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Geheimes Konzert in Berlin: Verschwitzte Kellerparty mit Alicia Keys

In Zeiten der totalen Verfügbarkeit ist das Sich-rar-machen das beste Verkaufsargument: Drei Tage vorher wurde bekannt, dass Alicia Keys in Berlin ein geheimes, kleines Konzert geben wird. Es war ausverkauft, handy-freie Zone und perfekt.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Alicia Keys

Alicia Keys in Berlin - neuer Look, großartiger Sound und noch bessere Stimmung

"AUSVERKAUFT!! SOLD OUT!! ES GIBT KEINE KARTEN MEHR!! BITTE AUF KEINEN FALL IM LIDO ANRUFEN!! DANKE!!" steht auf der Seite des Berliner Clubs zu lesen. Ein bisschen panisch klingen auch die Ticketbüros. Der Andrang war groß für diesen Montagabend. Sehr groß. Und es ist rappeldickevoll. Denn heute Abend spielt Alicia Keys.

Nach drei Jahren Babypause meldet sich die 15-fache Grammy-Gewinnerin bei ihren Fans zurück mit einem für ihre Verhältnisse intimen Konzert vor 800 Leuten. Bombastischer Auftakt ihres Comebacks war der Auftritt im Mailänder Stadion San Siro vor dem Champions League Finale vor zwei Tagen. Aber das hier gerade hat mit Opulenz und Glitter nichts am Hut. Der Schweiß ist echt heute Abend. Und wir schwitzen gemeinsam. Vor und auf der Bühne. Und alle sehen glücklich aus.

Die Anzeigetafel des Lido in Berlin: Alicia Keys - sold out

"Bitte nicht anrufen! Total ausverkauft!"

Handylos glücklich

Zwei Neuerungen haben zu diesem außergewöhnlichen Erlebnis geführt: In Zeiten der totalen Verfügbarkeit retten Stars ihr Starsein, indem sie sich rar machen. Drei Tage vor dem Berliner Konzert haben die Fans überhaupt erst erfahren, dass Alicia Keys kommt. Aber auch für die, die es in den Saal geschafft haben, gab es eine Energie zu spüren, die viele schon vergessen haben: "Die Show ist eine Handy-freie Erfahrung" stand auf der Einladung. Und der Effekt ist tatsächlich beeindruckend: Wirklich alle konzentrieren sich auf die Bühne, wirklich alle sind in diesem Moment wirklich hier. Ja, es ist ein Unterschied, liebe Digital-Natives. Und den speziellen verschließbaren Handytaschen am Eingang nach zu urteilen, ein neuer Trend.

Und so beginnt die "Kellerparty" auf der mit Musikern vollgestopften Bühne. "Ich liebe Kellerpartys", sagt Alicia Keys. "Verschwitzte Kellerpartys. Feiern wir eine." Ihr Lachen, ihr melodisches Stöhnen, die Party läuft ab dem ersten Song, für den Keys Haus-DJ die Crowd schon nostalgisch auf Betriebstemperatur gebracht hat: mit Naughty by Nature, NTM, De la Soul. Die Menge kocht. Zeitlos, handylos, wunschlos glücklich.

Im Rausch der Harmonien

Opener ist das grandiose "The Gospel". Keys derwischt über die Tasten, die Beats knallen, und alles macht Sinn. Mit "28.000 Days" geht es weiter, ihr persönliches Carpe Diem. Der Sound wächst und wächst, und Keys Stimme kitzelt das Rückenmark. Wir taumeln im Rausch der Harmonien. Sie bedankt sich, dass alle ihre Telefone weggepackt haben. "Jetzt habt ihr die Hände frei." Wer war noch mal Beyoncé?

Die erste Single zum neuen Album, das irgendwann im Sommer erscheinen soll (Termin steht noch nicht fest), hebt sich wortwörtlich ab von den fetten Bässen der bisherigen Show. Leichter und niedlicher hüpft "In Common" durch den Saal. Bodennäher und gewaltiger schlägt dagegen der zweite neue Song ein: "Hallelujah". Keys scheint selbst ein bisschen überwältigt von der Stimmung im Saal. 

Natürlich besiegelt sie den Abend mit den beiden Über-Hits "No one" und "Empire State Of Mind", und sie schafft es sogar, sie neu klingen zu lassen. Gut 60 Minuten hat die Kellerparty gedauert. Und sie war perfekt!