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Theaterjahr 2012: Das Intendantenkarussell dreht sich wieder

Kaum einen Theaterintendanten hält es so lange an einem Ort wie Frank Castorf. Der geht 2012 in sein 20. Jahr an der Berliner Volksbühne. Doch bevor geklärt ist, ob er noch einmal verlängert, werden an anderen Häusern neue Intendanten erwartet.

Das Theaterjahr 2012 könnte ein Jahr des Wartens werden. An den deutschen Bühnen stehen 2013 zahlreiche Intendantenwechsel bevor. Das Publikum kann gespannt sein, wie die scheidenden Theaterchefs die letzte Saison an ihren Häusern gestalten. Einige Posten sind auch noch zu besetzen.

Hamburg wartet auf die neue Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier, die vom "Theater des Jahres" 2011, dem Schauspiel Köln, in die Hansestadt wechselt. Zum "Vorglühen" zeigte sie dort schon einmal ihre auch beim Berliner Theatertreffen gefeierte Jelinek-Inszenierung "Das Werk/Im Bus/Ein Sturz" - und wurde prompt als neue Hoffnungsträgerin des Hamburger Hauses bejubelt, dem Intendant Friedrich Schirmer wegen "gravierender Unterfinanzierung" den Rücken gekehrt hatte. Die Nachfolge von Beier in Köln soll der Regisseur Stefan Bachmann antreten.

In Berlin, wo es weiter kein eigenständiges Kulturressort gibt, muss der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Nachfolge von Armin Petras am Maxim Gorki Theater regeln. Enttäuscht von der nach seinen Worten mangelnden finanziellen Unterstützung des Landes Berlin und des Regierenden Bürgermeisters nahm Petras ein "verlockendes Angebot" aus Stuttgart an. 2013 tritt der unter dem Namen Fritz Kater auch als Theaterautor bekannte Petras die Nachfolge von Hasko Weber als Intendant des Stuttgarter Staatstheaters an.

Finanzprobleme in Leipzig

Auch an der Berliner Volksbühne geht der Blick in die Zukunft. Im Sommer 2013 läuft der Vertrag von Intendant Frank Castorf aus. Offen ist, ob der Theatermacher nach dann 20 Jahren als Volksbühnen-Chef tatsächlich noch einmal verlängert. Fest steht dagegen schon Castorfs nächstes Großprojekt: 2013 soll er in Bayreuth den "Ring" inszenieren.

Das Leipziger Centraltheater muss einen Nachfolger für Sebastian Hartmann suchen, der seinen Vertrag nicht verlängern wollte. Hartmann selbst, der den Leipzigern unter anderem mangelnde Aufgeschlossenheit vorwarf, schlug Matthias Lilienthal vom Berliner Theater Hebbel am Ufer HAU als seinen Nachfolger vor. Für seine eigene, letzte Leipziger Saison 2012/13 wolle er trotz prekärer Haushaltssituation "einen Spielplan auf die Beine zu stellen, der einer letzten Spielzeit gerecht wird und nicht wie eine Flucht aussieht."

Wie es im HAU nach Lilienthals Weggang weitergeht, ist dagegen geklärt. Im Herbst 2012 wird die Belgierin Annemie Vanackere neue Intendantin der Avantgarde-Bühne. Bereits zum Jahreswechsel tritt der bisherige Salzburger Schauspiel-Chef Thomas Oberender seinen Job als neuer Chef der Berliner Festspiele an. Neue Theatertreffen-Leiterin wird Yvonne Büdenhölzer, bisher künstlerische Leiterin der Theaterbiennale Wiesbaden. Der große, etwas schwerfällig gewordene Berliner Festspiel-"Tanker" soll mit Oberender und Büdenhölzer neue Fahrt gewinnen.

Neuer Chef am Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz wird 2012 der Österreicher Josef Ernst Köpplinger. Am Theater der Altmark in Stendal beginnt dann Alexander Netschajew als neuer Intendant. Neustart auch bei der RuhrTriennale, die 2012 erstmals von Komponist Heiner Goebbels geleitet wird.

Elke Vogel/DPA / DPA