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Peter-Lindbergh-Ausstellung: Der Ruhrpott-Junge und die schönsten Frauen der Welt

Fotograf Peter Lindbergh läutete Ende der Achtziger die Ära der Supermodels ein. Die Kunsthalle in Rotterdam zeigt nun eine Auswahl von mehr als 220 Bildern aus drei Jahrzehnten.

Kate Moss

Kate Moss fotografierte Peter Lindbergh 2015 in Paris für die italienische "Vogue"

Auf die Frage, warum er Ende der 70er Jahre ausgerechnet Modefotograf geworden sei, antwortet Peter Lindbergh, Modefotografen seien damals die freiesten und kreativsten ihrer Branche gewesen - "und natürlich gab es strahlende Vorbilder wie Richard Avedon, Guy Bourdin, Irving Penn und Helmut Newton".

Ein Jahrzehnt später, Ende der Achtziger, begann der Ruhrpott-Junge aus Duisburg-Rheinhausen damit, eine Reihe von Mädchen vor seiner Kamera zu versammeln, die später allesamt unter dem Prädikat Supermodel arbeiteten. Seine Gruppenbilder gingen als Meilensteine in die Modefotografie ein, und seine Mannequins - unter ihnen Helena Christensen, Tatjana Patitz, Amber Valletta, Eva Herzigova und Nadja Auermann - dominierten jahrelang die Branche, mal ohne, oft genug mit ihm.

Peter Lindbergh verzichtet auf Provokationen

Manchen Kritikern stößt die unerschütterliche Treue Lindberghs zu seinem eigenen Stil auf, zu seinen Models und Frauenporträts, die wenig Experimente, aber immer viel Gesicht zeigen. Provokationen finden sich in seinem Oeuvre nicht, aber wer wie er erst mit Ende 20 Fotograf wird, so sagte er einmal, "lässt sich so schnell nicht von seinen Ideen abbringen".

Vom 10. September an zeigt die Kunsthal Rotterdam eine Auswahl von mehr als 220 Bildern. Nach welchen Kriterien sucht man einige Hundert unter Millionen von Fotografien heraus? "Wir haben zwei Jahre lang an der Ausstellung gearbeitet", sagt Lindbergh. Er habe damit zu kämpfen gehabt, dass "ich immer meine letzten Fotos am besten finde".

Für den Pirelli-Kalender 2017 hat er neulich eine Auswahl unter 27.000 Bildern treffen müssen. "Das hat eine ganze Woche gedauert. Jetzt habe ich noch mal draufgeguckt und würde am liebsten alles noch mal machen."

Es gibt also nicht wirklich das gute und das schlechte Bild? "Eigentlich müsste man ein paar Jahre warten, um ein Urteil fällen zu können."


Die Ausstellung "Peter Lindbergh. A Different Vision on Fashion Photography" läuft noch bis zum 12. Februar 2017 in der Kunsthalle Rotterdam