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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: "What the Fuchs" - die schreckliche Wahrheit über Kinderlieder

Eine Veganerin fühlte sich gestört, weil das Glockenspiel im Limburger Rathaus "Fuchs, du hast die Gans gestohlen" spielte. Dabei gibt es ja noch weitaus schlimmere Kinderlieder.

Von Micky Beisenherz

Micky Beisenherz plädiert für vegane Kinderlieder

Micky Beisenherz plädiert für vegane Kinderlieder

Limburg ist das Gina-Lisa unter den Städten. Viel Pech gehabt, viele Irre, die auf ihre Kosten Schlagzeilen machen. Was war passiert?

Eine selbst für Veganerdimensionen besonders sensible Veganerin fühlte sich durch das Glockenspiel im Limburger Rathaus gestört: "Fuchs, du hast die Gans gestohlen." Die Frau lebt vielleicht fleisch-, aber dafür ganz und gar nicht gehörlos. Und so setzte ihr der Part mit dem Jäger, der den rothaarigen Gänseripper mit der Flinte niederstreckt selbst in der Instrumental-Version derart zu, dass sie den Bürgermeister bat, diesen Song künftig von der Playlist zu nehmen.

Marius Hahn, ein Mann der kleinen Leute, tat ihr den kleinen Gefallen. Hat man doch eh 15 Lieder im Portfolio und tauscht immer wieder mal durch. Klingt für einige wie eine nette Anekdote über den rücksichtsvollen Umgang mit Verklapsten auf dem Lande. Andere fragten sich: "What the Fuchs?" 

Ist #GaenseGate doch ein typisches Beispiel für die Schamlosigkeit, mit der die Grünkern- Salafisten von der Veganermiliz versuchen, braven BiFi-Essern und Kaninchenüberfahrern die letzten Freuden an der ohnehin schon durchreglementierten Existenz zu nehmen?

Nachdem die komplette Nahrungskette des Deutschen bereits verdinkelt wurde, darf man ja auch im Grunde genommen nix mehr sagen, ohne, dass die grammatikalischen Gurkennormierer einem auch das letzte Tafelsilber aus der Wortschatzkiste genommen haben.

"Was dürfen wir denn noch?!" "Negerkuss" ist tabu, "Mohrenkopf" ebenfalls, das "Zigeunerschnitzel" steht schon auf dem Index und macht man die "Eskimorolle" beim Kajak fahren, blickt einen die Gesinnungsgestapo beim Auftauchen auch schon ganz böse an.

Doch, halt. Haben wir in unserem blinden Hass auf Wortwarte und Tofundamentalisten nicht vielleicht doch unsere Sensibilität verloren? Sind die vermeintlich kindgerechten Liedchen nicht eine brutale Gehirnwäsche, unsere Welt und ihre Bewohner sukzessive zu soziopathisieren?

Wo ist Bär Läsker, wenn man ihn braucht?

Tatsächlich ist "Fuchs, du hast die Gans gestohlen" ein ganz, ganz schlimmes Lied. Es ist ja nicht nur der Fuchs, der sein Leben lässt. Die beliebte Weise ist en passant ein schamloses Plädoyer für den hemmungslosen Genuss von Gänsefleisch. Spätestens da hätte ich von einem Bär Läsker erwartet, in Limburg vorstellig zu werden, um höchstselbst die Glocke abzuschrauben!

Es kommt aber noch viel schlimmer. "Alle Vögel sind schon da." In einer Gesellschaft des Schneller-Höher-Weiter ist diese Melodie das denkbar schlechteste Signal. Übler kann man die armen Tiere doch gar nicht unter Druck setzen. Wissend, dass Amsel, Drossel und Star sich bereits dem Termindruck ergeben haben, droht dem gehetzten Fink womöglich ein schlimmer Burn-Out. Immer nur funktionieren, funktionieren! Kein Wunder, dass Kind und Tier zusehends verhaltensgestört und ausgebrannt sind.

Dass nicht nur der Mensch sondern auch das Tier keine Tempolimits kennen, beweist "die Affen rasen durch den Wald" sehr anschaulich. Was soll denn sowas? Geht es auf den Straßen nicht schon schlimm genug zu - muss jetzt auch noch der Wald als Monte Carlo für PS-geile Bonobos herhalten? Ein schwerer Imageschaden. Hat der Primat doch eben erst durch Galeonsfiguren wie den Trigema-Affen zurück in die Spur der Seriosität gefunden.

Am Ende verlieren alle

"Der Kuckuck und der Esel" - ein geradezu beschämender Aufruf zur narzisstischen Selbstinszenierung. Als wären nicht schon genügend Berufsschüler und Nagelstudiojunkies dem Lockruf des reptilienhäutigen Debilenschüttlers Bohlen erlegen, soll jetzt auch noch das arglose Tier vom Sangesruhm träumen. Die Folge: Ein unwürdiges Wettbrüllen zur Belustigung des Pöbels, beim dem der Lauteste gewinnen soll. Am Ende verlieren alle.

Speziell der Esel scheint mir hier doch ein besonders verführbares Opfer zu sein - hat man ihm doch bereits in der Enkeltrickhochburg Bremen vorgegaukelt, er könne, sofern er sich nur einer Artistengruppe anschließe, bestehend aus Hund, Katze, Hahn und ihm selbst, seiner bürgerlichen Existenz als Nutztier entfliehen. Ja, wo leben wir denn eigentlich?!

"Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad". Ja, was ist das denn?! Easy Rider trifft Wiesenhof! Nicht nur, dass die armen Tiere von dem Krach und den unkontrollierten Lenkbewegungen der orientierungslosen Vettel völlig verschreckt sind. Auch die Abgasbelastungen müssen enorm sein. Wer so etwas durch lässige Glockenspielereien propagiert, macht sich mitschuldig!

Was in der ganzen Diskussion aber völlig untergegangen ist: Die Limburger haben einen Hahn im Rathaus, Bürgermeister Dr. Marius Hahn. Wo ist denn da die artgerechte Haltung! Ich fordere umgehende Auswilderung. Oder zumindest eine adäquate Unterbringung im Hühnerstall. Zumindest, solange da nicht gerade wieder die Omma auf der Kreidler rumbrettert.

Da lobe ich mir die Hawaiianer. Da kommt beim Singen der deutschen Nationalhymne wenigstens kein Fuchs zu Schaden.

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