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Dan Flavin: Lichtkunst aus Kunstlicht

Mit seiner Kunst bringt er ganze Stockwerke zum Strahlen und wirft auch auf den Betrachter selbst ein neues Licht: Die Münchner Pinakothek ehrt den Lichtkünstler Dan Flavin zum 10-jährigen Todestag mit einer großen Werkschau.

Mit einer ersten umfassenden Werkschau in Deutschland würdigt die Pinakothek der Moderne den amerikanischen Minimalisten und Lichtobjekt-Künstler Dan Flavin. Der 1996 im Alter von 63 Jahren gestorbene Künstler war mit seinen Licht-Körpern aus Leuchtstoffröhren in den 60er Jahren weltweit bekannt geworden. In München sind von diesem Donnerstag an rund 70 Arbeiten Flavins zu sehen, darunter die "monuments for Vladimir Tatlin", die zu den wichtigsten Arbeiten Flavins zählen.

Für die bis zum 4. März 2007 dauernde Retrospektive wurden 24 der insgesamt 50 Exponate umfassenden Gruppe entlang der 140 Meter langen Mittelachse der Pinakothek zusammengeführt. Hergestellt aus handelsüblichen Leuchtstoffröhren strahlen sie - mit drei Ausnahmen - kühlweißes fluoreszierendes Licht ab, wie das Ausstellungshaus am Dienstag mitteilte. "Form und Farbe dieser Arbeiten agieren im Sinne Flavins so spannungsgeladen, dass der gesamte erste Stock der Pinakothek zu pulsieren scheint." Den Auftakt der eindrucksvollen Schau bildet die vollständige Gruppe der 1961 bis 1964 geschaffenen "Icons", Flavins früheste Experimente mit künstlichem Licht.

Flavin lehnt traditionelle Materialien ab

Mit ihren genormten Abmessungen und Farben wurde die Neonröhre für Flavin zum idealen Werkstoff, um Beziehungen von Objekt und Raum zu ergründen. Ähnlich wie andere Minimalisten - Donald Judd oder Sol LeWitt - lehnte er traditionelle Materialien ab. Seine suggestiven Licht-Räume schuf Flavin zunächst nur als Aktionskunst, 1976 folgte im italienischen Varese die erste Dauerinstallation. 1989 gestaltete er die Kunsthalle in Baden-Baden als phantasievolles Licht-Kunstwerk. Zur Eröffnung des unterirdisch gelegenen Münchner Kunstbaus 1994 installierte der Amerikaner eine imposante mehrfarbige Neonarbeit.

Der "Magier des Lichts" verwahrte sich jedoch stets vor Metaphysik und allzu viel Bedeutungstiefe. Eines seiner zahlreichen ironischen Statements lautete - in Übereinstimmung mit vielen anderen Minimalisten seiner Generation: "What you see is what you get". Am 29. November 1996 erlag Flavin in Riverhead bei New York den Folgen eines Diabetes-Leidens. Die Retrospektive ist die größte Ausstellung der Pinakothek der Moderne seit ihrer Eröffnung vor vier Jahren. Sie wurde bereits unter anderem in Washington, London und Paris gezeigt.

DPA / DPA