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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Hund, Katze, Hamster – was findet der Mensch nur am Tier?

Haustiere: Die einen sind treudoof bis zur Selbstverleugnung, die anderen egoistisch und ignorant. Warum umgeben wir uns so gern mit ihnen?

Haustierhaltung – was findet der Mensch nur am Tier?

Alpaka-Farm in Castrop-Rauxel; Pfau als Haustier

Hat Martin Schulz einen Hund? Wenn nicht, wäre es für ihn an der Zeit, sich einen zuzulegen. Gilt der doch als der beste Freund des Menschen (also, der Hund; nicht Martin Schulz) und wird für seine bedingungslose Liebe geschätzt. Das ist schön gesagt. "Kritikloser Speichellecker" würde es ebenfalls gut treffen.

Häufig sind es von Mitmenschen enttäuschte Bürger, die sich dem pelzigen Untergebenen zuwenden. Man kann den größten Blödsinn reden oder schwiegertochtergesuchtgemäß stammeln, ja sogar Sympathien für die FDP äußern – für das Tier bist und bleibst du der Größte. Kein Wort der Kritik, kein verächtlicher Blick. Das ist weniger aufwendig und macht deutlich mehr Spaß als, sagen wir mal, eine Ehe zu führen.

Alpaka-Farm in Castrop-Rauxel

Obendrein verleiht einem die zur Schau gestellte Tierliebe etwas Sympathisches. Einer, der so liebevoll einen Vierbeiner umsorgt, der kann ja kein schlechter Mensch sein! Hätte Hitler keinen Hund gehabt, man hätte ihn glatt für ein wenig seltsam gehalten.

Dass Superschurken im Film wiederum gern Katzen streicheln, kommt nicht von ungefähr. Sind sich der Bösewicht und das Vieh auf dem Schoß doch in Sachen Gleichgültigkeit für die Bedürfnisse anderer sehr ähnlich.

Während der Hund treudoof wartet und sich ehrlich freut, könnte die Katze kaum ignoranter sein. Sie kommt und geht, wann sie will, schaut kaum mal auf und empfindet ohnehin nur dann Interesse am Hausherrn, wenn sie Nahrung abgreifen will. Eltern von Teenager-Kindern werden das kennen.

Seien wir ehrlich: Hasso legt sich im Zweifel tagelang neben das verstorbene Herrchen – Maunzi aber spaziert noch vor dem letzten Atemzug durch die Katzenklappe und scharwenzelt spielerfrauengleich dem Nachbarn ums Knie.

Manche Tiere werden Supertalent, Instagram-Stars mit Milliarden Followern oder sogar US-Präsident. Der Opa, der das Meerschweinchen auf seinem Kopf durch das Weiße Haus trägt, ist im Grunde genommen nur eine Art bessere Gehhilfe.

Während Menschen durch ihre menschheitsbedingte Verkorkstheit eigentlich kein guter Umgang für Menschen sind, übt jedes Tier etwas Beruhigendes auf den Menschen aus. Es sei denn, es ist ein Grizzly.

Wer aber träumt nicht davon, nach dem Burnout mit Delfinen schwimmen zu dürfen? Das muss herrlich sein. Busladungen von Menschen reisen heutzutage an, um sich mit Flippers Enkeln den Stress aus dem Leib zu planschen. Schon fragt man sich: Mit wem schwimmen eigentlich Delfine, wenn ihnen der Stress zu viel wird?

In Castrop-Rauxel gibt es eine Alpaka-Farm. Diese treuen Anden-Vespas mit der Marco-Reus-Frisur gelten als besonders empathische Tiere und eignen sich deshalb für beruhigende Spaziergänge. Leider weiß das Alpaka das nicht und fragt sich, was es verbrochen hat, in Castrop-Rauxel leben zu müssen.

Pfau als Haustier

Seitdem sie als emotionaler Support gefragt sind, kommen Therapietiere weit herum. Die Leute nehmen sie mit auf längere Flüge, sodass man auf Platz 12 C durchaus auf Schwein, Igel oder Pony treffen kann. Ein bisschen zu viel wurde es, als unlängst ein Pfau mit an Bord sollte. Der durfte nicht mit. Ebenso wie Hamster Pebbles, den eine emotional instabile Studentin vor Abflug auf Drängen der Airline – sie hätte sonst die Strecke fahren müssen – die Toilette runterspülen sollte.

Was sie dann auch tat. Irgendwo hört die Freundschaft auf.

Ich stelle mir vor, Pebbles schwimmt jetzt mit Delfinen.

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