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Irving Penn ist tot: Chronist der Stars

Die Karriere von Irving Penn begann mit einem Titelfoto für die Zeitschrift "Vogue". Später holte er berühmte Persönlichkeiten wie etwa Marlene Dietrich, Alfred Hitchcock oder Ingmar Bergman vor die Linse. Im Alter von 92 Jahren ist der amerikanische Fotograf nun gestorben.

Irving Penn, einer der einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts, ist tot. Der 92-jährige Amerikaner starb nach Angaben seines jüngeren Bruders, des Hollywood-Regisseurs Arthur Penn, am Mittwoch in seinem Appartement in Manhattan. Die Todesursache sei derzeit nicht bekannt, berichtete die "New York Times" am Donnerstag. Penn hatte sein erstes Titelblatt für die Modezeitschrift "Vogue" 1943 geschossen.

Film- und Musikgrößen wie Igor Strawinsky, Miles Davis, Marlene Dietrich, Alfred Hitchcock und Ingmar Bergman ließen sich von ihm ablichten. Penns Aufnahmen mit ihrer Mischung aus klassischer Eleganz und kühlem Minimalismus sind in Museen weltweit zu sehen. Als Star der Modefotografie schuf er allein für "Vogue" mehr als 150 Cover. Ungeachtet der radikalen Veränderungen in der Mode und ihrer Darstellung im Verlauf der Jahrzehnte blieb Penn seinem Stil treu.

Seine Fotografien strahlen Ruhe und Gelassenheit aus. Penn lichtete Prominente wie Models nie in schneller Bewegung oder auf dem Sprung ab. Selbst die Mitglieder der Motorrad-Gang Hell's Angels, die er 1967 in San Francisco aufnahm, wirkten bei ihm wie Fresken der griechischen Antike, schrieb die Zeitung. Mit Ausnahme einiger weniger Nahaufnahmen, die an der Stirn enden, stellte Penn seine Models und Prominente aus Politik und Kultur unangetastet in voller Größe vor.

Obwohl vor allem für seine Arbeit in der Pariser Modewelt bekannt, hielt der Starfotograf ebenso häufig das Leben in fernen Regionen der Welt fest. Mit einem Atelierzelt und einer alten Plattenkamera reiste er zu den Eingeborenen Papua-Neuguineas, den Nomaden in der Wüste von Marokko, den Hochlandindianern Perus und den Stämmen Kameruns. Für seine Stillleben sammelte er Anfang der 70er Jahre Abfall im Rinnstein, Zigarettenpackungen, Kippen, einen weggeworfenen Handschuh.

Der Sohn eines jüdischen Uhrmachers wuchs in Plainfield (New Jersey) und in Philadelphia auf. Ursprünglich wollte Penn Maler werden, tauschte dann aber den Pinsel gegen das Objektiv, weil er glaubte, auf der Staffelei nur Mittelmäßiges schaffen zu können. Seine Ehe mit Lisa Fonssagrives, die sich nach dem modeln der Bildhauerei zuwandte und Penn häufig bei seiner Arbeit unterstützte, endete nach 42 Jahren mit ihrem Tod im Alter von 80.

DPA / DPA