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"Tristan": Liebesdrama eröffnet Bayreuther Festspiele

Mit dem Liebesdrama "Tristan und Isolde" werden am 25. Juli die 94. Richard-Wagner-Festspiele eröffnet. Dabei wird es eine Premiere besonderer Art geben.

Nach sechs Jahren heißt es in Bayreuth wieder "Herr Tristan trete nah": Der "Tristan" steht auf dem Programm. Als erster Asiat wird der Japaner Eiji Oue im "mystischen Graben" des Festspielhauses dirigieren. Inszenierung und Ausstattung stammen vom Regieteam Christoph Marthaler und Anna Viebrock.

Ihre Interpretation ist damit die zehnte Neuinszenierung von "Tristan und Isolde" in der Geschichte der Festspiele. Das Ausnahmestück im Schaffen Richard Wagners (1813-1883), das er zwischen 1857 und 1859 in Zürich, Venedig und Luzern geschrieben und komponiert hatte, erlebte 1886 seine Bayreuther Erstaufführung unter der Leitung von Wagners Witwe Cosima. Es war damit nach "Der Ring des Nibelungen" (1876) und "Parsifal" (1882) das dritte Werk, das im Festspielhaus aufgeführt wurde. Die bislang letzte Neuinszenierung in Bayreuth stammte von Heiner Müller. Sie stand zwischen 1993 und 1999 sechs Jahre auf den Spieplan. Dirigent war damals Daniel Barenboim.

Ein Jahr ohne "Ring"

Der Schweizer Christoph Marthaler betritt in Bayreuth Neuland, denn der "Tristan" ist nach Angaben der Festspiele das erste Werk Richard Wagners, das er interpretiert. Jedoch inszeniert er bereits seit mehreren Jahren im Musiktheater. In den Titelrollen werden Robert Dean Smith und Nina Stemme zu hören sein. Der US-Amerikaner Smith ist eine feste Größe in den Planungen von Festspielchef Wolfgang Wagner: Er sang seit 1999 am "Grünen Hügel" bereits den Lohengrin, den Stolzing in den "Meistersingern" und den Siegmund in "Walküre". Geringer ist die Bayreuth-Erfahrung von Nina Stemme. Die Schwedin agierte in den 90er Jahren als Freia im "Rheingold".

Im "Ring"-freien Jahr 2005 wird der Spielplan komplettiert durch Aufführungen von "Lohengrin" (Regie: Keith Warner/Dirigent: Peter Schneider), "Der fliegende Holländer" (Claus Guth/Marc Albrecht), "Tannhäuser" (Philippe Arlaud/Christian Thielemann) und "Parsifal" (Christoph Schlingensief/Pierre Boulez). Nachdem sich der Theaterprovokateur Schlingensief und "Parsifal"-Sänger Endrik Wottrich im vergangenen Jahr zerstritten hatten, übernimmt Alfons Eberz nun die Titelrolle.

Eröffnung mit viel Prominenz

Wottrich ist noch als Erik im "Holländer" zu hören. Für die Titelrolle wurde neu der Finne Jukka Rasilainen verpflichtet. Er löst John Tomlinson ab, der seit 1988 ununterbrochen in Bayreuth dabei war, wegen einer Operation aber erst im Herbst wieder auftreten kann.

Knapp 60.000 Besucher haben bei 30 ausverkauften Aufführungen die Gelegenheit, im von Richard Wagner selbst errichteten Festspielhaus die Werke des Meisters zu hören. Zur Eröffnung am 25. Juli wird wieder Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft am "Grünen Hügel" erwartet, an der Spitze Bundespräsident Horst Köhler. Angekündigt hat sich auch Angela Merkel, seit Jahren treuer Gast in Bayreuth. Auf die CDU-Chefin und Kanzlerkandidatin dürften sich in diesem Jahr besonders viele Kameras richten.

Stephan Maurer/DPA / DPA