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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Von pleinlichen Instagremlins und Mitlike - vergessene Jugendwörter 2017

30 Wörter enthält die Shortlist zum Jugendwort des Jahres 2017. Micky Beisenherz genügt das nicht. Er hat noch ein paar Vorschläge.

Micky Beisenherz über vergessene Jugendwörter 2017

Micky Beisenherz über vergessene Jugendwörter 2017

Mitlike, das: Liken absolut unterhaltungs- und zuspruchsarmer Beiträge aus karitativen Gründen.

Photoshopping- Queen, die: Person, deren Erscheinung in der Realität soviel mit ihrem Internetauftritt zu tun hat wie die abgebildeten Speisen bei Wimpy-Burger.

Erdogang, die: Gruppe junger Männer, auffallend durch besonders große Fresse bei augenscheinlch sehr geringem Selbstbewusstsein.

Rummgenigge, das: großfressiges Herumposaunen vermeintlich unbequemer Thesen bei gleichzeitiger Ignoranz des noch vor Wochen lauthals vorgetragenen Gegenteils.

Ku-Klux-Klamauk, der: Lustvolles Loslassen politischer Korrektheit vor einem klatschfreudigen Publikum. Rassistische Gags ohne Mindesterfüllung eines Zweite-Ebene-Standards.

Scheuern, das: rückgratloses Nachfaseln der Meinung des Vorgesetzten zur Sicherung des eigenen Verbleibs in dessen Rektum.

Bio Tonne: dicke Veganerin oder Veganer (vgl auch #Bodyshaming und > Empörkömmling, der)

Empörkömmling, der: In sozialen Netzwerken oft erwähnter und geteilter Aktivist, der mit gezielter Hysterie über vermeintliche Ungeheuerlichkeiten Teilzeitpopularität gewinnt.

Quinoa- Bowling, das: Ansammlung grenzgläubiger Superfood-Jünger im Wettstreit um die gesündeste Mahlzeit.

Napf- Spanner, der: Food- Blogger und Speisenpornograph.

Borisbeckern, das: desaströses Finanzgebaren. Spektakuläres finanzielles Scheitern, bei ungehemmter Fortführung des defizitären Lebensstils.

Amok-Poster, der: klemmende Impulskontrolle bei der internen Prüfung der Dringlichkeit der eigenen Beiträge. Ungesundes Verhältnis von Quantität und Qualität.

Instagremlin, der: Hemmungsloser Selfiejünger und Gojibeerenposter mit Hang zur Überhashtaggung banalster Beiläufigkeiten.

Fipsbook, das: Missbrauch sozialer Netzwerke zur Absonderung viertklassiger Witze und Kalauer.

Contraposieren, das: Zwanghaftes Einnehmen der Gegenposition zur outlawartigen Selbstinszenierung wider den Mainstream.

Kosmoprolet, der: vermeintlich Vielreisender, der allein durch seine Erscheinung auf den Travelselfies jeden der bereisten Orte, ja, selbst Dubai, noch ein wenig schäbiger macht.

Pleinlich: Zur-Schau-Tragung heillos überteuerter Glitzerklamotten, für die man ca. 1000 Euro mehr gezahlt hat, als für das baugleiche Strass-Leibchen bei "Gengiz-Moden" drei Straßen weiter.

Whatsappnoe, die: Lebensbedrohliche Atemaussetzer, bedingt durch das Feststellen, dass „das Arschloch, die WhatsApp schon vor drei Stunden gesehen hat!“ oder "zuletzt noch um 3 Uhr 52 online war!"

Wisch-Mob, der: Ansammlung vornehmlich junger Menschen, die ihr Sexualleben vornehmlich über Tinder organisieren.

Edge Verbindung, die: kleine Gruppe von Leuten, deren Verhalten kollektiv etwas drüber ist.

NetFix, der: Erhalt einer an sich ruinösen Beziehung weit über das Verfallsdatum hinaus Dank gemeinsamen Schauens einer langlebigen Serie. ("Wir waren dann noch sechs Staffeln zusammen.")

Domplattler, der: Unanständiger, sexuell übergriffiger Tanz. Seit jeher auf dem Oktoberfest zelebriert, zu trauriger Perfektion in der Kölner Silvesternacht 2015 gereift.

Jugendwörter des Jahres


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