Sven Krüger. Doch nun will der Oberbürgermeister von Freiberg kein Genosse mehr sein und verkündet seinen Parteiaustritt. Seine Erklärung gleicht einer Abrechnung.

SPD-Austritt von Oberbürgermeister Sven Krüger

Aus Protest gegen die große Koalition in Berlin ist der Freiberger Oberbürgermeister Sven Krüger aus der SPD ausgetreten (Archivbild)

DPA

Kritik aus den eigenen Reihen und ein gewisses Maß an Selbstgeißelung sind in der SPD nicht weiter ungewöhnlich. Wortreich benennen die Genossinnen und Genossen regelmäßig, wo ihnen der Schuh drückt. Von Juso-Chef Kevin Kühnert, der mit der Großen Koalition hadert, bis hin zu Bayerns Landeschefin Natascha Kohnen, die sich in der Causa Maaßen sogar gegen die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles stellt. Mit Sven Krüger meldet sich nun ein weiterer Kritiker aus den eigenen Reihen zu Wort. Und zieht unmittelbare Konsequenzen: "Seit heute gehöre ich keiner Partei mehr an."

Aus Unzufriedenheit über die SPD ist der Oberbürgermeister von Freiberg in Sachsen aus der Partei ausgetreten. Er sei lange stolz darauf gewesen, einer Partei anzugehören, "die oft Haltung bewiesen und sich für die Menschen in unserem Land eingesetzt hat", erklärte er am Donnerstag bei Facebook. "Es gibt diese SPD nicht mehr." Deshalb habe er die Partei verlassen.

"Es fühlt sich für mich nicht mehr richtig an, der SPD anzugehören"

Seine Erklärung gleicht einer Abrechnung. "Es fühlt sich für mich nicht mehr richtig an, dieser Partei anzugehören", schreibt Krüger. Er wolle künftig als parteiloser Oberbürgermeister die Geschicke der sächsischen Stadt leiten. Nach dem historisch schlechten Bundestagswahlergebnis der SPD im vorigen Jahr sei in der Partei von einem Neuanfang gesprochen werden, bei dem Menschen und Mitglieder gehört werden sollten. Davon sei nichts zu sehen.    

"Leider muss ich feststellen, dass fast nichts von dem auch nur ansatzweise umgesetzt wurde - schaut man diese Tage nach Berlin, drückt das Wort 'Fremdschämen' nicht einmal ansatzweise aus, was ich derzeit empfinde", teilte der 44-Jährige weiter mit. Er ist seit 2015 Oberbürgermeister der Stadt in der Nähe von Dresden.

fs / AFP