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"Huricane-Festival": Ein Wiedersehen mit alten Bekannten

Es war ein wenig wie bei einem Klassentreffen: Auf dem diesjährigen "Hurricane-Festival" in Scheeßel trafen die Zuschauer auf Helden ihrer Vergangenheit.

Es war das erste Konzert der Pixies in Deutschland seit mehr als zehn Jahren - und viele der 40.000 Zuschauer auf dem Hurricane-Festival im niedersächsischen Scheeßel erinnerte es an ein Wiedersehen mit lang vermissten Freunden. Zunächst überwog das Fremdeln und Staunen, etwa über die deutliche Gewichtszunahme von Sänger Frank Black und Bassistin Kim Deal, beide inzwischen um die 40. Doch als Hits wie "Monkey Gone To Heaven" oder "Gigantic" erklangen, schlug die erst kürzlich wieder vereinte Indie-Rockband wie einst das Publikum in ihren magischen Bann.

Neben den Pixies stiegen an den drei Tagen bis Sonntagnacht noch knapp 50 weitere Bands und Künstler auf die zwei Bühnen im Innenraum der Motorradrennbahn Eichenring zwischen Bremen und Hannover, darunter auch Altmeister David Bowie. Die knapp zweistündige Show am Freitagabend stand für den inzwischen 57-jährigen Briten aber unter einem ungünstigen Stern: Noch in in der Nacht musste er ins Krankenhaus gebracht werden, im Rücken hatte sich ein Nerv eingeklemmt. Während des Konzerts ließ sich der seit 1969 aktive Künstler jedoch nichts anmerken und sang neben Stücken seines jüngsten Albums "Reality" auch ältere Hits wie etwa "Heroes" und "China Girl". Seinen tags darauf geplanten Auftritt auf dem parallel stattfindenden Southside-Festival nahe Passau sagte Bowie wegen der Verletzung ab.

Auch The Cure sind wiederauferstanden

Auch der zumeist sonnige Samstag endete in Scheeßel auf der Hauptbühne mit einer seit Jahrzehnten abseits aktueller Modeströmungen erfolgreichen Band: The Cure, bei denen seit Ende der 70er Jahre der Eigenbrötler Robert Smith den Ton angibt, entschieden sich für eine Setlist abseits der großen Hits: Neben Songs des neuen, selbst betitelten Albums dominierten Stücke aus der düsteren "Disintegration"-Ära.

Ironie und Großkotzigkeit

Zu den auffälligsten (Punk-)Rockbands zählten drei Formationen aus Schweden: Das Quintett The Hives trug einheitlich weiße Anzüge samt Gamaschen und bot eine opulente Rock'n'Roll-Show. Sänger Pelle Almquist provozierte dabei das Publikum mit zumeist ironisch gemeinter Großkotzigkeit. Auch The (International) Noise Conspiracy waren uniform in schwarz-rote Ringelshirts und Lederjacken gekleidet. Sänger Dennis Lyxzen tobte zu dem von linker Revoluzzer-Attitüde geprägten Power-Rock'n'Roll ausgelassen über die Bühne und kletterte dabei sogar fast zehn Meter hoch ins Bühnengestänge.

Gentleman und Beginner lockern das Rockprogramm auf

Etwas im Windschatten dieser beiden Bands spielte sich das Quartett Mando Diao, ebenfalls aus Schweden, am Sonntag mit vorzüglichem Retrorock mit Anleihen aus den 60er Jahren in die Herzen der Zuschauer. Begeisterten Applaus ernteten am Sonntag ebenfalls der Reggae-Sänger Gentleman, der das von harter Rockmusik geprägte Programm mit ansteckender Lässigkeit auflockerte, und die Hamburger HipHop-Combo Beginner, deren schnalzende Bässe quasi zum Mitwippen zwangen.

Das unbeständige Wetter schwenkte nach anfänglichen Regengüssen bis zum Sonntag mehr Richtung Sommer um, was die zumeist mit Zelt angereisten Musikfans erfreute. Ein konstantes Ärgernis blieb aber die Anordnung der beiden Bühnen: Vor der kleineren war während ruhigerer Stücke der Sound der größeren deutlich zu hören, was auch viele Künstler auf die Nerven fiel.