20 Jahre Kunsthalle Schirn Kunstraub machte sie berühmt


Kandinsky, Kahlo, Klee - mit Ausstellungen bedeutender Künstler hat sich die Frankfurter Kunsthalle Schirn in der Fachwelt Renommee verschafft. In der breiten Öffentlichkeit wurde sie durch einen spektakulären Kunstraub berühmt.

Sie hat nicht nur in der Kunstwelt einen wohlklingenden Namen: Hochkarätige Ausstellungen haben die Frankfurter Kunsthalle Schirn weit über die Grenzen der Stadt und über das Fachpublikum hinaus bekannt gemacht. Am 28. Februar vor 20 Jahren ist sie eröffnet worden. Mehr als 4,8 Millionen Menschen haben seitdem über 150 Ausstellungen sehen können. Darunter waren große Übersichtspräsentationen, etwa zu Dada und Surrealismus, zum Wiener Jugendstil und zum Expressionismus. Daneben standen Retrospektiven über Künstler wie Wassily Kandinsky, Frida Kahlo und Yves Klein.

Schon vor der Eröffnung hatte die Schirn wegen ihres Äußeren Kritik und Spott geerntet: "Kegelbahn" oder "Kathedrale" nannten die Frankfurter das lang gezogene Sandsteingebäude mit auffälliger Rotunde als Eingang, das eingezwängt zwischen Kaiserdom und dem Römerberg liegt. Für den damaligen Oberbürgermeister Walter Wallmann hatte der Bau eine andere Bedeutung: "Wir haben Frankfurt ein neues Herz eingesetzt", sagte der CDU-Politiker zur Eröffnung.

Kunsthalle ohne eigenen Bestand

In diesem "Herz" wurde als erstes die Ausstellung "Maler und das Theater im 20. Jahrhundert" gezeigt. Die Schirn konnte sich als Kunsthalle ohne eigene Bestände Präsentationen erarbeiten, die das Werk eines Künstlers unter einem neuen Blickwinkel zeigten. Dazu gehörten "Paul Klee und die Musik", "Henri Matisse: Mit der Schere zeichnen" sowie die Gegenüberstellung von Zeichnungen und Plastiken von Auguste Rodin und Joseph Beuys im vergangenen Jahr. Die Schirn steht für Ausstellungen, die nicht nur Besucher anziehen, sondern auch kontroverse Meinungen provozieren.

Bereits der Gründungsdirektor Christoph Vitali hatte das Haus schnell zu einer international renommierten Kunsthalle entwickelt. In den neunziger Jahren nahm allerdings die Zahl der bundesweit oder international beachteten Ausstellungen aus Geldmangel stetig ab. In dieser Situation war der jetzige Direktor Max Hollein ein Glücksfall für die Schirn. Der smarte Österreicher studierte neben Kunst auch Betriebswirtschaft. Seit 2001 gelang es dem heute 36-Jährigen, eine Vielzahl von Kooperationspartnern und weit über 50 Sponsoren zu gewinnen.

Sponsoren helfen

Drittmittel - ein vor Holleins Amtsantritt in der Schirn praktisch unbekanntes Wort - helfen inzwischen bei der Finanzierung von Ausstellungen. Im vergangenen Jahr gelang es Hollein, 2,8 Millionen Euro von Sponsoren einzuwerben. Auch die Stadt steigerte trotz extremer Verschuldung ihren Zuschuss auf 5,35 Millionen Euro.

Seitdem Hollein, der seit Jahresbeginn auch an der Spitze des traditionsreichen Museums Städel in Frankfurt steht, viel beachtete Ausstellungen in der Schirn zeigt, blicken auch ausländische Museen wieder in Richtung Main. Mit dem Export von Ausstellungen der Schirn tat Hollein eine weitere Einnahmequelle auf. Dabei helfen ihm seine internationalen Beziehungen - war er doch schon an seiner früheren Arbeitsstätte, dem New Yorker Guggenheim-Museum, für Kontakte zu ausländischen Kulturorganisationen, Kunstsammlern und Sponsoren verantwortlich. So gingen und gehen Schirn-Schauen des vergangenen Jahres nach Bilbao, Santiago de Compostela, Locarno, Wien und Oklahoma.

Spektakulärer Kunstraub

Das meiste Aufsehen erregte die Schirn allerdings im Sommer 1994 als Ort des größten Kunstraubs der deutschen Nachkriegsgeschichte. Mehrere Kriminelle hatten sich in der Ausstellung "Goethe und die Kunst" einschließen lassen und stahlen drei wertvolle Gemälde von William Turner und Caspar David Friedrich. Die Turner-Werke "Schatten und Dunkelheit" und "Licht und Farbe" waren Leihgaben der Londoner Tate Gallery. Sie tauchten Ende 2002 wieder auf. Angeblich soll die Tate Gallery fünf Millionen Euro Lösegeld bezahlt haben. Friedrichs "Nebelschwaden" kehrte erst im August 2003 in die Hamburger Kunsthalle zurück. Zwei der drei Räuber wurden 1999 in Frankfurt zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Anne-Katrin Einfeldt/DPA DPA

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