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Krach um neuen Song "XO": Beyoncé provoziert die Nasa

Popstar Beyoncé Knowles steht in der Kritik, diesmal weil sie Tonbandaufnahmen der Challenger-Explosion in ihrem neuen Lied "XO" eingebaut hat. Nasa-Mitarbeiter und Hinterbliebene sind entsetzt.

Von Frank Siering, Los Angeles

Kurz vor Jahresende hat sich Superstar Beyoncé Knowles noch ein letztes Mal Ärger eingehandelt. Die Sängerin wird von ehemaligen Nasa-Angestellten und deren Familien stark angegriffen, weil sie in ihrem neuen Song "XO" Tonbandaufnahmen der Challenger-Explosion verwendet hat.

So ist in den ersten Sekunden des neuen Beyoncé-Hits der ehemalige Nasa-Sprecher Steve Nesbitt zu hören, wie er kurz nach der katastrophalen Explosion der Challenger am 28.Januar 1986 sagt: "Fluglotsen untersuchen die Situation sehr genau. Offensichtlich handelte es sich um eine Fehlfunktion."

Witwe ist enttäuscht und traurig

Die Aufzeichnung stammte aus dem Mission Control Center in Houston, wenige Minuten nachdem der Raumgleiter Challenger kurz nach dem Start explodiert war und alle sieben Crew-Mitglieder in den Tod gerissen hatte. Es sei bedenklich und bedauerlich, dass Beyoncé ausgerechnet diese Aufnahmen für einen Popsong benutzt habe, sagte die Nasa gegenüber NBC News.

June Scobee Rodgers, die Witwe von Space Shuttle Kommandant Dick Scobee, sagte, sie sei "enttäuscht" und "traurig" gewesen, nachdem sie die Aufnahmen in dem Lied gehört hatte. Das Lied rufe schlimme Erinnerungen wach und sei für sie und ihre Familie "eine sehr emotionale Angelegenheit", so Rodgers weiter.

Der ehemalige Nasa-Angestellte Keith Cowing – er ist für die Website Nasawatch.com verantwortlich – hat Beyoncé jetzt aufgefordert, die umstrittenen Aufnahmen aus dem Lied zu entfernen. Cowing verglich die Tonbandaufzeichnungen mit dem Benutzen von Soundbites der Terrorkatastrophe von 9/11 oder der Ermordung von John F. Kennedy.

"Einfach nur widerlich"

Mit solchen Aufnahmen in Popsongs werde "die Ernsthaftigkeit der tatsächlichen Ereignisse infrage gestellt", so Cowing auf seiner Webseite. Cowing weiter: "Wenn die Aufnahmen benutzt wurden, obwohl die Sängerin den Zusammenhang der Original-Aussagen kennt, dann ist das einfach nur widerlich." Diverse ehemalige Nasa-Mitarbeiter und Familienmitglieder der Opfer verlangen von Beyoncé auch deshalb jetzt eine Entschuldigung.

Dass Beyoncé die Anschuldigungen zumindest im Ansatz ernst nimmt, bewies sie mit einer Stellungnahme gegenüber ABC News: "Mein Herz geht auf für die Oper des Challenger-Disasters. Das Lied "XO" wurde mit der Intention aufgenommen, denjenigen zu helfen, die geliebte Personen verloren haben. Es soll uns daran erinnern, dass unerwartete Dinge im Leben passieren können", so Beyoncés PR-Team in der Stellungnahme.

Die Stellungnahme passt allerdings nicht wirklich mit dem Inhalt des Songs zusammen. In dem Lied "XO" geht es um eine Beziehung, die nicht mehr funktioniert. Was das mit der Challenger-Explosion zu tun haben soll, bleibt unbeantwortet.

Branchenkenner vermuten, Beyoncés Ehemann Jay Z habe bei der Choreographie des Liedes seine Finger im Spiel gehabt. Er habe es als "cool" empfunden, diese Aufnahmen an den Anfang zu stellen.

Die Frage, ob die Tonbandaufnahmen von jenem tragischen Tag jetzt noch gelöscht werden, wollte das Beyoncé-Lager im alten Jahr nicht mehr beantworten. Vielleicht auch deshalb nicht, weil der Verkauf des neuen Beyoncé-Albums derzeit richtig brummt. Und an die Opfer der Space-Shuttle-Katastrophe von 1986 freilich geht kein einziger Cent.

  • Frank Siering