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Bob Marley: Er schenkte den Hängematten den Rhythmus

Auf Jamaika geboren, in Miami gestorben und vielleicht irgendwann in Äthiopien beerdigt - der Reggae-Musiker Bob Marley wäre am 5. Februar 60 Jahre alt geworden.

Seit Tagen strömen die AnhängerBob Marleys mit ihren Rastalocken und Häkelmützen in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba. Einen Monat lang soll dort ein Musikfestival zu Ehren des Hüften schwingenden Sängers gefeiert werden. Zu dem Hauptkonzert an seinem Geburtstag wird neben anderen der senegalesische Star Youssou N’Dour erwartet. Der einheimischen Bevölkerung sind die entspannten Typen mit den verfilzten Haaren nicht ganz fremd, schließlich gibt es ein paar Stunden südlich von Addis ein ganzes Dorf voll ähnlicher Gestalten. Sympathisch sind sie den Äthiopiern nicht unbedingt, denn statt die aufputschenden Blätter der Khatpflanze zu kauen, wie es sich in Äthiopien gehört, rauchen die Rastas lieber ein süßlich duftendes Kraut.

Kind eines britischen Besatzungssoldaten

Bob Marley war das Kind einer unglücklichen Beziehung: Ein britischer Marineoffizier schwängerte 1944 eine junge Jamaikanerin und verschwand aus ihrem Leben. Der kleine Bob verließ das Dorf, als er 14 war und versuchte sich als Musiker in den Slums von Kingston, der Hauptstadt von Jamaika. Mitte der 60er geschahen zwei entscheidende Dinge in seinem Leben: Er heiratete die kubanische Sängerin Rita aus seiner Band, und der äthiopische Kaiser Haile Selassie besuchte Jamaika.

Haile Selassie wurde zu dieser Zeit schon von einer sektenähnlichen Gruppe auf Jamaika als Gott auf Erden verehrt. Die Bewegung trägt den Namen des äthiopischen Kaisers vor dessen Krönung: Ras Tafari. Es sind vor allem schwarze Jamaikaner auf der Suche nach ihren afrikanischen Wurzeln. In Äthiopien verehren sie das einzige afrikanische Land, das der Kolonisierung Stand gehalten hat. Bob fand bei den Rastafaris seine spirituelle Heimat und wurde fortan ihr prominentester Missionar.

Reggae und Rastalocken

Anfang der 70er Jahre nahm Marley die ersten Reggea-Alben auf. "I shot the sheriff", später von Eric Clapton gespielt, und "No woman, no cry" wurden seine größten Hits. Marley gab Konzerte in Europa und den USA, und seine Fangemeinde wuchs und wuchs. Er schenkte der Welt die Reggaemusik und die Rastalocken.

Als er 36 war, stellten die Ärzte fest, dass er Hautkrebs hatte. Er ließ sich in Bayern behandeln und wollte zu Hause sterben, doch er schaffte es nur bis nach Miami. Dort starb er am 11. Mai 1981. Auch sein Wunsch nach einer Grabstätte in Äthiopien, das er ein einziges Mal besucht hat, wurde ihm bislang nicht erfüllt. Doch seine Witwe Rita lässt nicht locker. Wenn es sein Wunsch war, dann werde sich das eines Tages auch verwirklichen lassen, sagt sie.

Ulrike Koltermann/DPA / DPA