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Renovierung von Berliner Museen Countdown für den Pergamon-Altar


Ist Berlin verrückt geworden? Einige der aufregendsten Touristen-Attraktionen schließen, darunter der Saal mit dem Pergamon-Altar. Millionen von Touristen werden vor verschlossenen Türen stehen.
Von Anja Lösel

Schnell! Gehen Sie nochmal hin! Ein letztes Mal den Pergamon-Altar angucken, bevor er im Depot und hinter dicken Verschalungen verschwindet.

Am Sonntag ist Schluss. Dann wird der Pergamonsaal auf der Berliner Museumsinsel für fünf Jahre zu einer Baustelle. Ja, Sie haben richtig gelesen: für FÜNF Jahre. So lange braucht es, bis das marmorne Schmuckstück mit den kämpfenden Göttern und Giganten wieder in voller Pracht erstrahlen kann. Und bis die Säulen, Kapitelle, Gebälke und Gesimse aus Kunststein, die man 1930 um den Altar herum gebaut hat, wieder aufpoliert sind.

Das gesamte Pergamonmuseum ist in einem extrem schlechten Zustand: Schäden an der Stahlkonstruktion des Daches und an Lichtdecken, Fassaden und Gesimsen. Klima- und Elektrotechnik, Sicherheitstechnik und Beleuchtung müssen erneuert werden. Daran führt kein Weg vorbei.

Berlin ist eine Baustelle

Bitter für die rund 1,4 Millionen Besucher, die jedes Jahr den Pergamonaltar sehen wollen. Sie werden nun vor verschlossenen Türen stehen. Ab 29. September ist es erst mal vorbei.

Und leider ist das nicht die einzige schlechte Nachricht aus Berlin. Auch die Neue Nationalgalerie mit ihren Schätzen von Picasso bis Gerhard Richter muss schließen. Das gesamte Gebäude ist marode, fast alle Glasscheiben sind gesprungen, Kondenswasser hat sich breit gemacht und die Stahlrahmen angegriffen. Eine knifflige Sache, dieses grandiose Bauwerk der Moderne zu restaurieren, das der Architekt Ludwig Mies van der Rohe 1968 baute.

Auch die Berlinische Galerie zeigt erst mal keine Kunst mehr. Sie ist wegen Sanierungsarbeiten geschlossen bis zum Frühjahr 2015. In der Akademie der Künste nahe dem Brandenburger Tor gibt es bis 2016 keine Ausstellungen wegen "einer technisch-energetischen Teilsanierung". Und die Oper Unter den Linden ist schon seit 2010 eine Megabaustelle und wird es bis mindestens 2015 bleiben.

Die Lösung um die Ecke

Eine Katastrophe für alle Kultur-Touristen, die genau wegen dieser Sensationen nach Berlin kommen. Björn Lisker, Sprecher des Berliner Tourismusportals "Visit Berlin", versucht abzuwiegeln: "Die Museumsinsel bleibt trotzdem attraktiv. Dass mal renoviert werden muss, verstehen die Leute doch."

Nun ja, im Augenblick stehen sie Schlange vor dem Pergamon-Museum und nutzen die verlängerten Öffnungszeiten (bis 20 Uhr). "I am not amused", sagt ein Herr aus Oxford. Und seine Frau ist überglücklich, dass sie die Superattraktion grade noch vor der Schließung sehen darf: "So ein Glück!"

Der Architekt David Chipperfield, der die komplizierte Renovierung der Neuen Nationalgalerie leitet, hält die Schließung so vieler Museen sogar für eine Chance. "Dann werden die Touristen endlich mal die Gemäldegalerie entdecken." Die ist gleich um die Ecke - und leidet trotz vieler Attraktionen wie Rembrandt und Vermeer unter ständigem Besuchermangel. So kann man's auch sehen.


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