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BRIT AWARDS: Kylie Minogue stahl allen die Show

Die Verleihung der »Brit Awards« stand ganz im Zeichen von Kylie Minogue. Die Australierin gewann nicht nur zwei Preise, sie lieferte auch die atemberaubendste Vorstellung des Abends.

In hochhackigen Stiefeln und aufreizendem Silberslip war sie die auffallendste und strahlendste Siegerin der diesjährigen Brit Awards: Kylie Minogue legte nicht nur die aufregendste Bühnen-Performance hin - die 33-Jährige räumte auch noch zwei der wichtigsten britischen Musikpreise ab: Sie wurde als beste internationalen Sängerin und mit »Fever« für das beste Album geehrt. »Die widme ich meinem Vater«, sagte die gebürtige Australierin nach der Preisverleihung am Mittwochabend in London. Das Boulevardblatt »Mirror« verlieh ihr den Ehrentitel »Queen of the Brits«.

Elton John blieb daheim

Der sexy Auftritt von Kylie ließ den Ärger vergessen, den die beiden großen Abwesenden - Elton John (trotz zwei Nominierungen leer ausgegangen) und Robbie Williams - ausgelöst hatten: Beide lästerten über »Retorten-Popstars«, die durch Abstimmungen bei Fernseh- Wettbewerben »gemacht« werden. »Man kann die kaum noch voneinander unterscheiden, es gibt zu viel davon«, kritisierte Sir Elton: »Die Plattenfirmen wollen mit denen nur das schnelle Geld machen.«

Robbie pöbelt

Und Robbie Williams, der zum dritten Mal in Folge bester britischer Sänger wurde und seine Rekordsammlung auf 13 Awards ausbaute, drohte dem durch einen TV-Talentwettbewerb ausgewählten britischen Nachwuchs-Star Will Young: »Du willst von meinem Tellerchen essen? Du denkst, du könntest mir diesen Preis wegnehmen? Das wirst du nie schaffen, ich bin viel zu stark für dich.«

Als zu stark für die nationale Konkurrenz erwies sich auch Shooting Star Dido mit ebenfalls zwei Preisen: Beste britische Sängerin und bestes britisches Album (»No Angel«). Die 30-Jährige, die im vergangenen Jahr zwölf Millionen CDs verkaufte, hatte im vergangenen Jahr bereits mehrere internationale Preise eingeheimst.

Sting machte sich nackig

Ähnlich wie Kylie sorgte auch »Mr. Boombastic« Shaggy (»bester internationaler Sänger«) für reichlich Sex-Appeal bei seinem Auftritt: Erst tanzte er mit bis zum Bauchnabel aufgeknöpftem Hemd im Publikum auf dem Tisch, dann räkelte er sich lasziv mit 30 äußerst knapp bekleideten Tänzerinnen auf der Bühne zu seinem neuesten Song »Me Julie«. Selbst Rock-Veteran Sting (50), der für sein Lebenswerk geehrt wurde, riss sich das Hemd vom Leib, als er ein Medley seiner größten Hits spielte. Vom Ex-Police-Frontman kam auch die Botschaft des Abends: »Die eigentliche Auszeichnung ist die Musik selbst.«

Diesmal keine Skandale

Anders als in den Vorjahren blieben große Skandale bei den Brit Awards diesmal aus. US-Rapper Eminem hatte in 2001 gegen Schwule gepöbelt. Davor hatte Robbie Williams bei der Preisverleihung Oasis-Rivalen Liam Gallagher zum Boxkampf aufgefordert, weil der seine Sangeskünste kritisiert hatte. 1996 war Pulp-Sänger Jarvis Cocker auf die Bühne gesprungen und hatte seinen nackten Hintern in die Kameras gestreckt - als Protest gegen den Auftritt von Michael Jackson.

Die heutigen Popstars sind da pflegeleichter: Westlife (»bester Popact«) verneigten sich artig: »Diesen Preis verdanken wir nur unseren Fans«. Auch die Rock?n?Roll-Sensation des Jahres 2001, die New Yorker Band The Strokes, nahm ganz gesittet und artig den Preis als beste Newcomer entgegen. Und von Destiny?s Child konnte gar keine Gefahr für die guten Sitten ausgehen - die drei US-Sängerinnen waren zur Übergabe des Preises als beste Gruppe gar nicht erst erschienen.

Madonna ging leer aus

Für Kopfschütteln sorgten nur einige Jury-Entscheidungen: Die bereits mit etlichen Preisen ausgezeichnete Band Gorillaz ereilte das gleiche Schicksal wie im Vorjahr Craig David. Trotz sechs Nominierungen ging sie leer aus. Auch dass Madonna, 2001 noch »beste Sängerin«, oder Britney Spears glatt übergangen worden waren, verwunderte. Dennoch meinte die BBC: In ihrem 25. Jahr sind die Brit Awards zu den »Oscars des Musikgeschäfts« geworden.