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Finnische Briefmarke: Schwule Liebesgrüße nach Moskau

Die finnische Post sorgt in Russland für Empörung: Deren Briefmarken erinnern an den Künstler Tom of Finland. "Schwulenpropaganda", wettert ein russischer Politiker - und will die Marken verbieten.

Von Jens Maier

Es sind drei finnische Ein-Euro-Briefmarken, die Russland nervös machen: Darauf zu sehen sind Männer mit Schnurrbärten und engen Hemden, die irgendwie an die Village People erinnern. Trüge einer der beiden nicht Lederstiefel und -handschuhe, könnten die Herren zum Ablecken aber auch aus der russischen Taiga stammen. Zwei echte Kerle eben. Nur dass einer von ihnen nackt ist und auf einer der Marken auch noch seinen entblößten Hintern zeigt. Was in der finnischen Sauna ganz normal ist, sorgt beim Nachbar Russland für Empörung.

"Schwulenpropaganda" sei das, echauffiert sich der russische Politiker Witali Milonow. Das Mitglied der gesetzgebenden Versammlung von Sankt Petersburg fordert die Briefträger in seinem Land auf, die Post mit den finnischen Marken nicht zuzustellen. "Diese Marken sind Bestandteil homosexueller Propaganda, die in unserem Land verboten ist", sagte er der Nachrichtenagentur Tass. "Ich habe den Vorstand der russischen Post gebeten, meine Anfrage zu prüfen. Gleichzeitig mahne ich die Finnen, unsere engen Nachbarn, diese Marken auf Briefen nach Russland nicht zu verwenden."

"Tom-of-Finland"-Marken brechen alle Rekorde

Doch bislang scheinen ihm die Finnen diesen Gefallen nicht zu tun. Im Gegenteil. Seit dem Ausgabedatum am 8. September brechen die Marken alle Rekorde, meldet Finnlands Post Itella. Die Motive sind so erfolgreich wie keine finnische Marke zuvor. In vielen Postämtern seien sie bereits ausverkauft, aus mehr als 178 Ländern seien im Online-Shop Aufträge eingegangen. Das zwang am Erstverkaufsdatum sogar die Server in die Knie.

Mit den erfolgreichen Marken wird der finnische Künstler Tom of Finland geehrt. Der 1991 gestorbene Zeichner, dessen Name eigentlich Touko Laaksonen ist, hat die schwule Kunstszene der 70er und 80er Jahre wesentlich mitgeprägt. Seine Zeichnungen inspirierten sowohl die Village People als auch Freddie Mercury. Laaksonen gilt als Ikone der Schwulenbewegung, seine Comics und Darstellungen von muskulösen Männern sind noch heute beliebt.

Keine nackten Männerhintern für Milonow

Nicht die harmlosen Motive an sich, sondern die Geschichte hinter den Marken dürfte auch der Grund für die Aufregung von Witali Milonow sein. Der Politiker und Autor der Petersburger Gesetze gegen Homosexuelle ist für seine Hetze gegen Schwule berüchtigt. Er bezeichnet Homosexualität als eine Prüfung Gottes und eine Krankheit, die "ganz einfach mit Beten und Fasten geheilt werden kann". Und in dieses absurde Weltbild passen nackte Männerhintern eben nicht.

Wie viele Briefe mit den "Tom of Finland"-Marken bereits nach Russland verschickt wurden, ist unklar. Der Strom dürfte vorerst jedoch nicht abebben. Viele Finnen machen sich aus der Aufregung im Nachbarland offenbar einen Spaß und kleben absichtlich die Marken mit den wilden Kerlen. Liebesgrüße nach Moskau.