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Interview

Benny Andersson: Abba am Klavier - wie geht das, Herr Andersson?

Mit seiner Band Abba schuf er Songs, die Millionen hören. Im Gespräch mit dem stern gibt Benny Andersson Einblicke in seinen schöpferischen Prozess - und verrät, warum er unbedingt die Band Arcade Fire hören will.

Benny Andersson von Abba

Mit Abba eroberte er den Planeten, noch heute macht Benny Andersson Musik. Gerade hat er eine neue CD eingespielt.

Herr Andersson, auf Ihrer neuen CD "Piano" spielen Sie Songs Ihrer gesamten Karriere auf dem Klavier neu ein. Wie sind Sie darauf geommen?
Vor einem Jahr hatte ich gerade kein aktuelles Projekt. Und da habe ich mir eine alte Idee vorgenommen: meine Musik am Klavier. Das Projekt ist langsam gewachsen. Mir ging es zunächst gar nicht um eine weltweite Veröffentlichung, ich habe es nur für mich gemacht. Und für meine Enkel, damit sie die Musik hören können, wenn ich mal nicht mehr da bin.

Die CD erscheint bei dem renommierten Klassik-Label Deutsche Grammophon - damit steht Ihre Musik neben Komponisten wie Mozart und Beethoven. Wie fühlt sich das an?
Das ist schon cool. Aber ich vergleiche mich in keiner Weise mit diesen Künstlern.

Improvisieren Sie oder haben Sie die Stücke auskomponiert?
Nein, ich kann Musik nicht in Noten fassen. Ich habe die Songs so gespielt, wie sie in meinem Kopf sind.

Die Stücke erinnern an romantische Klaviermusik aus dem 19. Jahrhundert.
So ist das, wenn man seine Songs auf dem Klavier spielt. Aber es ist keine klassische Musik - es sind nur Songs. Ich wollte herausfinden, ob meine Musik am Klavier funktioniert.

Viele Hörer verbinden mit Abba-Songs Erinnerungen an die Zeit, als sie die Musik das erste Mal gehört haben. Ist das bei Ihnen als Schöpfer genauso?
Nein, bei meiner eigenen Musik ist da nichts. Aber natürlich weckt Musik anderer Künstler bei mir genauso Erinnerungen. Zum Beispiel wenn ich "Runaway" von Del Shannon höre. Musik hat diese Fähigkeit, dich in andere Zeiten zu versetzen. Ist das nicht großartig?

Mit Ihrer Veröffentlichung bei Deutsche Grammophon kann es passieren, dass eingefleischte Klassik-Hörer erstmals Ihre Musik hören.
Das wäre schön. Es wäre aber noch schöner, wenn Menschen, die bislang keine Klassische Musik gehört haben, mit dieser Musik in Kontakt treten, weil Sie wissen wer ich bin oder wer Abba waren. Das könnte ihnen eine Tür zur Klassik öffnen.

Woher haben Sie die Gabe, Melodien zu kreieren, die sofort ins Ohr gehen?
Ich weiß nicht, ob das eine Gabe ist. Ich wähle Dinge aus, wenn ich am Klavier sitze und vor mich hin spiele. Ich mache das jeden Tag. Wenn mir etwas gefällt, behalte ich es und arbeite es aus, baue daraus einen ganzen Song. Ich merke sofort, ob etwas gut ist, wenn ich es höre. Ich weiß nicht, wann es geschieht, oder warum es geschieht. Aber wenn ich lang genug sitze und spiele, passiert etwas.

Es ist eine Art von Magie?
Ja, das ist Magie. Ich bin froh, dass ich dabei bin, wenn es passiert.

Arbeiten Sie jeden Tag?
Ja, ich bin ein 10-bis-17-Uhr-Typ. Ich gehe in Büro, erledige dort auch andere Dinge. Aber ich mache jeden Tag Musik.

Sie müssen nicht mehr arbeiten.
Das stimmt. Aber ich will es. Irgendetwas muss ich tun. So entstand auch das Piano-Album. Gerade arbeiten wir an der Musik für "Mamma Mia 2".

Hören Sie viel Musik?
Ja. Vor allem an den Abenden.

Welche Musik?
Klassische Musik. Nur Klassik.

Haben Sie einen Lieblingskomponisten?

Mein Favorit ist Johann Sebastian Bach. Er ist der Erste und der Größte. Aber es gibt so viel andere fantastische Musik: Mozart, Beethoven, Schumann, Schubert, Debussy. Es ist ein unerschöpflicher Pool. Und für jedermann geeignet. Viele Menschen finden klassische Musik zu kompliziert. Aber das stimmt nicht. Man muss sich darauf einlassen.

Hören Sie auch Popmusik?
Ja. Wenn ich einen guten Popsong höre, freue ich mich sehr. Es ist so viel Popmusik in der Welt, aber es gibt nicht mehr so viele gute Songs. Doch dann taucht plötzlich ein Stück von dem Produzenten Max Martin (Katy Perry, Taylor Swift u.a., Anm. d. Red.) auf. Es gibt noch immer gute Musik.

Wie oft sehen Sie die anderen Abba-Mitglieder?
Björn und ich sehen uns ständig. Wir arbeiten zusammen. Und die beiden Frauen sehe ich auch. Vor ein paar Monaten haben wir uns erst gesehen. Wir sind gute Freunde.

Sie haben in Ihrem Leben so viel Musik gemacht. Stört es Sie manchmal, dass Sie von den meisten auf die 10 Jahre Abba reduziert werden?
Dagegen kann ich nichts machen. So ist das nun mal. Aber es stört mich nicht.

Gibt es eine Musikgruppe, die Sie als Nachfolger von Abba betrachten würden?
Nein, das kann ich nicht sagen. Aber jemand hat mir von einer kanadischen Band erzählt. Ich hab mir den Namen irgendwo aufgeschrieben…

Sie meinen Arcade Fire?
Ja, genau. Die muss ich mir unbedingt mal anhören.

"Piano von Benny Andersson erscheint am 29. September. Mehr bei Universal-Music

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