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Berlin: Neue Entwicklung im Streit um die Museumsinsel

In die Debatte um die Berliner Museumsinsel ist Bewegung gekommen. Nachdem sich der Architekt und Masterplaner David Chipperfield im stern beschwert hatte, dass die Renovierung des Weltkulturerbes zu langsam fortschreite, hat er nun einen einflussreichen Fürsprecher bekommen.

Von Anja Lösel

"Wenn es so zäh weitergeht wie in den letzten fünf Jahren, dann kann es 2050 werden, bis alles fertig ist", hatte Chipperfield in der aktuellen Ausgabe des stern geklagt. Die Zeit laufe davon, das Geld fließe nicht, ständig gebe es Spar-Appelle. "Die Politiker müssen endlich aufwachen", so Chipperfield. Wichtig ist ihm vor allem ein neues, zentrales Empfangsgebäude für alle fünf Museen. Er hält es für dringend notwendig, dass Café, Garderobe, Toiletten, Shops, Vortragssäle und Räume für Sonderausstellungen aus den Museen herausgelöst werden, um sie zu entlasten und den Besuchern einen bequemen Aufenthalt zu garantieren. Der Bundesrechnungshof allerdings würde das 60 Millionen Euro teure Empfangsgebäude am liebsten einsparen.

Klaus Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und oberster Hüter der Insel, setzt sich nun für Chipperfield ein. Er will erreichen, dass das neue zentrale Eingangsgebäude früher als geplant gebaut wird und ist bereits mit Politikern im Gespräch. Lehmann: "Es genügt nicht, die Museumsinsel zu rekonstruieren. Gastlichkeit, Orientierung und Information sind für die zukünftig erwarteten vier Millionen Besucher pro Jahr nur mit dem neuen Gebäude in angemessener Qualität zu bieten."

Am kommenden Dienstag wird mit einem Festakt das Bodemuseum als zweites der fünf Museen auf der Insel frisch renoviert wieder eröffnet. Als nächstes soll das Neue Museum folgen, Heimat der Nofretete. Chipperfield im stern: "Die Insel muss zur Mitte der Stadt werden - Herz und Treffpunkt für alle." Er appellierte an die Politik: "Wenn wir jetzt den nächsten Schritt machen könnten, würden wir den Neubau pünktlich 2011 eröffnen. Aber erst muss der Finanzminister Eingangsgebäude genehmigen."

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