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Google Doodle zu Antoni Gaudí Der fromme Architekt mit dem Hang zur Natur


Sein Stil ist unverkennbar organisch und weich. Mehr als die Hälfte seines Lebens arbeitete er an der einzigartigen Sagrada Familia in Barcelona. Heute wäre der Architekt Gaudí 161 Jahre alt geworden.
Von Julia Holzapfel

Wäre Antoni Gaudí hundert Jahre später geboren, er wäre vermutlich aufgrund der Immobilienkrise und der hohen Arbeitslosigkeit in Spanien gescheitert. Mit einer schwachen Auftragslage hatte der heute weltbekannte Architekt Gaudíin seiner Zeit jedoch nie zu kämpfen.

Er kam 1852 in einer katalanischen Kleinstadt zur Welt, wo er als Sohn eines Kupferschmieds früh mit der Gestaltung von Formen in Berührung kam. Weil er sich aufgrund einer Rheumakrankheit nicht gut bewegen konnte, blieb ihm das Spielen mit Altersgenossen versagt. Stattdessen beobachtete der kleine Gaudí Ereignisse in der Natur. In seiner Jugendzeit verbesserte sich sein körperlicher Zustand und er machte zahlreiche Reisen aufs Land. Daraus erklärt sich der starke Einfluss der Natur auf den Stil des Spaniers, der von runden, organischen Formen gekennzeichnet ist.

In der Schule war der Katalane mit dem nordischen Aussehen eher unteres Mittelmaß. Allerdings stellten seine Lehrer schon früh sein kreatives Zeichentalent fest. Deshalb durfte Gaudí den wöchentlichen Schulbrief und das Bühnenbild der Schultheatergruppe gestalten.

Zwischen Genie und Wahnsinn

Mit 16 Jahren verließ Gaudí seinen Heimatort um sich an einer Architektenschule in Barcelona auf sein Studium vorzubereiten. Als er an dieser Schule 1878 seinen Abschluss machte, verabschiedete ihn der Direktor mit den Worten: "Wer weiß, ob wir den Titel einem Verrückten oder einem Genie gegeben haben - nur die Zeit wird es uns sagen."

Weil Gaudí der Meinung war, dass Architektur nicht nur mit Ästhetik zu tun hat, sondern auch soziale und politische Ideen einfließen, belegte er während seines Architekturstudiums auch die Fächer Philosophie, Geschichte und Wirtschaft.

Gaudís Karriere kam rasch in Schwung. Mit dem Bau zahlreicher Villen, der Gestaltung von Parks und der Planung von katholischen Krypten machte er sich einen Namen im Barcelona des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Einige seiner ersten Werke, wie der Park Güell, das Palau Güell und das Haus der Familie Milà (Casa Milà), stehen seit 1984 auf der Weltkulturerbeliste der Unesco.

Die Sagrada Familia: Gaudís Lebens-bau-werk

Er lebte und wirkte überwiegend in seiner Studienstadt Barcelona, wo er 1883 die Leitung des wohl bedeutendsten Baus seines Lebens übernahm: die Sagrada Familia. 43 Jahre widmete er dem Bauwerk, das bis heute unvollendet ist und nach aktuellen Prognosen erst im Jahr 2026 fertiggestellt wird. Teile der Sagrada Familia, die eine Grundfläche von zweieinhalb Fußballfeldern einnimmt, haben seit dem Jahr 2000 ebenfalls Welterbestatus.

Bis zu seinem Tod spielt die Kathedrale die größte Rolle in Gaudís Leben. Auf dem Arbeitsweg zur Baustelle wurde der Architekt kurz vor seinem 74. Geburtstag von einer Straßenbahn erfasst und erlag drei Tage später seinen Verletzungen. Die Regierung ordnete eine Beisetzung in der Krypta der unvollendeten Kathedrale an.

Für Frauen hatte der Architekt nur wenig übrig. Nachdem Heiratspläne mit einer ihm zugeneigten Dame scheiterten, lebte der Katholik äußerst fromm und verbrachte viel Zeit in Kirchen. In den Augen vieler Klerikaler führte Gaudí ein vorbildhaftes Leben, weshalb im Jahr 2000 ein Seligsprechungsverfahren eingeleitet wurde.

Ein Popstar der Baukunst

Bis heute bleibt Gaudí ein Star - nicht nur in der Baukunst: Es gibt einen Facebook-Account, der auf seinen Namen läuft und dem knapp 126.000 Fans folgen. Ein dokumentarischer Spielfilm aus dem Jahr 1985 zeichnet Gaudís Leben anhand seiner Werke nach. Ein 1993 uraufgeführtes Musical mit dem Titel "Gaudí" beschäftigt sich ebenfalls mit dem Spanier und fußt musikalisch auf dem Album von The Alan Parsons Projekt, das - selbstverständlich - "Gaudí" heißt.


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