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Niemals nur Frauenthemen: Karikaturistin Marie Marcks feiert 90. Geburtstag

Emanzipation, Rüstung, Jugend: Marie Marcks - Deutschlands wohl bekannteste Karikaturistin - hat in ihrer langen Karriere kaum ein Thema ausgelassen. Heute feiert sie ihren 90. Geburtstag.

Der Mann hat es buchstäblich schwer, er trägt nichts geringeres als die Weltkugel auf seinen Schultern. Dass er sich so abmüht, kann seine Frau nicht verstehen. "Roll doch das Ding, Blödmann!", rät sie ihm mit einer Mischung aus Unbekümmertheit und Pragmatismus.

Die Zeichnung stammt aus der Feder von Marie Marcks, die sich mit Witz und Ironie den Ruf der bekanntesten deutschen Karikaturistin ermalt hat. Heute feiert die "Meisterin der Komischen Kunst" ihren 90. Geburtstag. Das caricatura museum frankfurt würdigt die Frau mit der großen Themenpalette noch bis zum 21. Oktober mit einer Ausstellung, in der mehr als 350 Blätter aus Marcks' Werk gezeigt werden.

Marcks, die 1922 in Berlin als Tochter eines Architekten und der Leiterin einer privaten Kunstschule geboren wurde, hatte zunächst als Grafikerin gearbeitet, machte sich aber zunehmend mit politischen Karikaturen einen Namen. 1965 begann sie, als Karikaturistin für Zeitungen und Zeitschriften zu arbeiten, unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung", "Die Zeit" und für "Titanic".

Zu männerfreundlich für die "Emma"

Zwar wurde sie in den 60er Jahren mit Emanzipationsthemen bekannt, für die Zeitschrift "Emma" war sie aber wohl nicht entschieden genug. "Alice Schwarzer fragte mich für die 'Emma' an, aber mein Cartoon war ihr dann doch zu 'männerfreundlich'", sagte sie kürzlich dem "Zeit Magazin". Sie habe sich nie nur auf Frauenthemen beschränken wollen. In der "Süddeutschen Zeitung", für die sie lange Jahre zeichnete, habe sie dann die gesamte Tagespolitik abdecken können.

Es gibt kaum ein Feld, zu dem Marcks nicht eine ihrer fein gezeichneten Karikaturen abgeliefert hat - sie wurde zu einer Chronistin der Bundesrepublik, wie es in einer Würdigung des Museums heißt. Die Themenspanne reicht von Rüstung, Militär und Rechtsextremismus über Bildung und Erziehung bis zu Emanzipation sowie Alter und Jugend. Nicht nur mit ihren Zeichnungen, auch mit ihrem Leben sei die Mutter von fünf Kindern ihrer Zeit vorausgewesen.

So befasste sie sich schon früh mit der Doppelbelastung zwischen Familie und dem Alltag der Künstlerin. Gern nimmt Marcks auch Autoritäten aufs Korn und stellt sich auf die Seite der Kleinen - etwa in dem Cartoon, in dem ein Junge vor einem gelehrt wirkenden Herrn sitzt, der ihn fragt: "So. Wir machen also noch in die Hose!". Die Antwort des Jungen: "Du auch?"

Ausbildung in der Kunstschule der Mutter

Mit Papier und Stiften war die Künstlerin von klein auf vertraut - nicht nur, weil ihre Mutter eine Kunstschule leitete. Ihr Onkel Gerhard Marcks war Bildhauer, Marie Marcks hatte nach Angaben des Museums ein enges Verhältnis zu ihm. Sie absolvierte eine Ausbildung in der Kunstschule ihrer Mutter und studierte noch während des Zweiten Weltkriegs einige Semester Architektur.

Nach dem Krieg arbeitete sie als Grafikerin und malte unter anderem Plakate für den Heidelberger Filmclub. Dann kam ein Staatsauftrag - die Gestaltung des deutschen Pavillons bei der Weltausstellung in Brüssel 1958. Der publizistische Durchbruch gelang mit Karikaturen in der wissenschaftspolitischen Zeitschrift "atomzeitalter".

Die vielfach ausgezeichnete Künstlerin, die in Heidelberg lebt, arbeitet auch als Buch- und Kinderbuch-Illustratorin. Außerdem wirkte sie bei der Produktion von Kurz- und Trickfilmen mit.

Von Jasper Rothfels, DPA/DPA

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