HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

M. Beisenherz - Sorry, ich bin privat hier: Fuck you, Greta - Fridays for Wutschnauben

Gegen Greta Thunberg und die Fridays-for-Future-Bewegung formieren sich die Hubbürger. Eine kritische Distanzierung eines notorischen Autoliebhabers.

Von Micky Beisenherz

#FridaysForHubraum: "... sagt viel über die Verdummung unserer Gesellschaft"

Liebe Opfer des "Ökofaschismus",
vor allem der letzte Freitag muss schlimm für euch gewesen sein. Fridays for Future. Die Städte voller Demonstranten. Hunderttausende, die gegen den Klimawandel protestieren. Überall auf der Welt. Das, was für viele ein Tag der Hoffnung und des Aufbruchs gewesen ist, muss euch vorgekommen sein wie Szenen aus "World War Z". Dawn of the Depps.

Als hätte ein Neuroparasit Besitz von den hilflosen Kindern ergriffen und dafür gesorgt, dass sie sich wie eine Polonäse des Irrsinns durch die Metropole schieben und diesen Klimastreik abfeiern wie letzte Woche noch das neue paar Balenciaga-Schuhe.

Hype ist der hässliche Bruder des Wandels - und kommt immer mit auf die Party. Und klar, manche geben euren Ängsten Futter. So wie diese Deppen, die sich nicht entblöden, sich um einen Mercedes-Geländewagen herumzustellen, den Fahrer der Lächerlichkeit preiszugeben und das Video auch noch ins Netz zu stellen. Angeführt von einem ehemaligen Erdkundelehrer, der seit der Pensionierung viel Liegefahrrad fährt und jetzt Zeit hat, sich mit Pappschildern in seinen Geox-Schuhen triumphierend wippend vor SUVs zu stellen.

Weil ja bekannt ist, dass man mit "ändere deine Lebensweise, du dreckiges Schwein!" noch jeden zum Nachdenken bewegt hat. Ja, ich verstehe.  Ihr empfindet viel Wut.

Womöglich erwartet ihr auch, dass sie euch morgen schon an der Ampel einen Molotow-Cocktail in den Q8 schmeißen. Und hey, niemand verlangt von euch, dass ihr in die Greta-Jubelarien mit einstimmt. Keiner ist verpflichtet, bei ihrer Rede vor Ergriffenheit zu heulen. Ist wie mit Beyoncé. Man muss kein Fan sein - und kann trotzdem die Leistung würdigen.

Micky Beisenherz über Greta Thunberg

Viele Männer fühlen sich von Greta Thunberg provoziert. Warum eigentlich?

DPA

Donald Trump wie ein Schulhof-Bully

Okay, man kann es natürlich auch machen wie Donald Trump. Als 120-Kilo-Schulhof-Bully mit einem 16-jährigem Mädchen im selben Raum sein, in ihrer Gegenwart kein Wort sagen. Und dafür am nächsten Tag große Fresse haben. Bei Twitter. Tough Guy.

Aber Leute, ernsthaft: "Fuck you, Greta"? Als Aufkleber überm Auspuff? Das perfekte Accessoire AM Auto, wenn einem Nickelback IM Auto einfach nicht genug ist. Für all jene, die in einem Auspuff vor allem eine Nebelmaschine sehen. Dagegen ist ein Sansibar-Sticker auf dem Touareg geradezu ein Ausweis geschmacklicher Extraklasse.

Auch wenn positiv notiert wird, dass es neben Cheyenne-Chloe und Justin-He Man zumindest ein Kindername auf den Wagen geschafft hat, der nicht gegen die Genfer Konventionen verstößt. Und weil bei gesellschaftlichen Entwicklungen, denen man kritisch gegenübersteht ein leises Augenrollen heutzutage nicht mehr reicht, bleibt es nicht bei dieser klebrigen Edhardyfizierung des bedrohten Fahrzeuges, nein: Es wird natürlich eine Gruppe gegründet. Der Deutsche neigt zur Vereinigung. #FridaysforHubraum.

Eine stabile PS-Pegida

Das ist witzig, weil: es klingt so ähnlich wie das Original. Und vermutlich war es eingangs auch witzig gemeint. Warum das Logo für das ungeübte Auge wie zwei gekreuzte Penispumpen aussieht, muss man die Seitenbetreiber fragen. Oder auch, warum sich binnen kürzester Zeit 300.000 Menschen eingefunden haben, um aus der Seite eine stabile PS-Pegida zu machen.

Ein intellektuelles Abklingbecken, in dem man nach Herzenslust über den Geisteszustand der verhassten Klima-Carrie fabulieren kann oder Gags teilt, die man nachts um drei in der Fußball-WhatsApp-Gruppe geschickt bekommt.

Hier in der CW-Werteunion finden sie sich alle wieder: Die Hubbürger, die schon bei der Online-Petition gegen Lanz dabei waren, bei der Mahnwache für Chico viele nette Leute kennengelernt haben und aus lauter blindem Hass auf "Gröhlemeyer"(hihi) sogar soweit gehen würden, sich ein Westernhagen-Album zu kaufen. Zumindest der Irrsinn mit dem Feminismus scheint erledigt. Da hat sich die #mentoo-Gruppe im letzten Jahr ja gelohnt. 

Der Zentralrat der Kurzverpimmelten

Fridays for Hubraum. Hier wird niveaumäßig einmal kräftig durchgeflert. Puh. Die Welt ist kompliziert. Und Facebook ein wohlig blau leuchtendes Dixi-Klo. Fänd ich mein Auto nicht so schön, ich müsste es aus Protest gegen diesen traurigen Haufen eigentlich verkaufen, um ein Zeichen zu setzen. 

Es ist der Zentralrat der Kurzverpimmelten. Da möchte man ungern mit in einen Topf geworfen werden. Und was die Carliban vielleicht auch berücksichtigen sollten: Einen pubertären Ton kann man vielleicht anschlagen, wenn man ein 16-jähriges Mädchen ist. Sicher aber nicht als 40-jähriger BMW-Fahrer.

Themen in diesem Artikel