Barbara-Schöneberger-Konzert "Dekolleté mit Kultur"


Mit 18-köpfiger Band tourt Fernsehmoderatorin Barbara Schöneberger derzeit durch Deutschland. Auftakt war am Montagabend in der ausverkauften Laeiszhalle in Hamburg. Dass sie gut reden kann, wissen wir. Eine Rampensau ist sie auch. Die entscheidende Frage lautet also: Kann sie singen?
Von Kathrin Buchner

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, Frau Schöneberger kann singen. Ganz gut sogar. In rosa-oranger Robe mit Schlitz an der Seite und mit funkelnden Schmuck an den Ohren stürmt sie die Bühne, schmettert stimmgewaltig den Disco-Klassiker "If you can read my mind", begleitet von den 18 Musikern des Berlin Pop Orchestra. Noch Fragen? Die beantwortet Barbara Schöneberger gleich im nächsten Lied. Titel: "Jetzt singt sie auch noch".

Selbstironisch, süffisant und mit entwaffnender Offenheit begegnet sie singend all den Kommentaren, die sie wohl im Vorfeld zu hören bekommen hat. "Demnächst grinst sie vom Wahlplakat, frisch verlobt und geht auf Deutschland-Tour", heißt es im Text. "Ja so ist sie halt", ist die lapidare Antwort der Schöneberger.

Tosender Applaus kommt von den 1.500 Zuschauern. Die meisten sind 30 und älter, die Männer in Anzügen, die Frauen in Abendkleidern und Kostümchen, passend zum Ambiente: die neobarocke Laeiszhalle hat Stuck an den Wänden, die Sitze in den Logen sind mit rotem Samt bezogen. Glamour, Prunk und Pomp für die Diva. Mal räkelt sich die Schöneberger auf dem Piano wie Michelle Pfeiffer in "The Fabulous Baker Boys" und lässt sich ein Saxophon-Solo spielen, mal drapiert sie sich auf einem Hocker wie Barbra Streisand und erzählt, wie sie 550 Euro für deren Konzert in Berlin ausgegeben hat und wie herrlich amerikanisch alles war.

Abendrobe mit silberner Schleppe

Vier Mal wechselt sie ihr Outfit, erst die rosa-orange Robe mit Bordüre, dann schwarze Satinhose mit grün-schillernder Korsage, nach der leider etwas langen Pause violett-changierendes Kleid mit breitem schwarzem Gürtel, als letztes dann die ganz große Garderobe: eine weißglitzernde Abendrobe mit silberner Schleppe.

Eartha-Kitt-mäßige Ausfallschritte

Aber die Schöneberger wäre nicht die Schöneberger, wenn sie den Abend nur mit Posen und Singen über die Bühne bringen würde. "Halt, stopp", schreit sie gleich am Anfang, vor lauter Klatschen könne sie nicht reden. Denn Wortanteil sei ausdrücklich gewünscht. Und entschuldigt sich erstmal für die Pressewelle, die sie im Vorfeld ausgelöst habe. "Ich bin von der eigenen Biografie angeödet", sagt sie. Und: "Wenn Sie mal Langeweile haben, mieten Sie sich ein Orchester". Dann erzählt sie von Eartha-Kitt-mäßigen Ausfallschritten und dass man als Sängerin immer die Arme hochreißen müsste.

Frech-frivol mimt sie die große Diva, die sich ständig selbst demontiert und durch den Kakao zieht. Das Hauptthema ihrer Songs sind die Beziehungen zwischen Männer und Frauen, musikalisch umgesetzt als "Revue-Jazz". Neben den Liedern aus ihrem Album singt sie in ihrem Programm "A Night to Remember" Chansons-Klassiker von Diana Ross, Hildegard Knef, Barbra Streisand. Überflüssig ist allerdings die komplett altbackene Version von "Das bisschen Haushalt", der die Schöneberger auch keine neue Note geben kann außer einer Anekdote aus ihrem eigenen Haushalt.

Standing ovations, minutenlang

Nach zwei Stunden Programm bekommen Barbara Schöneberger und das Orchester Standing ovations, minutenlang. Das quittiert sie mit dem erleichterten Ausspruch: "Danke, jetzt muss ich nicht zu ProSieben". Eine Granate, die Schöneberger, durch und durch, auch wenn man gerne noch ein paar mehr eigene Songs gehört hätte. Ein Rätsel bleibt: wie andere Gäste neben dieser Frau Eloquenz beweisen sollen, demnächst in der NDR-Talkshow.

Am 2. November erscheint erst mal ihr Album "Jetzt singt sie auch noch", weitere Termine der so gut wie ausverkauften Tournee sind am 26. September in Düsseldorf, am 27. September in München, am 28. September in Leipzig, am 30. September in Berlin und am 1. Oktober in Stuttgart. Wer sie dieses Mal verpasst hat - Schöneberger hat schon angekündigt, im nächsten Jahr noch mal eine ausgedehnte Tour einzulegen. Weil es ihr eben so Spaß macht. Schließlich wollte sie ja gerne auf Deutschlandtour gehen, wusste aber nicht womit. Dabei ist es so einfach: mit sich selbst. Divahafte Musikcomedy mit geistreich-witzigen Anekdoten. Dekolleté mit Kultur, Netzstrümpfe und schwarzer Rollkragenpulli, selbst die Schlagworte liefert ihre Marketingabteilung, der Zuschauer wird bestens unterhalten.


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