HOME

Spanischer Autor: Rafael Chirbes ist tot

Als Student kämpfte Rafael Chirbes gegen die Franco-Diktatur. Diese Zeit konnte der Autor nie vergessen. In den letzten Jahren befasste er sich aber auch mit den Schattenseiten der spanischen Gegenwart.

Rafael Chirbes im Jahr 2013 in Barcelona

"Ein unbequemer Überlebender": Rafael Chirbes im Jahr 2013 in Barcelona

Rafael Chirbes war ein unbequemer Beobachter. Der spanische Schriftsteller, der im Alter von 66 Jahren gestorben ist, beschrieb mit beißender Schärfe die Schattenseiten seines Landes - von der Diktatur des Franco-Regimes bis zur Immobilienkrise und den Korruptionsskandalen der Gegenwart. "Das ist nicht pessimistisch, das ist die Wirklichkeit", sagte er einmal. 

In den Jahren des wirtschaftlichen Booms wollten die Spanier von den dunklen Seiten der Franco-Diktatur (1939-1975) wenig wissen. Chirbes' Romane waren im Ausland - vor allem in Deutschland - zeitweise erfolgreicher als im Heimatland des Autors. Für seinen Erfolg auf dem deutschen Markt hatte der Schriftsteller eine einfache Erklärung: "(Der Literaturkritiker) Marcel Reich-Ranicki hat einmal einen Roman von mir öffentlich empfohlen. Das hat mir in Deutschland geholfen."

"Er war ähnlich wie die Hauptfiguren in seinen Romanen"

Chirbes hatte als Student sich in einer linken Gruppe im Kampf gegen das Franco-Regime engagiert. Er wurde festgenommen und monatelang inhaftiert. "Er war ähnlich wie die Hauptfiguren in seinen Romanen ein unbequemer Überlebender, der die Vergangenheit nicht vergessen wollte", würdigte die Zeitung "El Mundo" am Sonntag den Autor. "In der Literatur entdeckte er die beste Form, jene Jahre zu protokollieren, in denen nur einige wenige ein Land verändern wollten, das es sich in der Diktatur bequem gemacht hatte."

Die Roman-Trilogie "Der lange Marsch" (1996), "Der Fall von Madrid" (2000) und "Alte Freunde" (2003) befasst sich mit der Zeit des Franco-Regimes, dem Ende der Diktatur und dem Übergang zur Demokratie. "Krematorium" (2007) handelt vom Bauboom, der Zerstörung von Naturlandschaften und der Korruption in der Zeit vor dem Platzen der "Immobilienblase". Er diente auch als Vorlage für eine TV-Serie. "Sie war sehr gut gemacht, aber sie hatte wenig mit meinem Buch zu tun", meinte der Autor. Sein darauffolgendes Werk "Am Ufer" (2013) knüpft unmittelbar daran an und schildert ein Land in Katerstimmung, in dem die Wirtschafts- und Finanzkrise dem Boom ein jähes Ende bereitet hat.

"Ein schwerer Schlag für die spanische Literatur"

"Chirbes' Tod ist ein schwerer Schlag (für die spanische Literatur)", sagte sein Verleger Jorge Herralde der Zeitung "El País". "Er war ein Mensch von einer außergewöhnlichen moralischen Integrität." Chirbes, Sohn eines Eisenbahners, war in einem Waisenheim aufgewachsen. Sein Vater starb, als der Sohn vier Jahre alt war, die Mutter lebte in Armut. Der Autor bezeichnete sich als Marxist, engagierte sich aber nach dem Ende der Franco-Diktatur nicht mehr in der Politik. Er lebte seit mehreren Jahren zurückgezogen an der spanischen Mittelmeerküste in dem Dorf Beniarbeig nördlich von Alicante.

tim / DPA
Themen in diesem Artikel