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Jan Siebert: Ein Deutscher wird zum Favela-Maler

Seit mehr als zehn Jahren lebt der Deutsche Jan Siebert in Brasilien und ist inzwischen erfolgreicher Favela-Maler. Eine Ausstellung in Hamburg zeigt seine Werke.

Jan Siebert

Als Zugereister hat man oft ein besseres Auge für das Wesentliche eines Ortes. So ist es ist ausgerechnet ein Maler aus Deutschland, dem unvergleichlich kraftvolle Bilder über Brasilien gelingen. Es ist nicht das aus unzähligen Postkarten-Motiven bekannte Land, das seine Werke zeigen. Es sind nicht die aufgeräumten Strände von Ipanema, nicht der charakteristische Zuckerhut und nicht die monumentale Statue Cristo Redentor. Jan Sieber findet seine Anregungen vielmehr bei Nacht, im rauen und wilden Leben einer Favela. 

Der gebürtige Hamburger lebt seit 2005 in Rio. Sein Zuhause liegt in der Favela Vidigal, "dem wahrscheinlich hippsten Armenviertel der Stadt", wie es der NDR in einem Fernsehbeitrag formuliert. Hier bekommt Siebert all die Inspirationen, die sein Werk so besonders machen: Frauen von herber Schönheit, Straßenszenen - und immer wieder die Favela bei Nacht. "Das entscheidende ist das Licht", sagt der Maler. Wenn man seine Bilder sieht, weiß man, was er meint: Erst die künstliche Beleuchtung von Straßenlaternen verleiht seinen Gemälden die besondere Magie. Seine Bilder verströmen etwas von dem Geheimnis und der Gefahr, die auch amerikanische films noirs aus den 40er und 50er Jahren ausgezeichnet haben.

Jan Sieberts Werke in Hamburg

Der 45-Jährige arbeitet meistens nachts, dann kann er sich am besten in eine Trance malen, in der er alles um sich herum vergisst. Eine Session dauert vier bis sechs Stunden, sagte Siebert vor drei Jahren dem "Tagesspiegel". Für ein fertiges Bild brauche er zehn Nächte.

Jan Siebert kam über Umwege nach Brasilien. Er war Mitte 20, als er sein Studium an der Hamburger Fachhochschule für Gestaltung abbrach und nach Mexiko zog, wo er von 1996 bis 2004 lebte. Während seiner Zeit in Veracruz entwickelte er seinen heute charakteristischen Stil, in dem er nächtliche Szenen an verlassenen Orten beobachtete. In seiner Favela Vidigal fand Siebert dann alles, was er brauchte, um seinen Stil auszureifen. 

Die Ausstellung "20 Jahre Malerei in Lateinamerika // Werkschau" ist am 7. und 8. Oktober im Eiskeller in der Lessers Passage 4 in Hamburg zu sehen.  

Mehr über den Maler unter www.sansiebert.com

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