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Ausstellung "The Porn Identity": Porno geht immer

Zutritt erst ab 18 Jahren: In der Kunsthalle Wien versucht die Ausstellung "The Porn Identitiy", Unterschiede zwischen Kunst und Hardcore-Pornografie zu entdecken. Allzu groß sind die nicht.

Wogende Körper, ächzende Lust, betriebsame Geschlechtsorgane im Fronteinsatz, stoßen, federn, spritzen. Kopulation als Dutzendware dargeboten auf zahllosen Bildschirmen. Es prasselt auf den Betrachter hernieder. Doch dann, mittendrin im Bildschirmwald, ein kleines Filmchen mit Knetmasse-Sexpuppen, zwei weiße Schönheiten und ein muskulöser schwarzer Kerl. Die tanzen lustig herum zu fröhlicher Musik und geben sich erst dann dem Eros hin. Ein paar Meter weiter in dieser Ausstellung der Lust steht ein Playboy-Flipper mit gespreizten Bronze-Beinchen. Alles Kunst? Alles Porno? Oder beides?

Der Grat ist schmal, so die Botschaft der Ausstellung "The Porn Identity", die derzeit in der Wiener Kunsthalle läuft. Erstmals setzt sich ein renommiertes Haus derart geballt mit dem Thema "Porno" auseinander. Die von Thomas Endlinger, Florian Waldvogel und Angela Stief kuratierte Ausstellung will durch den "Transfer der schamlosen Bilder" in den Kunstraum den "pornotypischen Zusammenhang" durchbrechen. Sie fragen: Welche Unterschiede gibt es zwischen Kunst und Pornografie? Und welche Ähnlichkeiten? Der Untertitel der Ausstellung wird da zum Programm: "Expeditionen in die Dunkelzone".

Sprachungetüme für mehr Aufmerksamkeit

Herausgekommen ist ein reichlich wilder Mix: Amouröse Skulpturen, Installationen und Laufbilder stehen auf der einen Seite - eine große Anzahl von echten, kommerziellen Hardcore-Filmchen auf der anderen. Alles bunt gemischt. Besucher sind gezwungen, genau hinzuschauen. Ist das Gestöhne reine Masturbationsvorlage? Oder verbirgt sich da ein "postpornografisches Gegenbild?" So sagt man heutzutage, wenn Künstler sich mit Sex auseinandersetzen. Mit Lüsten, Begierden und Gender-Konstruktionen. Vermutlich braucht es schon ein derartiges Sprachungetüm, um in der heutigen Aufmerksamkeitskultur noch irgendwie aufzufallen, in einer Zeit, in der Sex ohnehin allgegenwärtig ist.

Die Bilderfluten kommen monoton daher, Porno und Kunst gleichen sich oft fatal. Augenscheinlicher sind da schon die Skulpturen und Installationen: "Infront of the Green Door" von Johannes Wohnseifer etwa: Eine grüne Tür, die sich nur einen Spalt weit öffnen lässt, gewährt den Blick auf einen Fernseher, in dem pornografische Bilder flimmern. Eine Anspielung auf die Schlüssellochkultur der 60er- und 70er Jahre. Bekannt ist die Frauenskulptur aus Stanley Kubricks Kultfilm "A Clockwork Orange", eine nackte Deko-Figur, die über einem Dildo kniet. Und Besucher staunen bei der "Junggesellenmaschine" von Künstler Robert Müller, der einen überdimensionierten Penisnachbau mit Sattel und Pedalantrieb entworfen hat.

Erst ab 18 Jahre

Einen Skandal lässt sich mit all dem heutzutage nicht mehr provozieren. "Einen Aufschrei hat es nicht gegeben", sagt Claudia Bauer, Pressechefin der Kunsthalle, "Wir hätten da schon mit mehr gerechnet." Doch die üblichen Verdächtigen aus Kirche oder Frauenrechtsverbänden schweigen. Auch der berüchtigte österreichische Porno-Gegner Martin Humer. "Es gab ein paar empörte Anrufe, als die Werbung im Info-Screen in der U-Bahn lief", sagt Bauer. "Und manche meinten, es sei Zensur, weil die Ausstellung erst ab 18 Jahre freigegeben ist. Aber so sind halt die gesetzlichen Bestimmungen."

Festzuhalten bleibt: Porno geht immer. Zu der Eröffnungsveranstaltung kamen 2000 Besucher, am ersten Wochenende waren es nocheinmal 1000. "Eine ganz Menge", meint Bauer. "Wir sind ja nur eine relativ kleine Ausstellung." Das Publikum jedenfalls ist bunt gemischt. "Im Prinzip alle Altersklassen, alle Schichten, ganz normale Leute." Erfahrungen wie in Rotterdam würde man in Wien nicht machen. Da ist die Ausstellung vor zwei Jahren in ähnlicher Form schon mal gelaufen, größer und unter dem Namen "Bodypolitcx". Hauptsächlich Herren gesetzten Alters sollen sich dort für das wilde Treiben begeistert haben.

"Über weite Strecken langweilig"

"The Porn Identity" in Wien ist von einem Skandal ziemlich weit entfernt. "Über weite Strecken langweilig", moniert der "Kurier", eben weil die kommerzielle Pornografie einen derart großen Raum einnimmt. Tatsächlich sind viele Filmausschnitte reichlich lang geraten. Unwahrscheinlich, dass in den Köpfen der Betrachter viel mehr zurückbleibt als erregte Hüftbewegungen im Hardcore-Takt. Doch Sex verkauft sich eben gut, das weiß man natürlich auch in Wien. Und wer Erfolg hat, hat ja (meistens) Recht. Und wer weiß, vielleicht gilt ja auch Gaffen heutzutage schon als Kunstform.

Die Austellung

"The Porn Identity"

läuft noch bis zum 1. Juni 2009 in der Kunsthalle Wien. Weitere Informationen:

www.kunsthallewien.at

be

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo